© UNICEF/UNI859995/FilippovKinder in bewaffneten Konflikten schützen: Eine Jugendliche steht vor einem zerstörten Haus in der Ukraine.
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Fünf-Punkte-Check: Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten

Schwere Kinderrechtsverletzungen in Konflikten erreichen neue Höchststände. Deshalb haben Plan International, Save the Children und UNICEF Deutschland einen „Fünf-Punkte-Check“ mit Empfehlungen für politische Entscheidungsträger*innen entwickelt, um Kinder in der Außen- und Sicherheitspolitik besser zu schützen.

Von Charlotte Kneffel (Plan International Deutschland), Lea Meyer (Save the Children Deutschland), Janna Articus (UNICEF Deutschland)

Schutzbunker statt Klassenzimmer, Minenfelder statt Spielplätze, Überlebenskampf statt Zukunftsträume: Weltweit wächst heute jedes fünfte Kind in einem Konfliktgebiet auf. Für Millionen von Mädchen und Jungen ist Kindheit geprägt von Gewalt, Angst und ständiger Unsicherheit.

Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Zahl der Kinder, die Opfer schwerer Kinderrechtsverletzungen geworden sind, im Jahr 2025 einen neuen dramatischen Höchststand erreicht. Es wurden laut Bericht des UN-Generalsekretärs 38.558 schwere Kinderrechtsverletzungen dokumentiert, darunter Tötung und Verstümmelung, Rekrutierung und sexualisierte Gewalt and Kindern. Noch nie waren so viele Kinder seit der Einrichtung des UN-Mandats zu Kindern und bewaffnete Konflikte betroffen. Ein Drittel der Opfer waren Mädchen.

Fünf-Punkte-Check: Konkrete Handlungsempfehlungen

Um diesem Missstand zu begegnen, haben sich drei international führende Kinderrechtsorganisationen zusammengeschlossen und einen „Fünf-Punkte-Check“ für den besseren Schutz von Kindern in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik entwickelt. Der Fünf-Punkte-Check richtet sich an Bundestagsabgeordnete sowie zuständige Ministerien und formuliert konkrete Handlungsempfehlungen, wie Kinderrechte systematisch in außen- und sicherheitspolitische Entscheidungen integriert werden können. Mit dem „Fünf-Punkte-Check“ soll die deutsche Politik unterstützt werden, ihren Anspruch zur Umsetzung und Einhaltung menschen- und völkerrechtlicher Verpflichtungen zum Schutz von Kindern zu erfüllen. Außerdem ist der Schutz von Kindern die Grundlage für eine friedliche Zukunft für alle.

Einen Einblick in den Fünf-Punkte-Check finden Sie hier: (PDF Download)

 Kinder in bewaffneten Konflikten schützen: Ein Mädchen in einem Klassenraum.

Naomie (Name geändert) hat im Osten der Demokratischen Republik Kongo mit einer Freundin Feuerholz gesammelt, als sie von bewaffneten Gruppen entführt und anschließend eingesetzt wurde. Nach ihrer Freilassung erhielt die 14-Jährige von UNICEF und Partnern unter anderem psychosoziale Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten. 

© UNICEF/UNI893560/Mirindi Johnson

Schutz von Kindern in deutscher Außen- und Sicherheitspolitik

Die alarmierenden Entwicklungen machen deutlich: Die Rechte von Kindern in bewaffneten Konflikten und ihr Schutz sind aktuell noch nicht konsequent in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik verankert.

Damit das gelingt, braucht es entschlossenes politisches Handeln. Der „Fünf-Punkte-Check“ zeigt konkrete Handlungsbedarfe und formuliert Empfehlungen in fünf zentralen Bereichen:

  1. Die Situation von Kindern in bewaffneten Konflikten muss stärker in den Fokus der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik rücken. Politische Erklärungen zum Schutz von Kindern müssen konsequent eingehalten werden.

  2. Schwere Kinderrechtsverletzungen müssen durch wirksame Präventionsmaßnahmen und einen besseren Schutz verhindert werden. Gleichzeitig braucht es umfangreiche politische und finanzielle Unterstützung für die Dokumentation schwerer Kinderrechtsverletzungen.

  3. Humanitäre Hilfe muss Kinder uneingeschränkt erreichen können. Dabei sollte den besonderen Bedürfnissen von Mädchen und Jungen noch stärker Rechnung tragen und der Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Unterstützung langfristig gesichert werden.

  4. Es braucht eine konsequente Rechenschaftspflicht: Schwere Kinderrechtsverletzungen dürfen nicht straflos bleiben, sondern müssen dokumentiert, untersucht und strafrechtlich verfolgt werden.

  5. Kinderrechte müssen in allen internationalen Handlungsfeldern deutscher Politik und in relevanten Strategien verankert werden. Eine politische und militärische Unterstützung für Konfliktparteien muss an klare Erwartungen zum Schutz von Kindern geknüpft werden.

Jede schwere Kinderrechtsverletzung ist eine zu viel. Hinter jeder Zahl steht ein Kind, dessen Rechte verletzt, dessen Entwicklung beeinträchtigt und dessen Zukunft gefährdet wird. Der Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten muss daher zu einer Priorität der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik werden. Deshalb sind politische Entscheidungsträger*innen dazu aufgefordert, alle ihr zur Verfügung stehenden politischen, diplomatischen, finanziellen und rechtlichen Instrumente zu nutzen, um Kinder wirksam vor den Folgen bewaffneter Konflikte zu schützen.