
Zeitreise von Polio bis Malaria: UNICEF im Kampf gegen Krankheiten
Seit 80 Jahren lautet unsere Mission bei UNICEF, Kindern und ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen.
von Autorin Luise Lundt
Tagtäglich arbeitet unser Netzwerk aus Ärzten, Krankenpflegern, Logistikexperten und Kommunikationsspezialisten daran, dass Mädchen und Jungen auf der ganzen Welt gesund und sicher groß werden können.
Während die Covid-19-Pandemie die Welt vor einigen Jahren auf eine harte Probe gestellt hat und inzwischen sogar erste Malaria-Impfstoffe zur Verfügung stehen, möchte ich Sie auf eine Zeitreise mitnehmen und mit Ihnen auf die Arbeit – und die Erfolge! – von UNICEF in Gesundheitskrisen zurückblicken.

Bild 1 von 2 | Unser Engagement für Kinder und ihr Wohlergehen ist seit Jahrzehnten unverändert: Egal ob während einer Tuberkulose-Impfkampagne auf den Philippinen im Jahr 1952 ...
© UNICEF/UN03784
Bild 2 von 2 | ... oder während eines Polio-Ausbruchs im Gazastreifen 2024. UNICEF leitete hier eine der kompliziertesten und gefährlichsten Impfkampagnen.
© UNICEF/UNI665198/El Baba
Zeitreise: Von Anfang an im Einsatz für die Prävention von Krankheiten
UNICEF wurde im Jahr 1946 gegründet – und feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Seit seiner Gründung war UNICEF bei der Prävention von Krankheiten und der Verbesserung der Kindergesundheit ganz vorne mit dabei: In enger Zusammenarbeit mit Partnern wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben wir beispielsweise die Ausrottung der Pocken und die nahezu vollständige Ausrottung der Kinderlähmung (Polio) entscheidend mit vorangebracht. Seit 1988 ist die Zahl der von Polio betroffenen Kinder um 99 Prozent zurückgegangen – ein großartiger Fortschritt.
Techniken, die wir damals bei der Ermittlung von Kontaktpersonen entwickelt haben, nutzen wir auch heute noch, um gefährdete Kinder und ihre Familien in einigen der entlegensten Teilen der Welt zu erreichen.

Bangladesch, 1989: Die UNICEF-Botschafterin Audrey Hepburn impft ein Kind in einer Gesundheitsklinik gegen Polio.
In den 1980er Jahren haben wir dazu beigetragen, die Kindersterblichkeit in einigen Ländern um bis zu 80 Prozent zu reduzieren. Unser Erfolgsrezept: Es ist besser, Krankheiten zu verhindern (z.B. durch Impfungen), als sie zu behandeln.
Unzählige Leben konnten wir auch durch den Einsatz von oralen Rehydratationslösungen retten: Indem wir die kleinen Päckchen weltweit an erkrankte Kinder verteilten, sank allein zwischen 2000 und 2007 die Zahl der Todesfälle durch schwere Durchfallerkrankungen um 60 Prozent. Durchfall ist eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern.
Impfkampagnen rund um den Globus
Insbesondere unsere breit angelegten Impfkampagnen spielen eine große Rolle beim Schutz von Kindern vor vermeidbaren Krankheiten. Ein Beispiel: Rund 20 Millionen junge Menschenleben konnten zwischen 2000 und 2015 allein durch unsere Masernimpfungen gerettet werden.

Bild 1 von 8 | Mexiko, 1951: Zwei Krankenschwestern bereiten Impfungen für Kinder aus Bauernfamilien vor.
© UNICEF/UNI43210/Unknown
Bild 2 von 8 | Indien, 1961: Dieses Mädchen schaut gespannt zu, wie ein UNICEF-Gesundheitshelfer es gegen Pocken impft.
© UNICEF/UNI41906
Bild 3 von 8 | Türkei, 1985: Hunderte Kinder versammeln sich in Ankara vor einer der temporär eingerichteten Impfstellen. Vor der landesweiten Impfkampagne starben wöchentlich rund 500 Kinder an einer vermeidbaren Krankheit.
© UNICEF/UNI124769/Isaac
Bild 4 von 8 | Guinea, 1996: "Ein geimpftes Kind ist ein geschütztes Kind. Schließen Sie alle fünf Impfungen ab." Eine vom Ministerium für Gesundheit und UNICEF aufgestellte Plakatwand wirbt für Impfungen in der Hauptstadt Conakry.
© UNICEF/UNI33188/Clausen
Bild 5 von 8 | Bangladesch, 1996: Eine Gesundheitshelferin verabreicht einem kleinen Baby an einem von UNICEF unterstützten Einsatzort den Schluckimpfstoff gegen Kinderlähmung.
© UNICEF/UNI33442/Noorani
Bild 6 von 8 | Georgien, 1997: Stolz zeigt dieser kleine Junge die Stelle, an der er gerade gegen Masern geimpft wurde. Behandelt wurde er in einer Klinik für Geflüchtete in der nordwestlichen Stadt Zugdidi.
© UNICEF/UNI30521/LeMoyne
Bild 7 von 8 | Somalia, 1997: Diese Zeichnung an der Wand eines UNICEF-Gesundheitszentrums soll Eltern dazu ermutigen, ihre Kinder impfen zu lassen. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Analphabeten. Deshalb werden z.B. Stadtmauern genutzt, um solche Gesundheitsbotschaften zu vermitteln.
© UNICEF/UNI34318/Pirozzi
Bild 8 von 8 | Tansania, 2000: In der von UNICEF unterstützten Gesundheitsklinik im Dorf Gumba, 90 km westlich der Hauptstadt Dar es Salaam, wird eine schwangere Frau der ethnischen Gruppe der Massai gegen Tetanus geimpft.
© UNICEF/UNI34524/Pirozzi
Doch kein Land ist wie das andere: Jede Kultur stellt UNICEF vor ganz unterschiedliche Herausforderungen. Einige besondere Einblicke in unsere Impfaktionen an den entlegensten Orten der Welt habe ich Ihnen hier zusammengestellt:
HIV und Aids – Mütter und Kinder im Fokus
1987 war Aids die erste Krankheit, die in der UN-Generalversammlung offiziell debattiert wurde. Bei der Einberufung der Mitgliedsstaaten konzentrierten sich UNICEF und die WHO bereits auf mögliche Wechselwirkungen zwischen der Krankheit, der Immunisierung und dem Stillen.

Demokratische Republik Kongo, 2005: Eine Gesundheitshelferin nimmt Blut für einen HIV-Test ab. UNICEF unterstützt in diesem Gesundheitszentrum Programme zur Prävention der Mutter-Kind-Übertragung.
© UNICEF/UNI44463/PirozziWährend sich Aids rasant ausbreitete, richteten wir unseren Fokus darauf zu verstehen, wie sich das Virus von der Mutter auf das Kind überträgt – und wie sich diese Übertragung verhindern lässt. Um die Öffentlichkeit mit Fakten über HIV und Aids zu versorgen, unterstützten wir die gesundheitliche Aufklärung auf der ganzen Welt. Insbesondere in Afrika südlich der Sahara arbeiteten wir unermüdlich daran, über HIV und AIDS zu informieren und Betroffene vor Stigmatisierung und Diskriminierung zu schützen.

Honduras, 2008: Eine innige Umarmung – diese beiden Mädchen leben in einem von UNICEF unterstützten Heim, das HIV-infizierte Kinder aufnimmt, die ihre Eltern durch Aids verloren haben.
© UNICEF/UNI44079/DeCesareModerne Medikamente helfen immer besser, die Übertragung des Virus von einer infizierten Mutter auf ihr ungeborenes Kind zu verhindern. Seit 2010 konnten auf diesem Weg 1,4 Millionen HIV-Infektionen bei Kindern verhindert werden – eine großartige Erfolgsgeschichte, zu der wir maßgeblich beigetragen haben! Für die Zukunft haben wir uns weiterhin ehrgeizige Ziele gesetzt: Gemeinsam mit der WHO und anderen Partnern möchten wir Aids bis zum Jahr 2030 komplett beenden.
Schweinegrippe – Gefahr für junge Menschen
2009 breitete sich weltweit die Schweinegrippe-Pandemie aus. Betroffen waren in erster Linie Kinder und junge Erwachsene, die ansonsten bei guter Gesundheit waren. In 90 Ländern hat UNICEF Maßnahmen ergriffen, um sich auf mögliche lokale Schweinegrippe-Ausbrüche vorzubereiten. Auch nach dem Ende der Schweinegrippe-Pandemie haben wir diese Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen beibehalten, um für zukünftige Ausbrüche gewappnet zu sein.

Ägypten: Eine UNICEF-Gesundheitshelferin geht von Haustür zu Haustür und erklärt den Familien, wie sie sich im Falle einer Pandemie schützen können.
© UNICEF/UNI2434/NooraniEbola – Schutz für Betroffene
Bei dem bislang größten Ebola-Ausbruch in Westafrika von 2014 bis 2016 wurden mehr als 28.600 Fälle und 11.310 Todesfälle registriert. Während der Ebola-Krise stand UNICEF den Kindern unerschütterlich zur Seite: Zum Beispiel bei der Betreuung von ausgegrenzten Kindern, bei denen der Verdacht bestand, dass sie sich infiziert hatten. UNICEF-Helfer kümmerten sich auch um die Mädchen und Jungen, die ihre Eltern durch Ebola verloren hatten, sowie um Millionen Kinder, die während der Epidemie keine Schule besuchen konnten.

Uganda, 2019: Eine Gesundheitshelferin misst an der Grenze die Temperatur der Menschen, die aus der Demokratischen Republik Kongo nach Uganda einreisen möchten.
© UNICEF/UN0307794/Adriko2018 brach im Kongo die zweitgrößte jemals registrierte Ebola-Epidemie aus. Seitdem arbeiten wir mit Partnern in der ganzen Region zusammen, um die Übertragung zu verhindern und die Kinder im Kongo zu schützen. Innerhalb eines Jahres haben wir beispielsweise mehr als 32.400 Lehrer darin geschult, wie sie Kinder über Ebola-Prävention aufklären und Schulen zu einem sicheren Ort machen können.
Unser beispielloses Vorhaben: Eine Covid-19-Impfung für alle
Heute, einige Jahre nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie Ende 2019, können wir auf eine der größten humanitären Herausforderungen unserer Zeit zurückblicken. Die Pandemie hat das Familienleben auf der ganzen Welt durcheinandergebracht – wirtschaftliche Probleme, Schulschließungen und Ausgangssperren haben schwere Auswirkungen auf Kinder hinterlassen, deren Folgen für ihre Sicherheit, ihr Wohlergehen und ihre Zukunft bis heute spürbar sind. UNICEF hat damals unmissverständlich klargemacht: Diese Gesundheitskrise war auch eine Krise der Kinderrechte.

Über eine Million Dosen des Corona-Impfstoffs "Johnson & Johnson" erreichen den internationalen Flughafen Dar es Salaam in Tansania. In vielen ärmeren Ländern Afrikas sind die Impfquoten weiterhin extrem niedrig.
© UNICEF/UN0493555/MsirikaleInmitten dieser Krise hat UNICEF alles darangesetzt, Covid-19-Impfstoffe weltweit gerecht zugänglich zu machen. Unsere Expert*innen haben die größte und schnellste Impfkampagne aller Zeiten organisiert – mit dem Ziel, 92 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen einen Zugang zu den Impfstoffen zu garantieren.
Die ersten Impfdosen erreichten Ende Februar 2021 ihre Einsatzorte. Zusätzlich lieferte UNICEF über eine Milliarde Spritzen rund um die Welt – ein logistisches Meisterwerk, das bis heute seinesgleichen sucht.
Impfung gegen Malaria: Wie die neuen Malaria-Impfstoffe Kinderleben retten
Nach Jahrzehnten erfolgloser Forschung ist er endlich Realität: der Impfstoff gegen Malaria. Was lange als wissenschaftlich kaum erreichbar galt, ist seit Oktober 2023 gelebte Praxis – in vielen afrikanischen Ländern werden Kinder inzwischen routinemäßig gegen eine der tödlichsten Krankheiten der Welt geimpft. Für UNICEF ist das ein historischer Moment.

Mosquirix wirkt gegen Plasmodium falciparum, den tödlichsten Malariaparasiten, der sich in den roten Blutkörperchen vermehrt.
© UNICEF/UN0641056/U.S. CDC/Unique Identifier/Daylin PaulMalaria gehört nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Fast 500.000 Kinder sterben jedes Jahr an der durch Stechmücken übertragenen Krankheit. Umso bedeutsamer ist der Durchbruch: Mit Mosquirix (RTS,S/AS01) steht heute der weltweit erste zugelassene Impfstoff gegen eine parasitäre Erkrankung beim Menschen zur Verfügung – entwickelt vom britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline.
Er schützt Kinder vor schweren Verläufen einer Infektion mit Plasmodium falciparum, dem tödlichsten Malaria-Parasiten weltweit. Ein zweiter Impfstoff ergänzt inzwischen das Arsenal der Prävention. Experte*innen weltweit sehen die Malaria-Vakzine als Meilenstein – und UNICEF teilt diese Einschätzung: Zehntausende Kinderleben könnten durch die flächendeckende Einführung jedes Jahr gerettet werden. Ein Versprechen, das wir gemeinsam einlösen wollen.
Helfen Sie benachteiligten Kindern durch diese schwere Zeit
UNICEF ist in über 190 Ländern vor Ort und arbeitet mit Regierungen, Gesundheitspersonal und anderen Akteuren zusammen, um dafür zu sorgen, dass Kinder gesund und sicher aufwachsen und zur Schule gehen können – unabhängig davon, wer sie sind und wo sie leben.

Helfen Sie mit, damit die Kinder in der Zentralafrikanischen Republik sicher und gesund aufwachsen und zur Schule gehen können. Jede Spende hilft!
© UNICEF/UNI784106/Unser Einsatz für die Gesundheit der Kinder hört nicht auf: Krankheiten wie Malaria fordern noch immer jeden Tag Kinderleben, auch wenn erste Impfstoffe inzwischen neue Hoffnung geben. Routineimpfungen sind kein Luxus – sie sind lebensrettend. Wo Impfprogramme funktionieren, überleben Kinder. Sind Sie auf unserer Seite? Dann unterstützen Sie unseren Einsatz mit Ihrer Spende. Vielen Dank für Ihre Hilfe!
** Wir haben diesen Beitrag von Ruthia Yi von UNICEF.org für Sie aus dem Englischen übersetzt und adaptiert. Wir hatten ihn im Oktober 2020 erstmals veröffentlicht und haben ihn nun für unsere Leserinnen und Leser leicht aktualisiert.
Luise Lundt ist freie Journalistin und bloggt ehrenamtlich über aktuelle UNICEF-Projekte.