© UNICEF/UNI964788/ChoufanyTitelbild: Leben im Libanon: Kinder.
Kinder weltweit

Wie ist es, jetzt im Libanon ein Kind zu sein?

Immer wieder eskalieren die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah. Auch zuletzt vergeht im Libanon kaum ein Tag ohne Todesmeldungen oder weitere Vertreibungen. Täglich werden Kinder verletzt oder getötet und die Verzweiflung der Familien ist groß. Wie ist es, jetzt im Libanon ein Kind zu sein? In diesem Beitrag versuchen wir uns dieser Frage anzunähern und zeigen, wie UNICEF vor Ort hilft.

Leben im Libanon: Kinder und ihre aktuelle Lage

Der Libanon grenzt im Osten ans Mittelmeer, im Norden und Osten an Syrien und im Süden an Israel. Flächenmäßig ist der Libanon klein – gerade einmal so groß wie der Bundesstaat Hessen. Die Hauptstadt ist Beirut.

Das Land ist reich an Natur und Kultur. Allerdings kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah und Israel, denen die Menschen im Libanon dann meist schutzlos ausgesetzt sind. Auch der Bürgerkrieg (1975-1990) bedeutete Gewalt und Verlust für die libanesischen Menschen. In den vergangenen Jahren mussten viele Kinder und ihre Familien zudem aufgrund einer Wirtschaftskrise sowie durch die schlimme Explosion am Hafen Beiruts große Not und Hunger leiden. Infolge des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 eskalierte auch die Gewalt im Libanon. Das Leben Hunderttausender Jungen und Mädchen ist immer wieder von Krieg, Zerstörung, Vertreibung, Verlust und Trauer durchzogen. Sie leiden besonders unter der Gewalt in Nahost.

Eskalation 2024: Im Herbst 2024 waren zuletzt Hunderttausende Kinder innerhalb des Libanons aufgrund der eskalierenden Gewalt auf der Flucht. Im November 2024 wurde zwar ein Waffenstillstand vereinbart, doch es kam immer wieder zu Verletzungen der Waffenruhe.

Hunderttausende Kinder sind seit ihrer Geburt wiederholt Vertreibung und Gewalt ausgesetzt und müssen ständig um ihr Leben fürchten.

Eskalation März 2026: Seit Anfang März 2026, infolge der Eskalation im Iran, entfachte die Gewalt zwischen Israel und Hisbollah auch im Libanon erneut. Durch die Angriffe seit dem 2. März sind mindestens 116 Kinder gestorben und mindestens 356 Kinder wurden verletzt. Über eine Million Menschen wurden vertrieben, darunter mindestens 350.000 Kinder (Stand: 18.03.2026).

Leben im Libanon: Libanes*innen bringen sich am 05. März 2026 auf den Straßen Beiruts in Sicherheit.

Familien bringen sich am 05. März 2026 auf den Straßen Beiruts in Sicherheit. Sie sind aus ihrem Zuhause geflohen. Tausende Menschen, darunter viele Kinder, flohen aus ihren Häusern in den südlichen Vororten von Beirut.

© UNICEF/UNI956430/

Sauberes Wasser, Essen und medizinische Versorgung – Hunderttausende Kinder im Libanon sind dringend auf Spenden angewiesen. Es herrscht erneut ein Klima der Angst und Unsicherheit und die anhaltenden Luftangriffe lassen Kindern keine Zeit zum Durchatmen. Schulen bleiben geschlossen, Wassersysteme und Krankenhäuser wurden zerstört: Betroffen sind vor allem der Süden des Libanons, der Süden Beiruts und der Norden Bekaas, wo Hunderttausende Menschen zur Evakuierung aufgerufen wurden. Hilfsgüter wie sauberes Wasser, Nahrungsmittel, Hygieneartikel und Medikamente werden dringend benötigt. 353 Schulen mussten zu Notunterkünften umfunktioniert werden und für mehr als 115.000 Kinder wurde der Schulunterricht unterbrochen (Stand: 18.03.2026).

Ein Kind im Libanon zu sein – wie ist das jetzt? Wir haben sieben Fakten zusammengestellt, die die dramatische Situation aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Aber zunächst:

Wie viele Kinder gibt es im Libanon?

Im Libanon leben circa 5,8 Millionen Menschen. Davon sind mehr als 1,7 Millionen Kinder. Etwa jeder dritte Mensch (rund 30 Prozent) im Libanon ist minderjährig. Viele Kinder, die im Libanon leben sind geflüchtete Syrer*innen oder Palästinenser*innen. 1,3 Millionen Kinder im Libanon sind auf humanitäre Hilfe angewiesen (Stand: 12.03.2026).

Viele Kinder, wie die aus Syrien, haben bereits einen Bürgerkrieg erlebt und sind in der Hoffnung auf Sicherheit und Frieden in den Libanon gekommen . Nun erleben sie erneut Krieg und Zerstörung. UNICEF ist zutiefst besorgt über die zunehmende Gewalt und deren dramatische Folgen für Kinder und Familien. Die bewaffnete Eskalation gefährdet das Leben und Wohlbefinden von Kindern und setzt sie großen Risiken, Vertreibung und seelischen Belastungen aus.

Wie viele Kinder sind im Libanon gestorben?

In den vergangenen 28 Monaten wurden im Libanon Berichten zufolge 329 Kinder getötet und 1.632 verletzt. Laut libanesischem Gesundheitsministerium wurden seit dem 2. März – also in den ersten drei Wochen der jüngsten Eskalation – insgesamt mindestens 116 Kinder getötet (Stand: 18.03.2026). Über 256 Kinder wurden verletzt und mehr als 350.000 Kinder wurden aus ihrem Zuhause vertrieben (Stand: 18.03.2026). Doch die Zahl der betroffenen Kinder steigt.

„Gerade hören wir viel über Angriffe, Explosionen und steigende Benzinpreise. Doch das Leid der Kinder im Libanon und in der gesamten Region gerät dabei weitgehend aus dem Blick: Kinder, deren Alltag seit fast zwei Wochen von Bomben erschüttert wird. Kinder, die Angehörige verlieren – und mit jeder Explosion ein Stück Sicherheit. Auch ihre Eltern können Angst und Panik nicht verbergen“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland Mitte März.

Kein Kind sollte getötet oder verletzt werden! UNICEF ruft dringend alle Konfliktparteien zu einer sofortigen Deeskalation auf und dazu, ihren Verpflichtungen im humanitären Völkerrecht nachzukommen. Der Schutz der Bürger*innen, einschließlich der Kinder, ziviler Infrastruktur und humanitärer Helfer*innen muss unbedingt gewährleistet werden. Krankenhäuser, Schulen und Wasserversorgungssysteme dürfen niemals Ziel von Angriffen werden!

Was unsere Mitarbeiter*innen in der Region sehen und hören, zeigt leider das Gegenteil: Familien fühlen sich nicht sicher, Eltern sorgen sich um das Leben ihrer Kinder und haben Angst, dass auch in den Notunterkünften Bomben einschlagen könnten. Mehr als alles andere brauchen die Kinder und ihre Familien im Libanon und im gesamten Nahen Osten ein sofortiges Ende des Krieges und eine uneingeschränkte Versorgung mit all dem, was sie zum Überleben benötigen.

Überblick: So hilft UNICEF Kindern im aktuellen Konflikt im Nahen Osten

Kinder im Libanon wünschen sich, dass der Krieg sofort beendet wird, damit sie und ihre Familien wieder in Sicherheit leben können.

Narjes (3) und Malika (4) spielen in einer Schule, die zur Notunterkunft umfunktioniert wurde. Wir von UNICEF und unsere Partner vor Ort unterstützen Kinder und ihre Familien auch mit psychosozialen Betreuungsangeboten.

Leben im Libanon: Narjes (3) und Malika (4) spielen mit Legobausteinen.

Narjes (3) und Malika (4) spielen mit Legobausteinen in einer Schule, die zur Notunterkunft umfunktioniert wurde. 

© UNICEF/UNI965200/Choufany

Schwangere und Neugeborene im Libanon

Eine steigende Zahl an Tot- und Fehlgeburten, Mütter, die kurz vor der Geburt aus ihren zerbombten Nachbarschaften fliehen müssen und Babys, die viel zu früh auf die Welt kommen: Die Situation für schwangere Frauen und ungeborene Kinder im Libanon ist alarmierend.

Über eine Million Menschen – darunter eben auch Tausende schwangere Frauen – fliehen vor den Bomben und haben weder ein sicheres Dach über dem Kopf noch ausreichend zu essen oder sauberes Wasser.

Seit Beginn der Eskalation wurden 134 Neugeborene und Kinder in Intensivstationen von elf staatlichen Krankenhäusern aufgenommen, die von UNICEF unterstützt werden (Stand: 18.03.2026).

Gesundheitsspezialistin Rima Shaya erzählt, wie mit der Unterstützung von UNICEF in einer Schule wichtige medizinische Hilfe geleistet wird (in englischer Sprache):

Neben der lebensnotwenigen Gesundheitsversorgung und den Impfungen ist auch die Neugeborenen Nachsorge enorm wichtig für Mütter und Kinder. Orte, an denen eine Gesundheitsversorgung möglich ist, sind lebensrettend für viele Kinder und ihre Familien. Hier können sie für einen kurzen Moment dringend benötigte Leistungen wahrnehmen. Allerdings braucht es viel mehr Hilfsangebote. 3,5 Millionen Menschen benötigen medizinische Versorgung (Stand: 12.03.2026).

Geflüchtete schwangere Frauen und Mütter mit Neugeborenen müssen sich oft in Schulgebäuden oder Gemeindezentren, die zu Notunterkünften umfunktioniert wurden, zum Teil mit Hunderten anderen Menschen eine Toilette teilen. Sie liegen auf dünnen Matratzen auf dem kalten Boden und sind Krankheiten ausgesetzt, die für sie und die ungeborenen Kinder oder Babys gefährlich werden könnten. Viele der jungen und werdenden Mütter haben vor und während der Flucht Schreckliches erlebt und leben nun inmitten von Fremden in einem für sie ungewohnten Ort – ein absoluter Alptraum für sie und ihre psychische und körperliche Gesundheit.

Zudem ist das Gesundheitssystem weiter schwach, da Gesundheitsmitarbeiter*innen getötet oder verletzt wurden. Außerdem mussten viele Ärzt*innen und Gesundheitspersonal selbst fliehen, Frühchen-Stationen sind ausgelastet und Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sind beschädigt.

UNICEF befürchtet, dass der körperliche und psychische Stress der Bombardierungen und die körperliche Belastung, die eine Flucht bedeutet, zu noch mehr Tot-, Fehl- und Frühgeburten führen könnten.

Wie sieht der Alltag von Kindern in Libanon aus?

Für die Kinder ist der Alltag während der Kampfhandlungen unvorstellbar schrecklich. Sie wachen von den Geräuschen der Bombeneinschläge auf oder können vor Angst überhaupt nicht schlafen. Sie leben in Notunterkünften, kaputten Häusern oder suchen mit ihren Familien auf den Straßen Zuflucht. Sie können nicht in ihren Betten schlafen oder unbeschwert mit ihren Kuscheltieren und Spielsachen herumtollen. Stattdessen müssen sie in Notunterkünften, die ihnen völlig fremd sind, Schutz suchen.

Leben im Libanon: Amire (10) und seine Freund*innen spielen mit Legobausteinen.

Amire (10) sitzt mit Freund*innen auf dem Hof einer Schule, die als Notunterkunft umfunktioniert wurde und spielt mit Legobausteinen. Er konnte hier mit seiner Familie Zuflucht finden.

© UNICEF/UNI964784/Choufany

Auch die elfjährige Asil (die Sie im Bild unten sehen) liest mit ihren Freunden in einer temporären Unterkunft. UNICEF stellt in Notunterkünften wie dieser unter anderem Materialien zum Lernen und Spielen bereit. Denn so schrecklich die Situation für die Kinder im Libanon auch ist, kurze Momente, in denen die Kinder spielen oder lernen können, ermöglichen ihnen ein bisschen Kindheit.

Leben im Libanon: Asil (11) liest mit Freunden in einer Notunterkunft.

Asil (11) sitzt mit Freunden auf dem Schulhof einer Schule, die als Notunterkunft umfunktioniert wurde. Die Drei lesen gemeinsam. 

© UNICEF/UNI965158/Choufany

Sieben wichtige Fakten zum Leben von Kindern im Libanon

1. Kinder verlieren ihr Zuhause durch Krieg und Flucht im Libanon

Leben im Libanon: Ein junges Mädchen und ihre Schwester in einer Notunterkunft.

Ein junges Mädchen und ihre zehnjährige Schwester stehen in einer öffentlichen Schule, die zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde. Sie mussten aufgrund der Eskalation des Konflikts ihr Zuhause verlassen.

© UNICEF/UNI954642/Choufany

Karge Wände, dünne Matratzen auf dem Steinboden. Das spärliche Hab und Gut, das Menschen mitnehmen konnten, in Taschen und Rucksäcken in den Ecken der Notunterkünfte. Viele Kinder, wie die zwei Schwestern oben auf dem Bild, sind zwar froh, dass sie einander haben und in einer Unterkunft sein können, anstatt auf der Straße ausharren zu müssen. Dennoch haben Sie kein Zuhause und die Angst vor Bombeneinschlägen und Gewalt ist ein ständiger Begleiter.

So leben jetzt Hunderttausende Kinder im Libanon. Die anhaltenden Konflikte haben zu einer Welle von Vertreibungen geführt. Immer mehr Menschen werden zur Evakuierung aufgerufen.

Im folgenden Video in englischer Sprache berichten Rahaf (5) und Adam (10) von ihren Erlebnissen.

„Die Bombeneinschläge waren so stark“, sagt Rahaf (5). „Ich mag es gar nicht hier in der Notunterkunft zu sein. Wir kamen, weil es zu Hause nicht mehr sicher war. Aber ich möchte nach Hause und in meinem Bett schlafen, mit meinem Spielzeug spielen.“

Wir von UNICEF warnen vor einer „verlorenen Generation“: Hunderttausende Kinder und ihre Familien leben jetzt in Zelten entlang großer Straßen, in Schulen oder verlassenen Gebäuden oder gar unter freiem Himmel. Das eigene Zimmer? Ein richtiges Bett? Ein Schreibtisch, zum Hausaufgaben machen? Die lieb gewonnenen Kuscheltiere und Spielsachen? Fehlanzeige.

Was der Krieg mit den kleinen Seelen und Herzen der Kinder macht, ist unvorstellbar. Dabei sind es die Kinder, die am allerwenigsten für den Krieg können.

2. Viele Kinder müssen infolge von Wirtschaftskrise und Armut hungern

Libanon Kinder: Eine geflüchtete Familie lebt unter einer Plane auf der Straße in Beirut

Samira, Mutter von fünf Kindern, lebt jetzt in einem Zelt auf einer Straße in Beirut. Ihr Haus wurde bombardiert und die Familie hat nicht ausreichend zu essen, keine Toilette und keinen sicheren Schlafplatz. „Meine Kinder sollten zur Schule gehen, spielen und lachen. Jetzt leben sie in Angst und sind obdachlos.“

© UNICEF/UNI667675/Choufany

Im Libanon – einst bekannt als „Brotkorb des Nahen Osten“ – haben viele Kinder nicht ausreichend zu essen. Schon vor den jüngsten Eskalationen herrschte im Libanon eine schlimme Wirtschaftskrise; die Inflation hat die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe schnellen lassen. 1,3 Millionen Kinder im Libanon sind auf humanitäre Hilfe angewiesen (Stand: 12.03.2026) – die Verschärfung des Konflikts hat die Grundversorgung, das Gesundheits- und Bildungssystem und damit einen Großteil aller Kinder in einen Abwärtsstrudel der Not und des Hungers getrieben.

Für Kinder bedeutet das häufig, dass sie – anstatt zur Schule zu gehen – arbeiten müssen, um ihre Familien zu unterstützen.

Viele Menschen haben alles verloren: Ihre Häuser, ihre Lebensgrundlage, ihr Einkommen, und damit auch die notwendigen Gelder, um sich und ihre Kinder zu versorgen. Und selbst wenn Familien noch Erspartes haben, auf das sie zurückgreifen können: Vielerorts gibt es schlichtweg nicht ausreichend Nahrungsmittel, die die Menschen kaufen könnten. Bereits im Juni 2024 warnte die UN, dass jeder vierte Mensch im Libanon nicht ausreichend zu essen bekommt. Knurrende Mägen, Konzentrationsmangel und Entwicklungsstörungen: Heute gehen mehr Kinder denn je im Libanon hungrig ins Bett.

3. Wenn Kinder krank oder verletzt sind, können sie kaum behandelt werden – das Gesundheitssystem ist marode

Leben im Libanon: Sawsan (6) wurde bei einem Angriff 2024 schwer verletzt.

Sawsan (6) wurde bei einem Angriff 2024 schwer verletzt.

© UNICEF/UNI684169/Choufany

Sawsan (oben im Bild) spielte draußen, als eine Rakete in ihrer Nachbarschaft einschlug. Steine und Geröll flogen durch die Luft. Sawsans Mutter fand die damals Sechsjährige unter den Trümmern. Splitter steckten im Kopf des Mädchens. Sie wurde medizinisch versorgt, konnte allerdings nicht mehr sehen, hören und gehen. Ihre Familie konnte die teure und komplexe Behandlung nicht bezahlen.

Dank UNICEF wurde Sawsan medizinisch und psychologisch versorgt. Durch diese Behandlung begann sich Swansans Zustand zu bessern. Sie kann wieder hören und laufen sowie auf einem Auge sehen. Rima, Sawsans Mutter, sagt: „Sie hat ihr Lachen zurück, sie hat wieder Hoffnung.“

Leben im Libanon: Sawsan (7) hat dank ihrer Behandlung wieder Hoffnung.

Sawsan (7) hat dank ihrer Behandlung wieder Hoffnung.

© UNICEF/UNI870495/Choufany

Ein gewaltsamer Konflikt endet nicht, wenn die Bomben schweigen. Denn die Verletzungen, Traumata und Zerstörung wirken weiter. Swansan wurde 2024 verletzt, wie zahlreiche weitere Kinder. Und auch durch die jüngste Eskalation sind wieder Hunderte Kinder betroffen.

Die Unsicherheit und der Mangel an Ressourcen erschweren es Familien, die notwendige medizinische Hilfe zu erhalten. Das Gesundheitssystem steht unter enormem Druck: Wiederholte Angriffe auf Rettungssanitäter*innen und Gesundheitspersonal beeinträchtigen die Notfallversorgungskapazitäten, schränken die Evakuierung von Verletzten ein und belasten ein ohnehin schon überlastetes Gesundheitssystem.

Durch die Unterstützung von UNICEF können Familien dank mobiler Kliniken derzeit in Notunterkünften oder an Orten, an denen es keine Gesundheitsversorgung gibt, erreicht werden.

Es sind nicht nur Kriegsverletzungen, um die sich unsere Teams kümmern. In überfüllten Notunterkünften können Kinder sich leicht mit Durchfallerkrankungen, Cholera, Krätze oder Atemwegsinfekten infizieren. Auf engstem Raum, wo es an Hygienemaßnahmen und sanitären Einrichtungen mangelt, breiten sich Krankheiten rasant aus.

4. Hunderttausende Kinder im Libanon können nicht in die Schule gehen

Leben im Libanon: Ahlam (9) in ihrer zerstörten Schule.

Ahlam (9) in ihrer zerstörten Schule. Durch die gewaltsame Eskalation Ende 2024 mussten Ahlam und ihre Familie fliehen. „Ich dachte, die Schule wäre nur ein bisschen beschädigt, aber jetzt sehe ich, dass sie komplett zerstört ist – genau wie alles um sie herum. Ich habe Angst, dass der Krieg wieder beginnt,“ sagte Ahlam 2024.

© UNICEF/UNI753023/Ibarra Sánchez

Trümmer, Schutt, Asche, keine Stühle, keine Tische. Wenige Sonnenstrahlen scheinen in das dunkle kaputte Gebäude, in dem Ahlam steht. Wie Ahlam, oben auf dem Bild, hatten sich Hunderttausende Kinder darauf gefreut, wieder zurück in die Schule zu gehen. Doch viele Schulen sind nach wie vor zerstört oder werden als Notunterkünfte genutzt. Und nun ist die Gewalt neu eskaliert.

Kinder wie Ahlam hatten schon 2024 Angst vor einer erneuten Eskalation der Gewalt. Es bricht einem das Herz, denn die Gewalt entfacht erneut, immer und immer wieder.

Die Eskalation im März 2026 sorgt zum wiederholten Mal für eine Unterbrechung der Bildung. Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, zerstört das nicht nur ihre Zukunftschancen. Mit jedem Tag, den ein Kind nicht in die Schule geht, steigt auch das Risiko von Missbrauch, Kinderehe und Kinderarbeit.

Das Bildungssystem im Libanon steht unter enormem Druck: 353 öffentliche Schulen wurden zu Notunterkünften umfunktioniert, wodurch der Schulbetrieb für über 115.000 Schüler unterbrochen wurde (Stand: 18.03.2026).

Vor Ort unterstützt UNICEF das Bildungsangebot für Kinder unter anderem in 32 Makani-Zentren und 25 Dirasa-Schulen. Damit erhalten 19.695 Kinder an sicheren, gut erreichbaren Standorten Zugang zu Bildungsangeboten. UNICEF verteilt außerdem Lernmaterialien an Zehntausende Kinder in Notunterkünften und bietet Aktivitäten und Programme für Kinder an. Was Kinder aber brauchen ist ein nachhaltiger Frieden und ununterbrochen die Möglichkeit zur Schule zu gehen.

Leben im Libanon: Der 13-jährige Ali steht in seiner ehemaligen, im Krieg beschädigten Schule.

Der 13-jährige Ali steht in seiner ehemaligen Schule in Ayta al Shaab, die schwer beschädigt ist. „Jedes Mal, wenn ich meine zerstörte Schule sehe, bin ich traurig“, sagt er. 

© UNICEF/UNI753043/Ibarra Sánchez

5. Kinder im Libanon leben in Angst vor Explosionen und Angriffen

Kinder müssen Schreckliches erleben. Adam (10), den sie schon aus dem Video oben kennen, erzählt von seinen Erlebnissen Anfang März:

© UNICEF

Es klang wie Donner. Wir sind um drei Uhr nachts von zuhause geflohen. Die Angriffe stoppten nicht. Sie waren so stark, es fühlte sich an, als sei die ganze Welt am Brennen. Mein Herz schlug schnell und ich weinte vor Angst.

Adam (10)

Auch Ilas (4) und Maya (5, auf dem Bild unten) haben im Herbst 2024 Schreckliches durchmachen müssen: „Als die Rakete das Haus neben uns traf, zersprangen die Fenster und alles war voller Staub und Glas. Wir rannten und rannten. Dann umarmten wir einander und haben geweint.“ Zwar sind Maya und Ilas in der Notunterkunft in Beirut erstmal in Sicherheit, aber die Erinnerungen an die Angriffe und Bombardierungen lassen vielen Kindern keine Ruhe.

Libanon Kinder: Porträt von zwei Mädchen
© UNICEF/UNI655517/Choufany

Was hinterlässt das für Spuren, wenn Kinder so früh miterleben, wie ihr Zuhause zerstört wird und enge Familienangehörige – zum Teil vor ihren Augen – getötet werden? Wie ist es für sie, ihre erwachsenen Familienmitglieder verzweifelt zu sehen und keinen Halt mehr zu spüren? Rund 800.000 Kinder im Libanon waren schon vor den Eskalationen der Gewalt 2024 und 2026 von psychischen Belastungen betroffen. Die Angst ist zu ihrem ständigen Begleiter geworden: Angst vor Luftangriffen, Explosionen, Angst davor, noch mehr zu verlieren. UNICEF ist sehr besorgt, was das mit der langfristigen Entwicklung der Kinder macht – körperlich, aber vor allem auch psychisch.

Leben im Libanon: UNICEF unterstützt vertriebene Kinder mit psychosozialen Aktivitäten.

UNICEF unterstützt vertriebene Kinder mit psychosozialen Aktivitäten, damit sie zumindest zeitweise das Erlebte vergessen und wieder einfach nur Kind sein können. Wo auch immer möglich bietet UNICEF psychologische Betreuung an. 

© UNICEF/UNI963776/Choufany

6. Mädchen im Libanon haben es häufig schwerer als Jungen

Leben im Libanon: Zeinab (13), Fadak (12) und Fatima (2, von links nach rechts) in einer Notunterkunft.

Zeinab (13), Fadak (12) und Fatima (2, von links nach rechts) in einer Schule in Beirut, die zur Notunterkunft umfunktioniert wurde. 

© UNICEF/UNI964786/Choufany

Mädchen und Frauen haben es im Libanon oft besonders schwer. Von jungen Mädchen wird erwartet, dass sie ihren Müttern im Haushalt helfen und nicht selten werden sie viel früher als ihre Brüder aus der Schule genommen. Traditionelle Geschlechterrollen und gesellschaftliche Normen bedeuten für sie häufig Einschränkungen. In Notsituationen, wie sie Mädchen im Libanon aktuell erleben, sind sie zudem häufig Missbrauch und Gewalt ausgesetzt und werden nicht selten aufgrund von finanziellem Druck viel zu früh verheiratet.

Libanon Kinder: Ein Mädchen sitzt in einem Zelt

Die zehnjährige Ghofran ist mit ihrer Mutter und ihren Schwestern geflohen. Der Vater hat die Familie verlassen. Ohne ausreichend Geld und Unterstützung lebt die Familie jetzt in einem Zelt auf der Straße. Alleinerziehende Mütter und Mädchen erfahren in Kriegs- und Krisensituationen häufig besonders stark Diskriminierung und Gewalt. 

© UNICEF/UNI667674/Choufany

Studien zeigen auch, dass ihr Zugang zu Hilfe teilweise eingeschränkt wird, es schwieriger für alleinerziehende Mütter ist, mit ihren Kindern alleine zu fliehen und sie Ausbeutung auf der Flucht ausgesetzt sind. UNICEF und andere Hilfsorganisationen achten deswegen besonders darauf, dass die Bedürfnisse von Mädchen und Frauen beachtet und ihnen gezielt geholfen wird. Das bedeutet auch, dass zum Beispiel Binden und andere Hygieneartikel verteilt und separate Waschräume für Mädchen und Frauen eingerichtet werden. Wichtig ist auch, dass immer wieder über geschlechtsspezifische Gewalt aufgeklärt wird und psychogische und andere Beratungsangebote für Mädchen und Frauen, die Gewalt erfahren haben, gemacht werden.

7. Es gibt kaum noch sauberes Trinkwasser im Libanon

Sauberes Wasser, das aus dem Hahn kommt, sobald wir ihn aufdrehen: Das ist für viele Kinder im Libanon im Moment nur noch eine Erinnerung an bessere Zeiten. Vor allem in den Gebieten Bekaa und Baalbek wurde die Wasserversorgung durch die Angriffe stark beschädigt. Mindestens 36.000 Menschen sind dort derzeit von funktionierenden Wassersystemen getrennt (Stand: 12.03.2026).

Reparaturen sind vielerorts aufgrund der anhaltenden Kämpfe nicht möglich. Auch anderswo im Land wird das saubere Wasser knapp, vor allem in Notunterkünften wie in Schulen, wo Tausende Menschen versorgt werden müssen. Durchfall, Hepatitis oder sogar Cholera breiten sich ohne sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen rasant aus und können vor allem für Kinder, deren Immunsystem ohnehin schon geschwächt ist, gefährlich und sogar lebensbedrohlich werden.

Leben im Libanon: UNICEF und Partner verteilen Nothilfepakete, darunter Trinkwasser, an Familien.

UNICEF und Partner verteilen Nothilfepakete, darunter Trinkwasser, an Familien in einer Schule in Jezzine im Süden des Libanons, die zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde.

© UNICEF/UNI954944/

Hoffnung für morgen – Perspektiven für das Leben der Kinder im Libanon

Wie Sawsan, die wir oben kennengelernt haben und die dank der Hilfe von UNICEF wieder hören, sehen und laufen kann, schöpfen auch viele andere Kinder durch Unterstützung neue Hoffnung und Zuversicht.

Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutz sind enorm wichtig für Kinder. Dringend braucht es aber einen nachhaltigen Frieden, sodass Kinder wieder ununterbrochen und regelmäßig zur Schule gehen können. Damit sie in Sicherheit zu Hause mit ihren Familien sein können und unbeschwert mit Freund*innen spielen können.

Leben im Libanon: Kinder lachen und spielen in einer Notunterkunft Fußball.

Kinder lachen und spielen in einer Notunterkunft Fußball. Kurze Momente der Kindheit helfen Kindern Hoffnung zu schöpfen. Dennoch braucht es nachhaltig Frieden, sodass die Kinder mit ihren Familien wieder in ein Zuhause zurücklehren können.

© UNICEF/UNI964787/Choufany

Wie hilft UNICEF Kindern im Libanon?

Leben im Libanon: UNICEF ist im Libanon vor Ort, um Kindern und ihren Familien zu helfen.

Eine Mitarbeiterin von UNICEF liest mit einem Mädchen ein Buch. Viele Menschen mussten aus Dörfern im Süden des Libanon und den südlichen Vororten von Beirut fliehen und in zu Notunterkünften umfunktionierten Schulen Zuflucht suchen. UNICEF-Teams sind vor Ort und verteilen Hilfsgüter.

© UNICEF/UNI954896/Choufany

UNICEF arbeitet eng mit lokalen Partnerorganisationen und der Regierung zusammen, um schnelle Hilfe zu leisten. Wir richten Gesundheitszentren ein und mobile Gesundheitsteams versorgen Menschen mit wichtigen Medikamenten. Außerdem verteilt UNICEF Wasser, Hygieneartikel wie Seife, warme Kleidung und Decken.

Gleichzeitig bietet UNICEF psychosoziale Aktivitäten an und richtet Beratungsstellen ein, damit die Auswirkungen des Konflikts auf die mentale Gesundheit der Kinder eingedämmt werden können. UNICEF-Teams sind seit mehr als 70 Jahren im Libanon aktiv und haben langjährige Erfahrungen in den Bereichen Nothilfe, Bildung, Kinderschutz und psychosozialer Hilfe.

Ihre Spende hilft uns, tagtäglich das Leben von Kindern inmitten von Gewalt und Chaos erträglicher zu machen. Jeder Cent hilft!

Mit einer Spende Kinder im Libanon unterstützen

Die Kinder im Libanon brauchen weiterhin Hilfe. Mit Ihrer Spende können wir sie mit Hilfsgütern versorgen. Danke für Ihre Unterstützung!

Info
Was bedeutet es für Kinder, im Krieg aufzuwachsen?

   

Krieg bedroht Kinder heute in einem alarmierenden, nie dagewesenen Maß: 2023 haben die Vereinten Nationen in Kriegs- und Konfliktgebieten so viele schwere Kinderrechtsverletzungen verzeichnet wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

In unserem Blog widmen wir uns immer wieder der Situation von Kindern im Krieg und blicken auf die für Kinder gefährlichsten Orte. Doch wir teilen auch gute Nachrichten und zeigen, wie wir von UNICEF dank unserer Unterstützer*innen Kindern wirksam helfen können. Lesen Sie zum Beispiel, wie es ist, jetzt Kind in Gaza oder im Sudan zu sein oder wie ehemalige Kindersoldaten und Kindersoldatinnen mit UNICEF-Hilfsprogrammen eine neue Chance im Leben bekommen.

Auf unserer Webseite finden Sie auch weitere, übergreifende Informationen zum Thema "Kindheit im Krieg."

Leben im Libanon: UNICEF ist im Libanon vor Ort, um Kindern und ihren Familien zu helfen.

Asil (11) hält stolz ihr Buch, das sie in einer von UNICEF unterstützten Notunterkunft erhalten hat.

© UNICEF/UNI964785/Choufany
Autor*in Lilian Sekkai

Lilian Sekkai arbeitet als Presseassistentin und schreibt über UNICEF-Themen und Kinder weltweit.