
Schwere Kinderrechtsverletzungen: Wie Kinder in Konflikten leiden
Kriege und Konflikte rauben Kindern das, was sie am meisten brauchen: Sicherheit, Geborgenheit und Zukunft. In diesem Blog möchten wir einen Blick darauf richten, welche Folgen Kriege für Kinder haben und wie sie besser geschützt werden können.
von Stefanie Hack
Vor dem Krieg im Gazastreifen haben Amir (11) und Fadel (14) ein ganz normales Leben geführt. Die Brüder machten Sport, sangen, spielten Theater – so erzählt es ihre Mutter Najwa. Doch der Krieg in ihrer Heimat hat ihr Leben auf schreckliche Weise für immer verändert.
An einem Tag im September 2025 waren die Jungen auf dem Weg zum Markt in Gaza-Stadt. Plötzlich waren Explosionen zu hören. Bomben schlugen ein. Die Geschwister wurden bei dem Angriff schwer verletzt.
Amir verlor an diesem Tag sein linkes Auge. Sein Bruder Fadel verlor beide Beine. “Amir und Fadel streiten sich jetzt oft. Sie lassen ihre Traurigkeit aneinander aus”, sagt Najwa. „Amir liebte es, zu singen, zu schauspielern und zu fotografieren. Wenn er heute andere Kinder spielen sieht, ist er traurig. Dann zieht er sich zurück, legt sich ins Bett und schläft.“

Amir (11) und Fadel (14) müssen ein Leben lang mit den Folgen ihrer Verletzungen leben.
© UNICEF/UNI935339/EleyanGeschichten wie diese, die unsere UNICEF-Teams im Gazastreifen regelmäßig mit uns teilen, gehen mir oft sehr nah. Denn sie machen greifbar, was sonst abstrakt bleibt: schwere Kinderrechtsverletzungen, wie sie Tausende Kinder in bewaffneten Konflikten erleiden. Was Amir und Fadel widerfahren ist, sollte kein Kind erleben. Und doch ist genau das für viele Kinder in Kriegsgebieten bittere Realität. Sie werden getötet oder verstümmelt, erleben sexualisierte Gewalt oder werden als Soldatinnen und Soldaten eingesetzt.
Die Vereinten Nationen haben im vergangenen Jahr 38.500 schwere Kinderrechtsverletzungen in bewaffneten Konflikten verifiziert. Die Zahlen haben in den letzten Jahren einen Höchststand erreicht. Besonders erschütternd ist die hohe Zahl der Kinder, die getötet oder verstümmelt wurden. Die alarmierenden Zahlen zeigen: Es braucht dringend entschlossenes Handeln, um Kinder zu schützen.
Kinder, die in Regionen aufwachsen, in denen Gewalt herrscht, erleben keine normale Kindheit. Angst, Gewalt und Verlust prägen ihren Alltag. In diesem Blog erklären wir, welchen Gefahren Kinder in Konflikten ausgesetzt sind, was schwere Kinderrechtsverletzungen sind, wo sie stattfinden und was UNICEF tut, um Kinder zu schützen.
Weltweit gibt es zurzeit mehr Konflikte als jemals zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Jedes fünfte Kind wächst heute in einem Konfliktgebiet auf.
Was sind schwere Kinderrechtsverletzungen
Im Krieg sind Kinder meist diejenigen, die am stärksten unter dessen Folgen leiden – unter brutaler Gewalt, der Flucht aus ihrem Zuhause, dem Verlust von Eltern oder Freundinnen und Freunden.
Um Kinder in Kriegsgebieten besser schützen zu können, ist es wichtig, genauer zu verstehen, welchen schweren Gefahren sie ausgesetzt sind. Die Vereinten Nationen haben dazu sechs schwerwiegende Verstöße gegen Kinderrechte in bewaffneten Konflikten identifiziert: Die Tötung und Verstümmelung von Kindern, die Rekrutierung und der Einsatz von Kindersoldatinnen und Kindersoldaten, sexualisierte Gewalt, Entführungen, Angriffe auf Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser sowie die Verweigerung humanitärer Hilfe.

In Sudans Hauptstadt Khartum sitzen Mädchen in einer durch den Krieg beschädigten Schule.
© UNICEF/UNI991150/Elfatih
Schwere Kinderrechtsverletzungen treten selten isoliert auf. Kinder können von mehr als einer Rechtsverletzung betroffen sein. Ein Kind kann zum Beispiel entführt werden, um als Kindersoldat eingesetzt zu werden und kann gleichzeitig Opfer sexualisierter Gewalt werden. 2025 stieg die Zahl der Kinder, die mehreren Rechtsverletzungen ausgesetzt waren, im Vergleich zum Vorjahr. Schwere Kinderrechtsverletzungen werden sowohl von staatlichen als auch von nichtstaatlichen Akteuren begangen.
1996 schufen die Vereinten Nationen das Mandat eines Sonderbeauftragten für Kinder und bewaffnete Konflikte. 1999 wurden sechs schwere Kinderrechtsverletzungen in bewaffneten Konflikten durch den UN-Sicherheitsrat benannt. Seit 2005 gibt es einen Überwachungs- und Berichtsmechanismus, um schwerwiegende Verstöße gegen Kinderrechte zu dokumentieren und zu verfolgen. Einmal im Jahr veröffentlicht der UN-Generalsekretär die von den Vereinten Nationen verifizierten Fälle schwerer Kinderrechtsverletzungen aus dem Vorjahr. Die Dunkelziffer liegt dabei meist höher als die tatsächlich verifizierten Fälle.
Sechs schwere Kinderrechtsverletzungen
In Kriegen kommt es oft zu schweren Angriffen, bei denen auch Kinder zu Opfern werden. Sie werden getötet oder schwer verletzt – durch direkte Angriffe oder durch Sprengkörper, Minen oder Streumunition.
Tötungen und Verstümmelungen machten in den vergangenen Jahren den größten Anteil der dokumentierten schweren Kinderrechtsverletzungen in bewaffneten Konflikten aus. Länder und Regionen, in denen besonders hohe Zahlen festgestellt wurden, sind unter anderem der Gazastreifen, der Sudan, die Demokratische Republik Kongo, die Ukraine und Haiti.
In Konflikten sind Kinder der Gefahr ausgesetzt, von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert zu werden. Sie werden gegen ihren Willen für Kämpfe, aber auch für andere Tätigkeiten eingesetzt, zum Beispiel zum Kochen, Spionieren oder als Träger*innen. Oft werden Kinder zusätzlich Opfer sexualisierter Gewalt.
Die von den Vereinten Nationen verifizierten Fälle dieser Kinderrechtsverletzung machen lediglich einen Bruchteil der Gesamtzahl der Kinder aus, von denen angenommen wird, dass sie Teil von Streitkräften und bewaffneten Gruppen sind. Mädchen werden zum Beispiel seltener offiziell identifiziert und freigelassen. Zudem haben Erkenntnisse aus Reintegrationsprogrammen zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldatinnen und -soldatinnen gezeigt, dass Mädchen Streitkräfte und bewaffnete Gruppen in der Regel still und informell verlassen und ihre Erfahrungen aus Angst vor Stigmatisierung geheim halten.
Länder, in denen noch immer viele Kinder von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert werden, sind unter anderem die Demokratische Republik Kongo, Myanmar, Nigeria, Jemen oder Somalia.
Bei Kriegen denkt man meist zunächst an direkte Auswirkungen wie Angriffe, Flucht oder den Zusammenbruch der Grundversorgung. Schwere sexualisierte Gewalt, die Kinder in bewaffneten Konflikten erleben, ist nicht so leicht sichtbar. Gleichzeitig wird sexualisierte Gewalt in Kriegen auch als Kriegswaffe eingesetzt.
Von dieser schweren Kinderrechtsverletzung sind besonders Mädchen betroffen. Die häufigste Form sexualisierter Gewalt sind Vergewaltigungen, Kinder sind aber auch Gefahren wie Zwangsheirat, Menschenhandel oder Zwangsprostitution ausgesetzt.
Die Fälle sexualisierter Gewalt haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Besonders alarmierende Fälle beobachten wir seit Kriegsbeginn im Sudan – dort wurden bereits Kleinkinder Opfer von Vergewaltigungen durch bewaffnete Gruppen.
Auch bei dieser Kinderrechtsverletzung besteht die große Herausforderung, dass viele Taten ungemeldet bleiben, weil betroffene Kinder aus Scham oder der Angst vor Stigma und Vergeltung nicht darüber sprechen. Doch das Erlebte kann Leben zerstören: Betroffene leiden nicht nur unter den körperlichen und seelischen Folgen, sondern oft auch unter Ausgrenzung und weiterer Gewalt.
Entführungen in bewaffneten Konflikten bedeuten, dass Kinder festgenommen, gefangen genommen oder inhaftiert werden. Entführungen gehen dabei oft mit anderen schweren Kinderrechtsverletzungen einher: Kinder werden entführt, um in bewaffneten Gruppen eingesetzt zu werden oder werden sexuell missbraucht.
Wenn ein Kind entführt wird, verliert es oft nicht nur den Schutz seiner Familie, sondern auch jedes Gefühl von Sicherheit, Vertrauen und Normalität. Es erlebt dabei extreme Angst, Gewalt, Ausbeutung oder tiefe seelische Verletzungen, die sie oft noch lange nach der Entführung begleiten.
Länder, in denen 2025 besonders viele Fälle von Entführungen nachgewiesen wurden, sind unter anderem die Demokratische Republik Kongo, Somalia, Haiti, Myanmar, der Tschad oder Nigeria. Bei Entführungen machen Jungen etwa drei Viertel der Fälle aus.
In Kriegen und Konflikten geraten häufig auch zivile Einrichtungen unter Beschuss – Orte, auf die Kinder besonders angewiesen sind und die eigentlich Schutz bieten sollten, werden zerstört oder beschädigt. Dazu zählen besonders Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen.
Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser gefährden nicht nur ganz akut das Leben von Kindern, sondern schränken darüber hinaus ihren Zugang zu medizinischer Versorgung ein und beeinträchtigen ihren Lernprozess. Das kann lebenslange Auswirkungen auf ihre Bildungswege, ihre beruflichen Chancen und ihre allgemeine Gesundheit haben.
Viele Fälle dieser schweren Kinderrechtsverletzung wurden 2025 im Gazastreifen, der Ukraine oder im Sudan festgestellt. Dort sind infolge der Kriege zahlreiche Schulen und auch Krankenhäuser unter Beschuss geraten und zerstört worden.
Kriege verursachen große humanitäre Not. Wenn wichtige Infrastruktur wie beispielsweise die Wasserversorgung oder Krankenhäuser durch Angriffe zerstört werden, Kinder fliehen müssen oder verletzt werden, sind sie dringend auf Hilfe angewiesen.
Gleichzeitig wird humanitäre Hilfe in bewaffneten Konflikten oft behindert oder verweigert. Konfliktparteien verwehren etwa Genehmigungen für Hilfslieferungen oder schränken den Zugang zu bestimmten Regionen ein. Auch humanitäre Helfer*innen selbst können Ziel von Angriffen werden.
Im Sudan beispielsweise gibt es einige Regionen, die aufgrund aktiver Kämpfe fast vollständig von humanitärer Hilfe abgeschnitten sind. UNICEF und anderen Organisationen gelingt es dennoch immer wieder, Hilfe zu betroffenen Menschen zu bringen. Auch im Gazastreifen war der humanitäre Zugang durch den Krieg in den letzten Jahren teilweise monatelang blockiert, mit dramatischen Folgen für Kinder und ihre Familien.
Aktuelle Zahlen: Schwere Kinderrechtsverletzungen auf Rekordniveau
Jedes Kind, das im Krieg aufwächst und schwere Gewalt erlebt, ist eines zu viel. Und doch befinden sich die Zahlen schwerer Kinderrechtsverletzungen auf einem erschreckenden Rekordhoch. 2025 wurden 38.500 schwere Kinderrechtsverletzungen dokumentiert, von denen 24.174 Kinder betroffen waren. Ein Drittel davon waren Mädchen.
Was an den aktuellen Zahlen für 2025 besonders schockierend ist: Zum ersten Mal waren staatliche Akteure, also Regierungstruppen, für mehr Verstöße verantwortlich als nichtstaatliche Gruppierungen.

Der 13-jährige Roman steht vor einem zerstörten Gebäude in seiner Heimatstadt in Sumy, Ukraine.
© UNICEF/UNI975394/Kruchkova2025 wurden folgende schwere Kinderrechtsverletzungen verifiziert:
14.224 Kinder wurden getötet oder verstümmelt.
6.607 Kinder wurden von Armeen oder bewaffneten Gruppen rekrutiert und eingesetzt, 5.129 Kinder wurden entführt.
1.783 Kinder wurden Opfer sexualisierter Gewalt.
In 8.322 Fällen wurde Kindern der Zugang zu humanitärer Hilfe verweigert.
Die meisten schweren Verstöße wurden in Israel und Palästina, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, Myanmar und Somalia festgestellt.
Hinter jedem dokumentierten Fall steht ein Kind, das großes Leid erlebt und meist ein Leben lang mit den Folgen der Gewalt leben muss. Ein Blick auf einige der schwersten aktuellen Konflikte zeigt, welche konkreten Folgen schwere Kinderrechtsverletzungen haben.
Kinder in den schlimmsten Konflikten der Welt
Gazastreifen
“Ich muss immer wieder daran denken, was passiert ist. Ich kann es nicht vergessen”, sagt Fadel (14), von dem ich Ihnen am Anfang dieses Blogs erzählt habe. Sein Leben wird nie wieder so sein, wie es einmal war, seit er bei dem schweren Luftangriff seine Beine verloren hat.
Kinder im Gazastreifen haben in den vergangenen Jahren Dinge erlebt, die kein Kind je erleben sollte: Zwischen Oktober 2023 und März 2026 wurden mindestens 21.000 Kinder getötet und mehr als 41.000 verletzt. Wie Fadel und sein Bruder Amir haben viele Kinder schwere Verletzungen durch den Krieg erlitten. Gleichzeitig fehlt es noch immer an angemessener medizinischer Versorgung, weil zahlreiche Krankenhäuser zerstört oder beschädigt sind.
Die monatelangen Blockaden humanitärer Hilfe in den Gazastreifen haben zu einer katastrophalen humanitären Lage geführt. Zehntausende Kinder leben weiterhin unter prekären Bedingungen in Zeltlagern – es mangelt an sanitären Einrichtungen, Lebensmitteln und Trinkwasser. Fast alle Schulen wurden zerstört oder beschädigt, sodass Hunderttausende Kinder jahrelang keinen Unterricht hatten. Seit Oktober 2025 gilt eine Waffenruhe. Die Aufmerksamkeit für die Lage der Kinder in Gaza hat seitdem abgenommen. Die Gewalt hat angehalten. Noch immer gibt es Angriffe, noch immer sterben Kinder.

Heftige Regenfälle haben in Gaza Ende 2025 wiederholt zu Überschwemmungen von Flüchtlingscamps geführt.
© UNICEF/UNI901364/NateelSudan
Fatima (acht Monate) litt unter Durchfall und Erbrechen und war schwer mangelernährt. Ihre Mutter Hadiat ist wie Tausende andere Menschen vor dem Krieg aus Al-Fashir im Bundesstaat Darfur geflohen.
Monatelang war die Stadt von bewaffneten Gruppen belagert und die Menschen von Hilfe abgeschnitten – sie hatten kaum Zugang zu Lebensmitteln, Wasserversorgung und medizinischer Hilfe. Gleichzeitig haben die Familien schreckliche Gewalt erlebt. Die Berichte, die wir in den vergangenen Monaten aus Darfur bekommen haben, waren erschütternd: Tötungen, sexualisierte Gewalt, Zwangsrekrutierungen von Kindern. Der Krieg hat dort zu unfassbarem Leid und einer humanitären Katastrophe geführt, die ihresgleichen sucht. Tausende Kinder in der Region sind lebensbedrohlich mangelernährt, können aber nur schwer mit Hilfe erreicht werden.

Fatima wird von ihrer Mutter mit Erdnusspaste gefüttert.
© UNICEF/UNI934956/JamalIn Tawila, wohin zahlreiche Familien geflohen sind, hat Hadiat Hilfe für ihre Tochter gefunden. In einer Gesundheitsstation bekam das Mädchen therapeutische Nahrung, um wieder zu Kräften zu kommen. UNICEF unterstützt überall im Sudan solche Einrichtungen.
Im Sudan herrscht seit mehr als drei Jahren Krieg. Kinder erleben Tag für Tag schwere Verletzungen ihrer Rechte. Insgesamt sind über 17 Millionen Kinder dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Für viele ist jeder Tag in diesem Krieg ein Kampf ums Überleben. Dennoch erhält das Leid der Kinder im Sudan noch immer nicht die Aufmerksamkeit, die es brauchet.
Ukraine
Nachdem die Schule von Nastia in Mykolajiw bei einem Angriff schwer beschädigt wurde, musste sie schließen. Die Schüler*innen waren ab diesem Zeitpunkt gezwungen, von Präsenz- auf Onlineunterricht zu wechseln – ein gewaltiger Einschnitt im Leben von Nastia und ihren Mitschülerinnen- und Schüler. Jahrelang konnten sie sich nur online sehen und mussten das Lernen von zuhause aus organisieren.

Nastia kann nach Jahren endlich wieder in ihrer Schule lernen. Tausenden anderen Kindern bleibt dies weiterhin verwehrt.
© UNICEF/UNI954089/MalashinaSchulen sollten geschützte Orte für Kinder sein, an denen sie immer sicher sind. Die Schule von Nastia wurde im letzten Jahr repariert, sodass Kinder und Jugendliche endlich wieder vor Ort in ihren Klassenzimmern lernen können.
Doch viele Kinder in der Ukraine können weiterhin nicht zur Schule. Hunderte Schulen im Land wurden durch den Krieg zum Ziel von Angriffen. Und damit auch die Bildung von Kindern. Hunderttausende Kinder lernen noch immer ausschließlich online, weil Schulen außer Betrieb sind oder der Schulbesuch durch Kampfhandlungen zu gefährlich ist.
Viele Kinder haben inzwischen große Lernrückstände. Die fehlende persönliche Interaktion mit Lehrkräften und Gleichaltrigen beeinträchtigt die Lernfähigkeit und hat darüber hinaus schwere Folgen für die psychische Gesundheit.
Für die Kinder in der Ukraine ist der Krieg zum Alltag geworden. Seit mehr als vier Jahren kennen sie kaum etwas anderes als Luftalarm, Angriffe, Bombeneinschläge. Und die Gewalt hat in den vergangenen Monaten noch weiter zugenommen. Immer wieder erschüttern uns die Nachrichten über schwere Angriffe, bei denen auch Kinder unter den Opfern sind. Seit Februar 2022 wurden in der Ukraine mehr als 3.400 Kinder getötet oder verletzt.
Demokratische Republik Kongo
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt großes Leid für die Bevölkerung gebracht. Tausende Familien sind vertrieben und leben unter schwierigsten Bedingungen in Flüchtlingslagern. Kinder sind der Gefahr mehrerer schwerer Kinderrechtsverletzungen ausgesetzt, darunter vor allem die Rekrutierung und der Einsatz durch bewaffnete Gruppen sowie sexualisierte Gewalt. Die Zahlen dieser Kinderrechtsverletzungen sind in den vergangenen Monaten weiter angestiegen.
Die 17-jährige Thérèse (Name wurde geändert) aus Kasai hat schwere sexualisierte Gewalt erlebt und den Mut gefasst, in einem geschützten Umfeld davon zu berichten: “Bewaffnete Männer drangen in unser Haus ein, vergewaltigten mich und zerstörten unseren gesamten Besitz.” Ihre Eltern waren geflohen, deshalb kam Thérèse mit ihrer Schwester bei einem Pfarrer unter.
Doch das Leben dort war hart: „Es war schwer, etwas zu essen zu finden, und wir hatten keine Möglichkeit, die Schulgebühren zu bezahlen. Ich fing an, am Fluss Kies zu sammeln, den ich dann verkaufte. Meine jüngere Schwester holte Wasser und verkaufte es an Familien. Mit diesem Geld konnten wir uns etwas zu essen kaufen“, erzählt Thérèse.

Thérèse ist nun in Sicherheit. Doch das, was sie erlebt hat, hat tiefe Spuren hinterlassen.
© UNICEF/UNI920388/BenekireHeute lebt sie in einer sozialen Einrichtung, nachdem ein Sozialarbeiter auf sie aufmerksam geworden war. Dort hat sie auch das Nähen gelernt. „Ich kann jetzt selbst Kleidung nähen. Ich habe alle Schnittmuster gelernt, die uns beigebracht wurden. Wenn ich meine eigene Nähmaschine bekomme, werde ich selbstständig arbeiten und meinen Lebensunterhalt bestreiten können. Wenn ich hierherkomme, fühle ich mich sicher.“
Solche sicheren Einrichtungen sind für Überlebende sexualisierter Gewalt mehr als Zufluchtsorte: Dort werden sie beraten, können an Kursen zur Vermittlung von Lebenskompetenzen teilnehmen und finden Halt in einer Gemeinschaft mit anderen, die ähnliches erlebt haben.
Thérèse ist nur eins von vielen Mädchen und Frauen, die in der Demokratischen Republik Kongo jeden Tag schwere sexualisierte Gewalt erleben, die ihr Leben für immer verändert.
All diese Geschichten zeigen die oft kaum vorstellbaren Schicksale von Kindern, die in Kriegsgebieten Gräueltaten ausgesetzt sind. All diese Kinder wünschen sich einfach ein normales Leben, in dem sie zur Schule gehen, lernen, spielen.
So hilft UNICEF Kindern in Konflikten
Angesichts der Gefahren durch schwere Kinderrechtsverletzungen ist es entscheidend, dass Kinder in Konflikten nicht allein gelassen werden. Genau hier setzt UNICEF gemeinsam mit internationalen und lokalen Partnern an und ist weltweit in Kriegsgebieten im Einsatz für Kinder.
Trotz großer Herausforderungen tun die UNICEF-Teams vor Ort täglich alles, um Kinder, die dringend Hilfe benötigen, zu erreichen. Krieg bedeutet, dass Kinder in akuter Gefahr durch Angriffe sind, wichtige Infrastruktur wie Wassersysteme oder Krankenhäuser zerstört werden oder dass Kinder keinen Zugang zu Nahrung haben.
Humanitäre Hilfe zu leisten ist in Kriegsgebieten überlebenswichtig: Die UNICEF-Teams liefern unter anderem Trinkwasser, medizinische Hilfsgüter, Spezialnahrung für mangelernährte Kinder, aber auch Unterrichtsmaterialien.
Im Sudan zum Beispiel gelingt es uns immer wieder, mit Hilfskonvois Lieferungen mit wichtigen Hilfsgütern auch in schwer erreichbare Gebiete in Darfur und Kordofan zu bringen. Diese Regionen sind mit am schwersten von der Gewalt betroffen.

Ein Hilfskonvoi auf dem Weg nach Darfur im Sudan.
© UNICEF/UNI969821/KhalilIn der Ukraine helfen wir dabei, sichere Orte einzurichten: UNICEF unterstützt die Ausstattung von Schutzkellern in Schulen und unterirdischen Schulen in U-Bahn-Stationen. So sind Kinder vor Angriffen geschützt und können trotz des Kriegs sicher lernen.
Wir statten Krankenhäuser mit medizinischen Hilfsgütern aus, zum Beispiel in Gaza, wo infolge des Kriegs kein Krankenhaus mehr voll funktionsfähig ist. Wir liefern Medikamente, medizinisches Material oder auch Inkubatoren für Neugeborene. Für Kinder, die infolge schwerer Verletzungen eine Behinderung haben, stellen wir Rollstühle oder Krücken bereit.
Wenn Kinder schwere Verletzungen ihrer Rechte erlebt haben, ist auch die psychosoziale Unterstützung zentral: Dazu richten wir kinderfreundliche Orte ein – oft in einfachen Zelten. Die Kinder können dort spielen, lernen oder mit geschultem Personal über ihre Traumata sprechen.

Kinder lernen in einem kinderfreundlichen Zentrum in Syrien.
© UNICEF/UNI970614/ShahanDas Ziel der kinderfreundlichen Orte ist es, den Kindern trotz all der schrecklichen Umstände und Erfahrungen ein Stück ihres Alltags – ihrer Kindheit – zurückzugeben.
Darüber hinaus setzen wir uns auf politischer Ebene für den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten ein. Wir setzen uns gegenüber den Konfliktparteien dafür ein, dass die Rechte von Kindern auch im Krieg gewahrt werden. Unsere Kolleg*innen schulen und sensibilisieren Regierungen und Gemeinschaften für die Gefahren, denen Kinder ausgesetzt sind.
UNICEF-Forderungen zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten
Humanitäre Hilfe ist unverzichtbar, wenn Kinder von Gewalt betroffen sind. Doch damit Kinder grundlegend besser geschützt werden, braucht es auch politischen Willen und die klare Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Die Rechte von Kindern müssen jederzeit und überall gewahrt werden.
Um Kinder in bewaffneten Konflikten zu schützen, fordert UNICEF:
Konfliktparteien müssen das humanitäre Völkerrecht einhalten und schwere Kinderrechtsverletzungen beenden.
Der Einsatz und die Verbreitung von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten müssen aufhören.
Der Schutz und Zugang humanitärer Helfer*innen zu Menschen in Not muss immer sichergestellt werden.
Das humanitäre Engagement mit nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen muss stärker unterstützt und erleichtert werden, um den Schutz von Kindern zu verbessern und sicheren humanitären Zugang zu ermöglichen.
Maßnahmen zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten müssen langfristig und verlässlich finanziert werden.
Alle Staaten sind nicht nur verpflichtet, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten, sondern auch dafür zu sorgen, dass es von anderen geachtet wird.
Wie Sie Kindern in Konflikten helfen können
UNICEF leistet Hilfe für Kinder in Konfliktgebieten und erreicht sie auch an den gefährlichsten Orten der Welt. Doch die Not der Kinder und die humanitären Bedarfe sind angesichts zunehmender und sich verschärfender Konflikte riesig.
Mit einer Spende können Sie unsere Arbeit unterstützen und Kinder vor schweren Kinderrechtsverletzungen schützen. Damit ermöglichen Sie, dass Kinder mit humanitärer Hilfe erreicht werden, wenn sie dringend benötigt wird, dass Schutzräume eingerichtet werden und Kinder psychologisch betreut werden, wenn sie schwere Gewalt erlebt haben.
Was Kinder in Kriegen erleben, ist kaum vorstellbar. Kinder sind nicht für Kriege verantwortlich. Aber sie leiden am meisten darunter und haben keine Macht, sie zu beenden. Wir dürfen die Kinder nicht allein lassen.
Stefanie Hack arbeitet als Redakteurin mit dem Fokus Nothilfe. Im Blog schreibt sie über die weltweite Arbeit von UNICEF und entwicklungspolitische Themen.