
So hilft UNICEF den Kindern in Gaza
Die humanitäre Lage der Kinder in Gaza ist katastrophal. Durch die Waffenruhe konnte UNICEF deutlich mehr Hilfsgüter zu den Kindern und ihren Familien bringen. Doch die neue Gewalt verschärft die humanitäre Lage erneut. Wie UNICEF in Gaza Hilfe leistet, erklären wir in diesem Blog.
Für die Kinder in Gaza ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben. Hunger, Zerstörung und Angst bestimmen ihren Alltag. Die humanitäre Lage ist dramatisch: Die Grundversorgung ist zusammengebrochen, die meisten Gebäude sind zerstört und an keinem Ort ist es sicher.
Gewalt bringt Kinder in Gefahr
Die Waffenruhe, die im Januar in Kraft getreten war, hatte Hoffnung für Kinder und ihre Familien in Gaza gebracht. Die UNICEF-Teams konnten gemeinsam mit Partnern deutlich mehr Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen und die Hilfe massiv ausweiten. Wir lieferten unter anderem sauberes Trinkwasser, medizinische Ausrüstung, Impfstoffe und therapeutische Zusatznahrung für Kinder.
Durch die neue Gewalt, die im März aufflammte, und den wieder eingeschränkten Zugang verschärft sich die humanitäre Situation in Gaza erneut. UNICEF ist weiterhin vor Ort und leistet trotz aller Herausforderungen Hilfe.
Fakten zur UNICEF-Hilfe für Kinder in Gaza
Im Gazastreifen setzt sich UNICEF schon seit vielen Jahren für die Grundversorgung der Kinder ein, insbesondere in den Bereichen Ernährung, Wasser und sanitäre Versorgung sowie Bildung.
Auch in den vergangenen Monaten haben die UNICEF-Teams alles in ihrer Macht Stehende getan, um trotz der großen Zerstörung und der Gefahr durch Bombardierungen, Minen und Blindgänger Hilfe für Kinder zu leisten.
Die Waffenruhe hat es ermöglicht, die Hilfe zu verstärken. Hunderte Lastwagen mit lebenswichtiger Hilfe erreichten den Gazastreifen. Dass es nun neue Angriffe gibt und sich die humanitäre Lage wieder verschlechtert, beobachten wir mit großer Sorge. Die Kinder in Gaza brauchen dringend Frieden und Sicherheit. Sie müssen weiterhin mit Hilfe erreicht werden.
Diese Hilfsgüter sind in Gaza besonders nötig
Durch den Krieg ist die Grundversorgung im Gazastreifen zusammengebrochen und die Versorgungslage der Bevölkerung katastrophal. Es mangelt an sauberem Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Nur etwa 19 von 35 Krankenhäusern sind teilweise funktionsfähig. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Durch den Mangel an Wasser und santitären Einrichtungen breiten sich immer wieder Krankheiten aus.
Hilfsgüter, die gerade besonders dringend gebraucht werden, sind zum Beispiel Trinkwasser, Hygieneartikel, medizinische Ausrüstung oder Spezialnahrung für mangelernährte Kinder.

Die 17-jährige Noor musste schon viermal fliehen und lebt gerade in einem der vielen Camps, die oft nur aus provisorischen Zelten bestehen.
© UNICEF/UNI766969/NateelHunger und Mangelernährung: UNICEF versorgt Kinder in Gaza mit therapeutischer Zusatznahrung

Ahmad (5) steht bei einer öffentlichen Essenausgabe an.
© UNICEF/UNI495577/ZAGOUTAhmad, den Sie oben auf dem Foto sehen, ist sechs Jahre alt. Geduldig wartet er in der Menge bei einer öffentlichen Essenausgabe. Wegen des Mangels an Nahrungsmitteln leiden in Gaza zahlreiche Kinder an Mangelernährung.
Kein Sechsjähriger sollte sich Sorgen machen müssen, die Ahmad sich macht. Im Oktober 2024 warnten unabhängigen Expert*innen der IPC-Initiative zur Bewertung von Nahrungskrisen vor einer Hungersnot in Gaza. Durch die gestiegenen Lieferungen humanitärer Hilfsgüter während der Waffenruhe hat sich die Ernährungssituation verbessert, die Gefahr einer Hungersnot könnte aber wiederkehren, wenn humanitäre Hilfe nicht in ausreichendem Maß zu den Menschen gelangt.
UNICEF versorgt Kinder in Gaza mit therapeutischer Zusatznahrung sowie Vitaminen, Mineralien gegen Eisenmangel und proteinhaltigen Keksen, die die Ernährung von Kindern und auch schwangeren sowie stillenden Frauen unterstützen.
UNCEF versorgt Kinder in Gaza mit Trinkwasser

Der 13-jährige Youssef aus Deir al-Balah hat seinen Kanister aus einem Wassertank aufgefüllt.
Youssef (13) konnte seinen Kanister mit frischem Wasser aus einem Wassertank auffüllen. „Ich fülle etwa dreimal am Tag Wasser nach, aber auch das ist nicht genug“, sagt er.
In Gaza mangelt es an sauberem Trinkwasser. Normalerweise wird es aus den Nachbarländern eingeführt und dann verkauft. Zudem gibt es Anlagen, die das Salzwasser aus dem Mittelmeer zu Trinkwasser aufbereiten. Doch aufgrund des Krieges kamen kaum Handelswaren – also Güter, die auf dem freien Markt verkauft werden – in den Gazastreifen. Dies betrifft auch lebenswichtige Hilfsgüter wie Trinkwasser. Die Entsalzungsanlagen sind teils zerstört oder konnten nicht mehr betrieben werden, weil es an Treibstoff mangelt.
Wir von UNICEF liefern zum Beispiel Wasserflaschen und helfen dabei, Wassertanks zu installieren. Zudem bringen wir Treibstoff für Brunnenpumpen und die Entsalzungsanlagen nach Gaza, um die Wasserversorgung zu stützen. Wir liefern auch Ersatzteile, um beschädigte Anlagen und Leitungen zu reparieren.
2024 hat UNICEF dabei geholfen, eine Grundversorgung mit Wasser für 1,8 Millionen Menschen, darunter 700.00 Kinder, zu sichern.
Schutz vor Krankheiten: UNICEF verteilt Hygieneartikel
Um die Kinder vor Krankheiten wie Durchfall zu schützen, sind neben sauberem Trinkwasser auch Hygienemaßnahmen entscheidend. Deshalb versorgen wir Familien mit von uns zusammengestellten Hygienesets. Diese Sets enthalten unter anderem Seife, Duschgel und Zahnpasta sowie zum Beispiel Windeln, Periodenprodukte und Waschmittel.

In Rafah erhalten Mädchen Pakete mit Hygieneartikeln und Informationsbroschüren zum Thema Menstruationshygiene.
© UNICEF/UNI573014/El BabaUNICEF erreicht Kinder in Gaza mit lebensrettenden Impfungen
Aufgrund der katastrophalen Versorgungslage traten im Sommer 2024 im Gazastreifen nach über 25 Jahren erstmals wieder Poliofälle auf. Gemeinsam mit Partnern reagierte UNICEF schnell: In einer der gefährlichsten Impfkampagnen, die wir je durchgeführt haben, schafften wir es, rund 560.000 Kindern unter zehn Jahren gegen Kinderlähmung zu impfen.
Um die Impfkampagne umzusetzen, hat UNICEF trotz zerstörter Straßen, unterbrochener Versorgungswege und anhaltender Gewalt mehr als 1,6 Millionen Impfdosen sowie notwendige Kühlboxen und weitere Ausrüstung nach Gaza geliefert. Insgesamt wurden 94 Prozent der Kinder unter zehn Jahren geimpft.
Im Februar 2025 fand eine erneute Impfrunde statt, weil weiterhin Viren im Abwasser gefunden wurden. Die Waffenruhe ermöglichte es, auch Kinder mit Impfungen zu erreichen, die vorher noch keinen Schutz erhalten hatten.

In zwei Impfrunden wurden Kinder überall im Gazastreifen gegen Polio geimpft.
© UNICEF/UNI668500/El BabaUNICEF hilft den Kindern in Gaza, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten
Was die Kinder in Gaza erleben, können wir uns kaum vorstellen. Sie leben in ständiger Angst vor Bomben, erleben, wie ihre Eltern, Geschwister und Freund*innen sterben oder werden selbst verletzt oder getötet. Von ihrem Zuhause ist oft nur Schutt und Asche übrig. Der Krieg und seine Folgen hinterlassen tiefe Wunden bei den Kindern.
Wir von UNICEF organisieren gemeinsam mit unseren Partnern Spiel- und Sportaktivitäten in Notunterkünften. Dieses Angebot ersetzt keine Therapie; und viele Kinder bräuchten nachhaltige psychologische Betreuung. Doch dies ist in der aktuellen Situation kaum machbar. Deshalb bieten wir den Kindern zumindest einige unbeschwerte, spielerische Momente, etwas Ablenkung und Normalität inmitten der Gewalt.
2024 wurden mehr als 370.000 Kinder und Betreuungspersonen mit psychosozialen Angeboten erreicht.
Beim Spielen können die Kinder ihre schrecklichen Erlebnisse verarbeiten und für eine Weile einfach Kind sein. | © UNICEF/El Baba
UNICEF unterstützt Familien in Gaza mit Bargeldhilfen
Alaa ist vierfache Mutter und lebt mit ihrer Familie in einem Zelt. Sie erhalten von UNICEF Bargeldhilfen, die es Alaa ermöglichen, zum Beispiel Milch, Windeln, Obst und Gemüse zu kaufen.

Alaas Familie wird von UNICEF mit Bargeldhilfen unterstützt.
© UNICEF/UNI657377/El Baba"Bevor ich die Unterstützung von UNICEF bekommen habe, war unsere Situation sehr schlecht. Das Geld ermöglicht es mir, meinen Kindern das Nötigste zu kaufen", sagt Alaa.
Familien können sich für das Programm registrieren und nach einer Überprüfung wird ihnen eine bestimmte Menge Geld ausgezählt. Damit können sie sich flexibel und wo immer möglich mit dem versorgen, was sie in ihrer schwierigen Situation am dringendsten brauchen. 2024 hat UNICEF knapp eine Million Menschen mit Bargeldhilfen erreicht.
Hilfe für Kinder in Gaza mit einer Spende unterstützen
Die Beispiele und Geschichten zeigen: Humanitäre Hilfe für Kinder in Gaza ist möglich. Trotz der großen Herausforderungen sind unsere Teams auch jetzt weiterhin vor Ort und erreichen Kinder mit lebenswichtiger Hilfe.
Wenn Sie unseren Einsatz für die Kinder in Gaza unterstützen möchten, können Sie dies hier tun. Jeder Beitrag macht einen Unterschied. Vielen Dank!
UNICEF ist erschüttert über die furchtbaren Angriffe auf Israel und die Folgen für Kinder und Familien seit dem 7. Oktober 2023. Jedes Kind muss vor Gewalt geschützt sein. UNICEF fordert, dass uneingeschränkt alle Geiseln, die noch in Gaza festgehalten werden, unverzüglich freikommen und zu ihren Angehörigen zurückkehren. Die vereinbarte Waffenruhe muss vollständig eingehalten und der erforderliche Zugang für humanitäre Hilfe zugelassen werden.
In Israel ist UNICEF seit 2009 als eines von weltweit 33 UNICEF-Nationalkomitees aktiv. Das israelische Nationalkomitee wirbt um Unterstützung für die UNICEF-Arbeit weltweit und setzt sich für die Förderung und Sensibilisierung für Kinderrechte ein.
Mit Programmarbeit ist UNICEF in Israel aktuell nicht aktiv. Länder mit höherem Einkommen – wie Israel – sind in der Regel selbst in der Lage, die Kinder im Land angemessen zu versorgen. Aus diesem Grund gibt es keinen UNICEF-Spendenaufruf für die Kinder, die in Israel leben. UNICEF ist mit den zuständigen Stellen in Israel im Gespräch, wie UNICEF angesichts der weitreichenden Folgen des grausamen Angriffs vom 7. Oktober 2023 unterstützen kann.
Sie möchten mehr wissen über die Haltung von UNICEF Deutschland zu Israel und Gaza?

Laura Sandgathe ist Online-Redakteurin und Chefin vom Dienst. Sie bloggt über die UNICEF-Arbeit weltweit – über Kinder, Helfer*innen und die Projekte, in denen sie einander treffen.