
Weltflüchtlingstag: Ursprung, Ziele und Hintergründe
Millionen Kinder sind weltweit auf der Flucht. Hier erklären wir, warum Familien ihr Zuhause verlassen müssen und welche Folgen die Flucht aus der Heimat für Kinder hat.
von Gastautorin Johanna Wynn Mitscherlich und Sandra Redegeld
Wann und warum findet der Weltflüchtlingstag statt?
Der Weltflüchtlingstag wurde von den Vereinten Nationen 2001 ins Leben gerufen, 50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Genfer Flüchtlingskonvention. Zuvor hatte die UN-Vollversammlung im Dezember 2000 diesen Beschluss in die Wege geleitet. Der Tag findet jährlich am 20. Juni statt und ist allen Menschen weltweit gewidmet, die sich auf der Flucht befinden.
Der Weltflüchtlingstag wurde von den Vereinten Nationen 2001 ins Leben gerufen, 50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Genfer Flüchtlingskonvention. Zuvor hatte die UN-Vollversammlung im Dezember 2000 diesen Beschluss in die Wege geleitet. Der Tag ist allen Menschen weltweit gewidmet, die sich auf der Flucht befinden.
Aktuelle Zahlen: Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?
Die Zahl der geflüchteten Menschen ging zuletzt leicht zurück, bleibt jedoch auf einem sehr hohen Niveau. Laut eines Berichts des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind 117,8 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden. Gleichzeitig kehrten 2025 14,7 Millionen Vertriebene in ihre Heimat zurück, wobei sich ein Teil von ihnen zur Rückkehr gezwungen sah. 45,3 Millionen Kinder sind aus ihrer Heimat vertrieben worden. (Stand: Juni 2026)
Jeder dieser Menschen hat sein Zuhause, seine vertraute Umgebung verlassen müssen. Oft haben die Menschen nur das Nötigste dabei. Sie wurden wegen Krieg, Gewalt, Naturkatastrophen, Armut oder Verfolgung vertrieben, wie beispielsweise in Afghanistan, Gaza, Südsudan, Sudan, Syrien und der Ukraine. Innerhalb des eigenen Landes oder über die Grenzen hinaus sind sie auf der Suche nach Schutz.
- 2025 flohen rund 5,4 Millionen in vorwiegend benachbarten Länder. Fast sechs von zehn dieser Menschen stammten 2025 aus acht Ländern: Sudan, Ukraine, Venezuela, Südsudan, Burkina Faso, Afghanistan, Mali und Myanmar.
- 4,4 Millionen Menschen kehrten in ihre Heimat zurück. Oft unter widrigen Umständen in Gebiete, in denen es weiterhin gefährlich und unsicher ist. Nach Afghanistan kehrten 1,9 Millionen Menschen zurück, nach Syrien 1,3 Millionen und in den Sudan 651.000, in dem weiterhin Krieg herrscht.
- 46 Prozent aller Vertriebenen sind in ihrem eigenen Land auf der Flucht. Mehr als neun Millionen Menschen sind im Sudan auf der Flucht, in Kolumbien sind es 7,2 Millionen, in Syrien sechs Millionen, im Jemen 4,8 und in Afghanistan 4,4 Millionen Menschen, die ihr Zuhause verloren.

Die Geschwister Amir Ali (5) und Baran (3) warten mit ihren Koffern an der Grenze zu Afghanistan. Dass sie zurückkehren müssen, kann Kindern Angst machen. UNICEF ist deshalb unter anderem in den Grenzregionen im Einsatz und sorgt für kinderfreundliche Orte, an denen sie spielen und sich ausruhen können.
© UNICEF/UNI826867/KhayyamWarum fliehen Menschen?
Die Gründe, warum Kinder ihre Heimat verlassen, sind vielfältig. Wenn Kriege ausbrechen oder Umweltkatastrophen alles zerstören, bleibt Kindern und ihren Familien häufig nichts anderes übrig, als sich in der Hoffnung auf Sicherheit auf gefährliche Fluchtwege zu machen.
Flucht vor Krieg und Konflikten
Die meisten Menschen fliehen vor Kriegen, Bürgerkriegen oder anderen bewaffneten Konflikten, um ihr Leben zu schützen. Menschen, die vor Kriegen und Konflikten fliehen, sind oft über lange Zeiträume hinweg auf der Flucht. Aktuell hoffen viele Menschen im Sudan bald wieder in ihre Städte und Dörfer zurückgehen zu können. Allerdings sind die Menschen dort wegen des andauernden Krieges oftmals schon mehrfach vertrieben worden.
So auch der zwölfjährige Osman aus Nyala, das in Süd-Darfur liegt. „Ich liebe mein Zuhause in Nyala. Ich vermisse die Berge und die Baobab-Bäume. Ich hoffe, dass ich irgendwann wieder im Wadi Nyala schwimmen kann.“ Im April 2023 ist im Sudan ein brutaler Konflikt ausgebrochen, der schon zahlreichen Kindern und ihren Familien das Leben gekostet hat. Mehr als neun Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Suche nach Schutz (Stand: März 2026). Auch Osman lebt jetzt in einem Camp für Binnenflüchtlinge.

Der zwölfjährige Osman aus dem Sudan zeigt ein Bild, das er während in einem UNICEF-Zentrum für Kinder gemalt hat. Psychosoziale Aktivitäten helfen den Kindern, die Sorgen und Traumata der Flucht etwas besser zu verarbeiten.
© UNICEF/UNI545763/ElfatihFlucht aufgrund von Armut und Verfolgung
In manchen Ländern werden Menschen auch aufgrund ihrer politischen Überzeugung, ihrer Religion, ethnischen Zugehörigkeit oder sexuellen Orientierung verfolgt. Immer wieder fliehen Menschen auch, weil in ihren Heimatländern extreme Armut herrscht und wirtschaftliche Perspektiven fehlen.
Die Klimakrise als Fluchtgrund
Auch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Wirbelstürme treiben Menschen in die Flucht – meist innerhalb ihrer Heimatländer. Einem UNICEF-Bericht zufolge ist fast jedes Kind von mindestens einer Auswirkung der Klimakrise betroffen (Stand: Juni 2026). Die Klimakrise verschärft diese Situation, indem sie Wetterextreme wie Dürren, Stürme und Überschwemmungen immer häufiger und heftiger werden lässt.
Erdbeben in Afghanistan oder Überschwemmungen in Bangladesch zum Beispiel zerstörten Wohnhäuser, Krankenhäuser oder Schulen. Kinder und ihre Eltern stehen plötzlich vor dem Nichts. Das zwingt Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und sich an einem anderen Ort eine neue Zukunft aufbauen zu müssen.

Kyaw Zin Phyo (9) spielt mit seinem kleinen Bruder. Die Geschwister mussten durch den Konflikt in Myanmar aus ihrem Dorf fliehen und lebten dann als Binnenvertriebene in einem Kloster. Durch das Erdbeben waren sie gezwungen in ein behelfsmäßiges Zelt zu ziehen.
© UNICEF/UNI779261/HtetEs gibt auch Fluchtgründe, die ganz besonders Kinder betreffen: So fliehen manche Kinder etwa, weil sie Frühehen, Genitalverstümmelung, Zwangsrekrutierung als Kindersoldat*in oder andere Formen der Ausbeutung erleben oder davon bedroht sind. Auch Isaac wurde gezwungen, als Kindersoldat zu kämpfen. Er wurde von einer militanten Gruppe entführt und rekrutiert.
Oft ändert sich der Fluchtgrund auch: In Syrien und der Türkei etwa mussten viele Flüchtlinge nach dem großen Erdbeben 2023 erneut fliehen. Allein in der Türkei waren 811.000 geflüchtete Kinder schwer von dem Erdbeben getroffen und mussten monatelang in Zelten leben. Und auch in Myanmar zwingen Wirbelstürme und starke Monsune Rohingya-Familien immer wieder, erneut ihre Zelte abzureißen und anderswo Sicherheit zu finden. Im März 2025 waren die Menschen in Myanmar zudem von einem schrecklichen Erdbeben betroffen.

Ein Mädchen zeigt das einzige Spielzeug, das sie aus ihrem Zuhause mitnehmen konnte: eine Puppe. Wie Zehntausende andere Kinder musste sie nach den schweren Erdbeben in der Türkei und Syrien erstmal in einem Zelt schlafen.
© UNICEF/UN0835808/KiliçWarum flüchten Menschen über das Mittelmeer?
Mangels legaler Fluchtmöglichkeiten sind schutzsuchende Menschen gezwungen, gefährliche Wege auf sich zu nehmen. Das Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Fluchtrouten. In der Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit. Eins, in dem ihre Häuser nicht gewaltsam zertrümmert, ihre Ernten zerstört oder ihre Familien getötet werden. Der Weg ist sehr gefährlich, denn oftmals sind die Menschen nur in einem Schlauchboot unterwegs. Manchmal ohne Rettungswesten oder eine Fachkraft, die das Boot sicher in einen Hafen navigieren kann. Auf der Flucht sind sie sich selbst überlassen.
Sie sind während der Flucht tagelang auf dem offenen Meer unterwegs. Meist in Schlauchbooten, ohne Schutz vor starken Windböen oder schweren Unwettern. Sie haben nur das Allernötigste dabei. Es fehlt an Trinkwasser, Nahrung oder sanitären Anlagen.

Ein Flüchtlingsboot, das es im September 2023 nach Lampedusa in Italien geschafft hat. 11.600 Kinder sind zwischen Januar und September 2023 alleine übers Mittelmeer gereist – 60 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum im Vorjahr.
© UNICEF/UNI443173/AntonioliErwachsene und Kinder fliehen aus den Krisenregionen in Richtung Europa – immer mit der Hoffnung auf eine sichere Zukunft. Auf der Suche nach Schutz nehmen sie große Gefahren auf sich.
Jedes Jahr ertrinken Menschen im Mittelmeer oder werden vermisst. Laut UNO-Flüchtlingshilfe sind im Jahr 2025 insgesamt 1.952 Menschen als verstorben oder vermisst gemeldet.
Warum sind Kinder besonders betroffen?
38 Prozent der Menschen, die weltweit ihr Zuhause verlassen mussten, sind Kinder (Stand: Juli 2026). Kriege, Konflikte, Naturkatastrophen, Zwangsrekrutierung oder Diskriminierung – die Gründe für ihre Flucht oder Vertreibung mögen so unterschiedlich sein wie ihre Geschichten, aber gemeinsam haben sie den Verlust ihrer Heimat, traumatische Erfahrungen, die Trennung von Familienangehörigen und Freund*innen.

Kinder und ihre Mütter an der Grenze zwischen Sudan und Tschad, wo sie darauf warten, in ein provisorisches Zeltlager im Tschad umgesiedelt zu werden. Kinder im Sudan sind seit vielen Monaten wegen des Konflikts im Land ständig auf der Flucht im eigenen Land oder in Nachbarländer. Sie sind erschöpft.
© UNICEF/UNI789809/DaViele geflüchtete Kinder können monate- oder auch jahrelang nicht zur Schule gehen. Viele weitere werden auf unabsehbare Zeit von ihren Familien getrennt und sind in einer für sie fremden Umgebung auf sich allein gestellt. Die UN-Kinderrechtskonvention garantiert Kindern wichtige Rechte, darunter die Rechte auf Schutz und humanitäre Hilfe. Jedes Land, das die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert hat, ist dazu verpflichtet, die Rechte aller Kinder zu wahren.
Welchen Gefahren sind Kinder auf der Flucht ausgesetzt?
Die Flucht aus ihrer Heimat birgt für Kinder und ihre Familien ganz unterschiedliche Gefahren. Häufig fehlen Kindern legale Wege in Sicherheit und sie sind gezwungen, gefährliche Fluchtrouten zu nutzen, die durch Konfliktgebiete oder über das Meer führen. Dabei müssen sie ihr Leben häufig Schleusern und kriminellen Netzwerken anvertrauen. Auf dem Weg gibt es große Risiken: Kinder können bei der Bootsüberfahrt ertrinken, sie können verhungern, verdursten oder Opfer von Menschenhandel und sexuellen Übergriffen werden.
Der Darien Gap – ein dichtes Stück Urwald zwischen Kolumbien und Panama – gilt als eine der gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2024 haben mehr als 30.000 Kinder – darunter 2.000 Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden – versucht, über diese Fluchtroute von Lateinamerika in die Vereinigten Staaten zu kommen. Das sind 40 Prozent mehr als noch im Vorjahr.
Für viele Kinder wird die Flucht zum Dauerzustand mit immer neuen, unterschiedlichen Gefahren. Medizinische Versorgung, Nahrungsmittel und Wasser sind für die Kinder und ihre Familien knapp. Viele Kinder können nicht lernen: keine Schulbildung – das hat häufig Auswirkungen auf das gesamte Leben von Kindern. Immer wieder kommt es in solchen Kontexten auch dazu, dass Kinderarbeit und Frühehen zunehmen.
Ganz besonders schwierig ist das Leben auf der Flucht für staatenlose Kinder: Immer wieder passiert es, dass Kinder offiziell nicht registriert werden oder die Eltern die Geburtsurkunden nicht mehr haben. UNHCR schätzt, dass zwischen 2018 und 2025 mehr als 2,4 Millionen Kinder in Familien geboren wurden, die auf der Flucht waren.
Das Recht auf Bildung und das Recht auf Gesundheit gelten unabhängig davon, ob ein Kind einen Pass besitzt. Jedoch bleibt Kindern ohne Dokumente wie einen Reisepass der Zugang zur Schule und zur Gesundheitsversorgung oftmals verwehrt.
Die Rohingya aus Myanmar sind die größte staatenlose Gruppe weltweit – fast eine Millionen Menschen dieser muslimischen Minderheit leben in großen Flüchtlingslagern in Bangladesch.
Was heißt es für ein Kind allein auf der Flucht zu sein?
Die Gefahren für Kinder auf der Flucht sind dann besonders groß, wenn sie von ihren Familien getrennt werden oder von vorneherein allein auf der Flucht sind. Wann genau spricht man davon, dass ein Kind allein auf der Flucht ist? Unbegleitete geflüchtete Kinder sind Mädchen und Jungen unter 18 Jahren, die ohne Ihre Eltern oder eine*n Sorgeberechtigte*n in ein anderes Land einreisen oder dort von ihnen getrennt werden.

Als das Nachbarhaus von Walaa‘s Familie im Sudan bombardiert wurde und alle Bewohner*innen starben, flüchteten die Eltern und anderen Geschwister panisch in unterschiedliche Richtungen und verloren sich aus den Augen. Seither ist die 15-Jährige zusammen mit ihrer Schwester allein auf der Flucht. Ohne Schuhe, Wasser oder Nahrungsmittel liefen die jungen Mädchen vier Tage lang. Die vielen Leichen und zerstörten Gebäude, die sie dabei gesehen haben, bereiten den Schwestern bis heute Albträume.
© UNICEF/UNI546788/ElfatihAllein auf der Flucht zu sein, das ist für Kinder ein absoluter Albtraum. Die meisten von ihnen haben bereits traumatische Erlebnisse hinter sich, haben Familienangehörige verloren, fühlen sich verlassen, einsam und entwurzelt.
Die Geschichten, die die Kinder von ihren Reisen erzählen, sind voller Grauen und Horror. Esmeira, ein elfjähriges Mädchen aus Venezuela, berichtete UNICEF-Mitarbeiter*innen, wie sie in den Wirren des Dschungels ihre Mutter verlor. Ganz allein musste sie reißende Flüsse überqueren, sah schwerverletzte Menschen am Wegesrand und hatte großen Hunger, da sie zwei Tage lang nichts zu essen hatte. Besonders schlimm waren die Nächte, in denen sie sich voller Angst vor der Dunkelheit und den unheimlichen Geräuschen auf den Boden kauerte. Seit 2018 unterstützt UNICEF Kinder und ihre Familien, die den gefährlichen Darien Gap überqueren, mit Gesundheitsdiensten, Wasser, Sanitär- und Hygieneeinrichtungen. Der Schutz der Kinder, die Opfer von Gewalt wurden, und die Zusammenführung von Familien sind wichtige Bereiche unserer Arbeit.

Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern auf der italienischen Insel Lampedusa ankommen, haben meist Schreckliches erlebt. In Italien werden sie zunächst in sogenannten Hotspots untergebracht.
© UNICEF/UNI443174/CortiWie können Kinder auf der Flucht besser geschützt werden?
Staaten tragen die Verantwortung dafür, Rechte aller in ihrem Land lebenden Kinder zu wahren – ganz gleich woher sie kommen und wo sie sich aufhalten. Warum sind die Kinder geflohen? Welchen Aufenthaltsstatus haben sie? Können sie wieder zurückgeschickt werden? All diese Fragen dürfen nichts daran ändern, wie Kinder behandelt werden. Deshalb fordern wir die internationale Gemeinschaft dazu auf, den von UNICEF entwickelten 6-Punkte-Plan für die Rechte und zum Schutz von geflüchteten und migrierten Kindern in die Tat umzusetzen.
UNICEF fordert alle Vertragsstaaten dazu auf, die Rechte aller Kinder zu wahren, die sich in ihrem Land aufhalten. Außerdem hält UNICEF jedes Land dazu an:
- Kinder auf der Flucht vor Ausbeutung, Missbrauch und Gewalt zu schützen
- die Inhaftierung von geflüchteten und migrierten Mädchen und Jungen zu beenden – bereits eine kurze Zeit kann sich negativ auf das gesamte Leben auswirken
- die Einheit der Familien zu wahren, damit Kinder geborgen sind
- geflüchteten Kindern Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu ermöglichen – auch damit sie von ihren Rechten, beispielsweise auf Teilhabe, erfahren
- die Bedingungen in Herkunftsländern zu verbessern, beispielsweise durch die Stärkung von Kinderschutzsystemen
- Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung einzudämmen, sodass Kinder ihre Rechte uneingeschränkt wahrnehmen können und sich sicher und willkommen fühlen
In Bezug auf sichere Fluchtwege ist es wichtig, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union Maßnahmen ergreifen, um mehr sichere Wege für Flüchtlinge zu schaffen. Dies kann die Einrichtung von humanitären Korridoren, Resettlement-Programmen und anderen Schutzmechanismen umfassen, um sicherzustellen, dass Kinder und ihre Familien in Sicherheit gelangen. Die EU kann auch durch die Stärkung ihrer Asyl- und Migrationspolitik dazu beitragen, die Rechte und Bedürfnisse von Kindern auf der Flucht besser zu schützen. Dies erfordert eine umfassende Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedstaaten, der EU-Kommission, UNICEF und anderen Akteuren, um die Situation von geflüchteten Kindern zu verbessern und ihre Zukunftschancen zu fördern.
Welche Folgen hat die Flucht für Kinder und Familien?
Flucht und Verfolgung haben für Kinder Auswirkungen auf alle Lebensbereiche: auf ihre Schuldbildung, ihre psychische Gesundheit, ihre körperliche Verfassung. Kurz gesagt: Die Erfahrungen und Erlebnisse, die Kinder auf der Flucht machen, können ihre ganze Zukunft – und damit häufig die Zukunft einer ganzen Generation – beeinflussen.
Seelische Wunden und traumatische Erfahrungen

„Ich liebe es zu malen“, sagt die dreijährige Sahar. Sie geht regelmäßig in ein UNICEF-Kinderzentrum in einem Flüchtlingscamp in Hassakeh in Syrien. Dort kann sie die Sorgen der Flucht hinter sich lassen und einfach nur Kind sein.
© UNICEF/UNI466730/Al DaherBei vielen Kindern hinterlässt die Flucht tiefe seelische Verletzungen. „Warum habe ich kein Zuhause mehr? Was ist uns passiert? Wo sind meine Eltern und Geschwister?“ – das sind nur einige der schrecklichen Fragen, die sich Kinder immer wieder stellen, häufig auch, weil Kinder die Dinge, die ihnen im Leben passieren, auf ihr eigenes Handeln zurückführen und sich verantwortlich fühlen. Depressionen und Schlafstörungen sind bei Flüchtlingskindern besonders häufig. Vor allem dann, wenn Kinder weiterhin getrennt von ihren Eltern leben oder Angehörige verloren haben und nicht zur Schule gehen, ist es schwierig für sie, wieder so etwas wie ein normales Leben zu führen.
Keine Schulbildung – unsichere Zukunft
Ein wichtiger Faktor, der Normalität und Perspektiven schafft, fällt für Flüchtlingskinder meist weg: der regelmäßige Schulunterricht. In vielen Ländern, in denen Krieg wütet, wurden Schulen und Bildungsstätten zerstört oder auch als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Lehrer*innen sind häufig selbst auf der Flucht oder werden für ihre Arbeit nicht mehr bezahlt. Außerdem fehlt es an Schulmaterialien und an sanitären Einrichtungen für die Kinder. Auch der Schulweg ist häufig so gefährlich, dass Eltern ihre Kinder lieber zuhause behalten. Manchmal haben Eltern aber auch keine andere Wahl: Sie müssen ihre Kinder zum Arbeiten auf die Straße schicken oder benötigen ihre Hilfe beim Wasserholen und bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln, weil die Familien sonst nicht überleben können.

Die siebenjährige Nkembo im Kongo ist froh, endlich wieder in die Schule zu gehen. Mehr als 800.000 Kinder leben als Binnenflüchtlinge und mehr als 2.000 Schulen haben aufgrund der anhaltenden Konflikte zugemacht. Zusammen mit dem Schulministerium und anderen Behörden hat UNICEF Eltern und Lehrer*innen mobilisiert, damit möglichst viele Kinder wieder zur Schule gehen können. Dafür werden Lehrer*innen ausgebildet, Lehrmaterialien zur Verfügung gestellt und Schulranzen und Bücher an Kinder wie Nkembo verteilt.
© UNICEF/UNI456462/MulalaKrank und mangelernährt
Was, wenn Kinder während der Flucht krank werden? Leider haben sie häufig keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Das ist besonders folgenreich, weil sie oft über viele Monate kein sauberes Wasser oder ausreichend Essen bekommen.
Flüchtlingscamps sind meist sehr überfüllt, es mangelt an ausreichend Sanitäreinrichtungen, was zur schnellen Ausbreitung von Infektionskrankheiten führt. Regelmäßige Gesundheitsversorgung und Impfungen erhalten viele Kinder nicht. Für Kinder mit Behinderungen – häufig verursacht durch Kampfhandlungen – gibt es keine spezielle Förderung oder Hilfe.
Wer ist ein Flüchtling?
Laut Genfer Flüchtlingskonvention sind Flüchtlinge Menschen, die sich außerhalb des Landes befinden, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen oder in dem sie einen ständigen Wohnsitz haben. Sie gelten demnach als Flüchtling, wenn sie aufgrund ihrer "Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung" aus ihrem Heimatland fliehen mussten (Genfer Flüchtlingskonvention von 1951).
149 Länder weltweit haben die Flüchtlingskonvention unterschrieben und damit nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges beschlossen, Menschen auf der Flucht wichtige Rechte und Schutz zu gewähren. Der Flüchtlingsschutz ist wichtig, um Schutzsuchenden zu helfen. UNICEF oder das Flüchtlingshilfswerk versuchen Menschen auf der Flucht zu unterstützen.
Was ist der Unterschied zwischen Flüchtlingen, Vertriebenen und Asylsuchenden?
Die Begriffe Flüchtling, Vertriebener und Asylsuchender beschreiben unterschiedliche Situationen, auch wenn sie oft zusammen genannt werden.
Als Flüchtlinge gelten Menschen, die ihre Heimat über eine Landesgrenze hinweg verlassen. Obwohl die Flucht eine eigene Entscheidung ist, wird sie durch äußere Umstände wie Krieg oder Gewalt erzwungen. Wenn das eigene Leben in unmittelbarer Gefahr ist, wie beispielsweise durch den Vormarsch von Frontlinien oder die Zerstörung von Wohnhäusern in der Ukraine, packen Familien das Nötigste, um sich in Sicherheit zu bringen.
Als Vertriebene gelten Menschen, die gezwungen werden, ihr Zuhause zu verlassen. Suchen sie Schutz innerhalb der Grenzen ihres eigenen Landes, werden sie als Binnenvertriebene bezeichnet. Dies geschieht oft gewaltsam, etwa durch Angriffe bewaffneter Gruppen wie in der Demokratischen Republik Kongo, bei denen Familien ihr gesamtes Hab und Gut verlieren. Häufig sind diese Menschen gezwungen, mehrfach an neue Orte zu fliehen, wie in Gaza oder im Sudan.
Erreicht ein Mensch auf der Flucht ein anderes Land und bittet dort offiziell um Schutz, wird er zum Asylsuchenden. Damit beginnt ein rechtliches Verfahren, in dem der Staat prüft, ob ein Anspruch auf Asyl, also Schutz und Aufnahme, besteht.
Seit dem 12. Juni 2026 gilt die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in den EU-Mitgliedstaaten – auch in Deutschland. Sie bringt weitreichende Änderungen für Asylsuchende in der Europäischen Union mit sich – auch mit Blick auf Kinder.
UNICEF Deutschland setzt sich gemeinsam mit Partnerorganisationen dafür ein, dass begleitete und unbegleitete minderjährige Geflüchtete bei der Umsetzung der Reform in Deutschland in allen Verfahrensschritten bestmöglich geschützt und in ihren Rechten gestärkt werden.

Der 13-jährige Al-Bara’a wurde innerhalb des Jemens vertrieben. Jeden Tag trägt er seine Schwester, die aufgrund von Kriegsverletzungen nicht mehr laufen kann, auf seinem Rücken von ihrem Zelt zur Schule.
© UNICEF/UNI530319/AlhamdaniWas ist ein Binnenflüchtling?
Rechtlich gelten Menschen erst als Flüchtling, wenn sie eine Landesgrenze überquert haben und ihnen nach individueller Prüfung ein Flüchtlingsstatus zuerkannt wurde. Die meisten vertriebenen Menschen versuchen in ihrem Land zu bleiben. Man spricht im Zusammenhang mit Menschen, die innerhalb ihres Landes vertrieben sind, von Binnenvertriebenen.
Es gibt keine speziellen völkerrechtlichen Instrumente für Binnenvertriebene und Übereinkommen wie die Genfer Konventionen lassen sich meist nur schwer anwenden. Das jeweilige Heimatland ist somit für ihren Schutz und ihre Sicherheit zuständig. In Ländern wie Kolumbien, Syrien oder Sudan, in denen besonders viele Binnenflüchtlinge leben, befinden sich viele Kinder auf der Flucht in großer Not. In ihren Heimatländern herrschen häufig Gewalt, Hunger und Elend. Wie Baseme und ihre Kinder in der Demokratischen Republik Kongo leben manche von ihnen in behelfsmäßigen Zelten unter Plastikplanen in schwierigen Verhältnissen.

Baseme lebt mit ihren Kindern in einem Camp für intern vertriebene Menschen in der Demokratischen Republik Kongo.
© UNICEF/UN0791524/NdeboAus welchen Ländern fliehen die meisten Menschen?
Gewalt und Naturkatastrophen zwingen Familien weltweit zur Flucht. Allein im Sudan stieg die Zahl der vertriebenen Kinder im Jahr 2025 um 34 Prozent auf 1,4 Millionen an, von denen viele innerhalb des Landes Schutz suchen. Obwohl die meisten geflüchteten Menschen aus dem Sudan im eigenen Land vertrieben wurden, suchen einige zum Beispiel im Tschad, Ägypten und dem Südsudan Schutz. Zumal Konflikte und Hunger im Südsudan ebenfalls vermehrt Menschen zur Flucht zwingen.
Auch in der Demokratischen Republik Kongo sind viele Menschen auf der Flucht: Allein 2025 wurden 3,9 Millionen Menschen wegen des anhaltenden Konflikts im Osten des Landes und der unsicheren Lage vertrieben. In Afghanistan sind 4,4 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. In Kolumbien (7,2 Millionen), Syrien (6 Millionen) und im Jemen (4,8 Millionen) sind die Menschen gezwungen, sich innerhalb des Landes eine neue Existenz aufzubauen. Im Libanon sind zu Beginn des Jahres 2026 etwa eine Million Menschen wegen anhaltender Angriffe auf der Flucht.
Die meisten innerhalb eines Landes vertriebenen Kinder leben in Afghanistan, Somalia, Kolumbien und Mexiko (Stand: Juni 2026).
Global betrachtet findet jedes dritte Kind, das über eine Grenze flieht, in folgenden fünf Ländern Zuflucht: der Türkei, Uganda, Kolumbien, dem Tschad und Deutschland. Zurückgekehrt sind Menschen zum Beispiel nach Afghanistan oder Syrien.

Mahdi (10) ist jeden Tag nach der Schule zu dem Haus seines Großvaters in Beirut, Libanon gegangen, um sich mit ihm zu unterhalten. Das ist jetzt nicht mehr möglich: Das Haus wurde während eines Angriffs im April 2026 vollständig zerstört. Mahdi hofft, dass die Gebäude eines Tages wieder aufgebaut werden und die Menschen zurück nach Hause kommen können.
© UNICEF/UNI979076/ChoufanyWie wird der Tag der Flüchtlinge weltweit begangen?
Der Weltflüchtlingstag wird jedes Jahr in vielen Ländern weltweit durch eine Vielzahl von Veranstaltungen zur Unterstützung von geflüchteten Menschen begleitet. Die verschiedenen Aktivitäten werden unter anderem von Geflüchteten selbst, Regierungsvertreter*innen, Prominenten, Schulkindern und der breiten Öffentlichkeit durchgeführt. Dabei soll Aufmerksamkeit für die Situation von Menschen auf der Flucht geschaffen werden. Beispiele für Aktionen sind etwa Straßenaktionen oder Social-Media-Kampagnen.
Im Jahr 2026 lautet das Motto "Bis jede*r sicher ist" ("Until Everyone is Safe"). Dabei bedeutet sicher nicht nur der Schutz vor Gewalt, sondern Schulunterricht, regelmäßige und ausgewogene Ernährung, Würde und die Chance, die Zukunft neu aufzubauen. Wir von UNICEF setzen uns auf der ganzen Welt für geflüchtete und vertriebene Kinder ein.
Weltflüchtlingstag 2026: Aktionen, Veranstaltungen und Initiativen
UNICEF veranstaltet seit vielen Jahren jährlich verschiedene Aktionen, um das Bewusstsein für die Lage von geflüchteten Menschen und insbesondere Kindern zu stärken. Gemeinsam mit unseren Engagierten haben wir im Jahr 2018 zum Beispiel mit der Aktion #träumesindgrenzenlos die Wünsche und Hoffnungen junger Menschen festgehalten. In diesem Jahr geht es darum, die Geschichten von geflüchteten Menschen sichtbar zu machen. #ShareYourStory heißt die diesjährige Aktion. Auch 2026 soll am Weltflüchtlingstag den Lebensrealitäten von Geflüchteten Gehör verschafft werden.
Unsere drei Forderungen zum Weltflüchtlingstag 2026:
- Diskriminierung und Ausgrenzung beenden!
- Nachhaltige Lösungen fördern, die den Zusammenhalt der Familie schützen.
- Zugang zu Bildung und Zukunftsperspektiven für vertriebene Kinder und Jugendliche.
Wenn Sie sich ehrenamtlich für UNICEF engagieren wollen, finden Sie auf unserer Webseite weitere Informationen.
Wie unterstützt UNICEF geflüchtete Kinder?
Weltweit sind Millionen Kinder auf der Flucht. UNICEF ist für sie da – in Krisenregionen, auf Fluchtrouten und in den Ländern, in denen sie Schutz suchen. Unsere Helfer*innen leisten lebensrettende Nothilfe und verteilen sauberes Wasser, Medikamente und therapeutische Nahrung für mangelernährte Kinder.
Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist der Kinderschutz: Wir schaffen sichere Orte, an denen Kinder spielen, lernen und psychosoziale Unterstützung erhalten können. Dank Spenden helfen uns Unterstützer*innen, geflüchteten Kindern Schutz, medizinische Versorgung und eine Perspektive für die Zukunft zu geben.
Hier sind einige Beispiele, wie UNICEF Kindern auf der Flucht hilft:
Mangelernährung bekämpfen: Unsere Gesundheitshelfer*innen überprüfen, ob die Kinder unterernährt sind. Mangelernährten Kindern helfen wir mit Spezialnahrung, damit sie schnell wieder zu Kräften kommen.
Wasser und Hygiene: Wir verteilen Wasch- und Hygiene-Sets (mit Seife und Desinfektionsmittel) und liefern sauberes Trinkwasser in Flüchtlingscamps. Wir klären auch über die wichtigsten Hygiene-Regeln auf. In überfüllten Camps ist das besonders wichtig, um Infektionskrankheiten einzudämmen.
Bildung: Wir betreiben Schulen in Flüchtlingscamps und setzen uns in den Aufnahmeländern dafür ein, dass Kinder regelmäßig zur Schule gehen können. Wir bilden Lehrer*innen aus und verteilen Schulmaterialien.
Mobile Gesundheitsteams: Wir bieten den Familien grundlegende Gesundheitsservices entlang der Fluchtrouten und in den Aufnahmeländern an. Wir impfen Kinder und bieten auch umfassende psychologische Hilfe an.
Kinderschutz: Wir richten kinderfreundliche Räume ein, in denen die Mädchen und Jungen geschützt spielen, basteln und lernen können. Sie haben dort auch Ansprechpartner*innen für ihre Probleme und Sorgen. Auf unbegleitete Kinder achten wir dabei besonders.
Auch in Deutschland hilft UNICEF geflüchteten Kindern und macht sich dafür stark, dass sie geschützt und gefördert werden.
Jetzt spenden für die Flüchtlingshilfe vor Ort
Mit Ihrer Unterstützung für die UNICEF-Hilfe in Krisengebieten ermöglichen Sie geflüchteten Kindern eine Perspektive. Ihre Hilfe wirkt!
*Dieser Artikel wurde von Johanna Wynn Mitscherlich erstellt. Im Laufe des Jahres 2026 hat Sandra Redegeld diesen aktualisiert. Der Beitrag erschien erstmals im Juni 2024 und wird von uns fortlaufend überarbeitet. Unsere Quellen sind unter anderem der Global Trends Report (auf englischer Sprache).
Johanna Wynn Mitscherlich arbeitet freiberuflich für UNICEF. Sie hat viele Jahre im Nahen Osten gelebt und gearbeitet, mit einem Fokus auf die humanitäre Situation in Syrien.