
Impfung gegen Malaria: Wie die neuen Malaria-Impfstoffe Kinderleben retten
Die neuen Malaria-Impfstoffe zeigen erste Erfolge: Die Zahl schwerer Krankheitsfälle sinkt deutlich, wenn Kinder gegen Malaria geimpft sind. Die Impfstoffe schützen wirksam vor der lebensgefährlichen Krankheit. Doch noch immer bleiben viele Kinder ungeimpft. Zwar ist der Impfstoff inzwischen ausreichend verfügbar – aber es gibt eine große Finanzierungslücke.
von Susanne Nandelstädt
➀ Meilenstein in der Malaria-Forschung
Malaria ist eine der häufigsten Todesursachen für Kinder unter fünf Jahren. Über 430.000 Kinder sind im Jahr 2024 an der durch Stechmücken übertragenen Infektionskrankheit gestorben ("World Malaria Report 2025"). Die Erreger der Krankheit sind einzellige Parasiten, sogenannte Plasmodien, die sich nach dem Mückenstich innerhalb der roten Blutkörperchen vermehren.
Jahrzehntelang wurde erfolglos an einem Malaria-Impfstoff geforscht. Doch seit ein paar Jahren gibt es endlich erste Malaria-Impfstoffe. Gesundheitsexpert*innen weltweit betrachten die Malaria-Vakzine als Meilenstein im Kampf gegen die lebensgefährlichen Malaria-Erreger. Uns macht diese Entwicklung sehr froh, denn durch die Einführung der Malaria-Impfstoffe können jedes Jahr Zehntausende Kinderleben in Malaria-Gebieten gerettet werden.

Die durch Plasmodien übertragene Malaria bedroht das Leben von Millionen Kindern weltweit. Durch gefährliche Malaria-Arten wie Malaria tertiana oder Malaria tropica sterben jährlich Hunderttausende Kinder.
© UNICEF/UN0688712/Dejongh➁ Das sind die Malaria-Impfstoffe
Der erste Malaria-Impfstoff: Mosquirix (RTS,S/AS01)
Viele Impfstoff-Kandidaten waren im Rahmen der Tropenmedizin über die Jahre im Rennen, doch ein Impfstoff hat es als erster durch alle Phasen der Impfstoff-Zulassung geschafft: Der Malaria-Impfstoff RTS,S/AS01 – abgekürzt als "RTS,S" und auch unter dem Produktnamen "Mosquirix" bekannt – wurde von dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) entwickelt. Er ist der weltweit erste Impfstoff überhaupt gegen eine parasitäre Erkrankung beim Menschen. Die Impfung kann schwere Malaria-Krankheitsverläufe verhindern und ist somit eine wichtige vorbeugende Maßnahme gegen die gefährliche Tropenkrankheit.
Der Impfstoff Mosquirix ist das Ergebnis von jahrzehntelanger Forschung und Entwicklung. Mosquirix wirkt gegen den Malaria-Erreger Plasmodium falciparum, den tödlichsten Malaria-Parasiten weltweit und den am weitesten verbreiteten in Afrika.

Mosquirix wirkt gegen Plasmodium falciparum, den tödlichsten Malaria-Parasiten, der sich in den roten Blutkörperchen vermehrt.
© UNICEF/UN0641056/U.S. CDC/Unique Identifier/Daylin PaulWHO-Empfehlung für Mosquirix & Pilotphase
Bereits im Jahr 2016 wurde RTS,S/AS01 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen – allerdings zunächst einmal nur für den pilotweisen Einsatz in drei afrikanischen Ländern: In ausgewählten Gebieten in Ghana, Kenia und Malawi wurde der Impfstoff ab 2016 gezielt eingesetzt, um noch mehr über seine Wirksamkeit herauszufinden und seinen Einsatz sehr genau zu kontrollieren. Ab 2019 wurde der Impfstoff in diesen drei Ländern im Rahmen der Pilotprojekte im größeren Umfang eingesetzt. Die WHO koordinierte diese Pilotphase. Sie führte die Impfungen durch und wertete die Ergebnisse aus.
Basierend auf den Erfahrungen aus diesen Pilotprojekten sprach die Weltgesundheitsorganisation im Oktober 2021 die offizielle Empfehlung dafür aus, Mosquirix auch breiter einzusetzen – und zwar in Ländern mit mäßiger bis hoher Übertragung durch den Malaria-Parasiten Plasmodium falciparum. Die WHO-Empfehlung für Mosquirix schließt auch Kinder mit ein.
Allein in der Pilotphase haben mehr als zwei Millionen Kinder die vier benötigten Malaria-Impfdosen erhalten. Die Pilotphase lief noch bis Ende 2023. Nach der vierten verabreichten Impfstoff-Dosis konnte noch genauer ausgewertet und gemessen werden, wie die Malaria-Impfstoffe wirken.

Impfschutz: Im Rahmen der Pilotphase wurden Babys und Kleinkinder in drei afrikanischen Ländern gegen Malaria geimpft, so wie hier in Malawi der acht Monate alte Allan auf dem Schoß seiner Mutter.
© UNICEF/UNI404862Finanzielle Förderung für Mosquirix
Kurz nach der WHO-Empfehlung entschied die "Gavi Vaccine Alliance" (kurz: GAVI) Ende 2021, die Verbreitung von Mosquirix finanziell zu fördern. GAVI ist die globale Impfallianz aus verschiedenen Partnern, die sich dafür einsetzt, dass Menschen auch in den ärmsten Ländern der Welt Impfungen erhalten. GAVI finanziert die Impfprogramme und liefert die Impfstoffe. UNICEF ist einer der Partner innerhalb der GAVI-Impfallianz.

UNICEF ist Partner der globalen Impfallianz GAVI und sorgt dafür, dass Impfstoffe beschafft und bereitgestellt werden.
© UNICEF/UN0662108/IbrahimDer zweite Malaria-Impfstoff: R12/Matrix-M
Im Oktober 2023 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen zweiten Malaria-Impfstoff zur Malaria-Prophylaxe empfohlen: das Vakzin "R21/Matrix-M". Es wurde an der Universität Oxford entwickelt und wirkt wie der Impfstoff RTS,S ebenfalls gegen Plasmodium falciparum, den tödlichsten unter den Malaria-Parasiten. Auch ansonsten ähnelt es sehr stark dem Impfstoff RTS,S (Mosquirix).
Inzwischen hat R21/Matrix-M auch die letzte klinische Prüfungsphase abgeschlossen, während der Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität des Vakzins von der WHO nochmal gründlichst untersucht wurden. Im Oktober 2023 hat die Weltgesundheitsorganisation den Impfstoff auch für den breiten Einsatz empfohlen. Bereits 2024 wurde die Produktion von R21/Matrix M-Impfdosen stärker hochgefahren, und kurz darauf konnte der neue Impfstoff erstmals eingesetzt werden.
Nein, die Zulassung durch die WHO ist nicht zwingend erforderlich. Die WHO kann zwar Empfehlungen für Impfstoffe oder Medikamente aussprechen, sie ist aber nicht die Institution, die ein Medikament oder einen Impfstoff zulässt. Die Entscheidung, einen Impfstoff tatsächlich einzusetzen, liegt bei den nationalen Zulassungsbehörden der Länder selbst.
Weitere Malaria-Impfstoff-Kandidaten
Die Malaria-Impfstoff-Entwicklung ist momentan sehr in Bewegung: Neben RTS,S und R21 gibt es noch weitere Malaria-Impfstoff-Kandidaten, die gerade umfangreich klinisch getestet werden und die verschiedenen Prüfphasen durchlaufen. So forschen derzeit etwa mehrere Unternehmen (Moderna, BioNTech und CureVac) an Vakzinen auf mRNA-Basis.
Die meisten dieser Impfstoffe sind aktuell noch in einer früheren Entwicklungsphase. Man kann noch nicht abschätzen, wie lange es dauern wird, bis sie auf den Markt kommen könnten.
➂ Wirksamkeit, Impfschema, Preis & Verfügbarkeit der Impfstoffe
Wirksamkeit der Malaria-Impfstoffe (RTS,S / Mosquirix und R21 / Matrix-M)
Die bisherigen umfangreichen WHO-Studien und die mehrjährigen Pilotphasen haben bewiesen, dass beide Impfstoffe sicher und signifikant wirksam sind. In den Malaria-Gebieten, in denen Kinder geimpft wurden, sind laut WHO deutlich weniger Kinder an Malaria gestorben als zuvor. Nicht nur die Malaria-Sterblichkeit konnte durch die Impfung gesenkt werden: Unter den geimpften Kindern hatten auch deutlich weniger Kinder einen schweren Malaria-Verlauf oder mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Um eine konkrete Zahl als Beispiel zu nennen: Beide Malaria-Impfstoffe reduzieren laut der WHO die Malaria-Erkrankungsfälle um etwa 75 Prozent – was eine beachtlich hohe Wirksamkeit ist.
Impfschema: Vier Impfstoff-Dosen schützen gegen Malaria
Das Impfschema, also wieviele Impfdosen man zu welchem Zeitpunkt benötigt, ist bei beiden Impfstoffen gleich: Kinder brauchen vier Impfdosen, um einen möglichst großen Impfschutz zu haben. Die ersten drei Impfungen erhalten die Babys in ihrem ersten Lebensjahr. Die erste Impfung bekommen sie idealerweise im Alter von etwa fünf Monaten. Rund um den 24. Lebensmonat bekommen sie die letzte Impfung – die Booster-Impfung –, um den Malaria-Impfschutz aufzufrischen.

Vier Impfdosen braucht ein Kind, um den vollen Schutz des Malaria-Impfstoffs zu haben. Die erste Impfung erfolgt im Alter von rund fünf Monaten.
© UNICEF/UNI670959/DejonghSo lange schützen die Impfstoffe Mosquirix und Matrix-M vor Malaria
Die bisher zugelassenen Malaria-Impfstoffe Mosquirix (RTS,S) und Matrix-M (R21) sind noch nicht sehr lange auf dem Markt. Derzeit lässt sich daher noch nicht exakt in Zahlen angeben, wie lange die Wirkung der Malaria-Schutzimpfung anhält. Es wird aber mit Hochdruck daran geforscht, dies herauszufinden. Fest steht, dass die Wirksamkeit nicht ein Leben lang anhält, sondern im Laufe der Zeit wieder nachlässt und von Zeit zu Zeit aufgefrischt werden muss.
Das kosten die Malaria-Impfstoffe derzeit
Derzeit besteht ein deutlicher Preisunterschied zwischen den beiden Impfstoffen. Der neuere Impfstoff R21 kostet je Impfdosis nur gut drei Euro und ist damit deutlich günstiger als eine Dosis RTS,S-Vakzin, die nach letzten Preisinformationen bei gut neun Euro lag (Stand: Juni 2024, Quelle: https://www.unicef.org/).
Der Preis könnte in den nächsten Jahren noch sinken, da es dank R21/Matrix-M einen zweiten Impfstoff gibt und sich dadurch die Impfstoff-Produktion bereits rasant steigern ließ.
Ausreichend Impfstoff – aber unsichere Finanzierung
Die Nachfrage nach Malaria-Impfstoffen ist riesig: Millionen Eltern in vielen afrikanischen Ländern warten sehnsüchtig darauf, ihre Kinder endlich impfen zu lassen. Mit den beiden von der WHO empfohlenen Impfstoffen RTS,S und R21 steht inzwischen genug Impfstoff bereit, um alle Länder zu beliefern, die von Malaria gefährdet sind. Die Produktion wurde massiv gesteigert – theoretisch gibt es also genug Impfstoff.
Doch die Finanzierung bleibt ein kritischer Engpass: Wirtschaftlich schwächere Länder mit hoher Malaria-Belastung können die Impfungen meist nicht allein bezahlen. Sie brauchen Unterstützung – vor allem von der Impfallianz GAVI, bei der sie diese beantragen können. GAVI hilft Ländern mit technischer und finanzieller Förderung, damit Länder Impfungen in ihre nationalen Impfprogramme aufnehmen können – zum Beispiel gegen Malaria. Doch auch GAVI selbst bräuchte mehr finanzielle Mittel, um die große Nachfrage zu decken.
Aktuell haben schon zahlreiche afrikanische Länder Malaria-Impfungen in ihre Impfpläne integriert, andere bereiten diesen Schritt vor. Doch ohne gesicherte Finanzierung – sowohl durch die Länder selbst als auch durch GAVI – bleibt die Versorgung unsicher. Jede Finanzierungslücke verzögert den Schutz für Kinder, die den Malaria-Impfstoff dringend brauchen.

Familien im Sudan stehen Schlange, um Moskitonetze zu erhalten. Neben solchen "klassischen" Präventionsmethoden ist die Malaria-Impfung eine weitere Methode zur Vorbeugung der Tropenkrankheit.
© UNICEF/UN0770224/Mojtba Moawia Mahmoud➃ Roll-Out: Hier wird bereits gegen Malaria geimpft
Es war nicht leicht zu entscheiden, welche Länder den begehrten und anfangs noch knappen Impfstoff als Erste bekommen sollten. Wir entscheiden immer gemeinsam mit unseren Partnern bei GAVI danach, in welchen Malaria-Gebieten gerade der höchste Bedarf für den Malaria-Impfstoff besteht. Wir prüfen also genau, wo das Risiko für die Kinder am höchsten ist, schwer an Malaria zu erkranken oder sogar daran zu sterben.
Historischer Moment 2023: Startschuss in Kamerun
Im November 2023 kam es zu einem historischen Moment: Kamerun erhielt als erstes Land weltweit Malaria-Impfstoffe für Routine-Impfungen für Kinder. UNICEF und Partner lieferten rund 330.000 Impfdosen des Malaria-Vakzins "RTS,S (Mosquirix)" nach Jaounde, die Hauptstadt Kameruns.

Historischer Moment: Der Gesundheitsminister Kameruns (links) und die stellvertretende Repräsentantin von UNICEF Kamerun nehmen im November 2023 die erste Lieferung Malaria-Impfstoff entgegen.
© UNICEF/UNI475113/StoryMaximaWarum dies so ein großer Schritt war? Zuvor war der Malaria-Impfstoff nur im Rahmen von Pilotprojekten in ausgewählten Ländern verimpft worden. Kamerun war das erste der Länder mit hohem Malaria-Risiko, wo der Malaria-Impfstoff routinemäßig eingesetzt wurde: Kinder werden im Rahmen ihrer Standard-Impfungen also nicht mehr nur gegen Krankheiten wie Tetanus oder Polio, sondern von nun an auch gegen Malaria geimpft.
Seitdem sind viele weitere Länder mit hohem Malaria-Risiko gefolgt und haben Malaria-Impfungen in ihre nationalen Impfprogramme aufgenommen.
Seit Mai 2024: Auslieferung von R21-Impfstoffen
Schon im Mai 2024 ging es dann auch los mit dem zweiten Impfstoff, R21/Matrix-M: UNICEF lieferte die ersten Dosen des R21-Malaria-Impfstoffs per Luftfracht in die Zentralafrikanische Republik, wo die Lieferung freudig entgegengenommen wurde. Schon kurz nach dem Eintreffen wurden die ersten Kinder in der Zentralafrikanischen Republik routinemäßig gegen Malaria geimpft. Weitere Länder folgten in den Monaten darauf und erhielten ebenfalls Lieferungen mit dem R21-Impfstoff.
Aktueller Stand: In 25 Ländern wird gegen Malaria geimpft
Bis Januar 2026 haben insgesamt 25 Länder einen der beiden Malaria-Impfstoffe in ihre Kinder-Impfprogramme aufgenommen. Die Länder, die UNICEF aktuell mit Malaria-Impfstoffen beliefert, sind: Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste), Demokratische Republik Kongo, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Liberia, Malawi, Mali, Mosambik, Niger, Nigeria, Sambia, Sierra Leone, Sudan, Südsudan, Togo, Tschad, Uganda und die Zentralafrikanische Republik.
Andere Länder sind gerade dabei, sich auf ihre ersten Malaria-Impfstoff-Lieferungen vorzubereiten.

Sudan: Romisa hat sich entschieden, ihr Baby gegen Malaria impfen zu lassen, und ist von der Malaria-Impfung voll überzeugt: "Ich sage allen Müttern, dass Impfungen sicher sind, und empfehle ihnen, ihre Kinder impfen zu lassen."
© UNICEF/UNI674628/ElfatihSudan: Malaria-Impfungen im Kriegsgebiet
Im Sudan herrscht seit April 2023 ein grausamer Krieg, und die Sicherheitslage ist sehr bedrohlich. Trotz des aktiven Kriegsgeschehens ist es unseren Teams gemeinsam mit unseren Partnern im Oktober 2024 erstmals gelungen, Malaria-Impfstoffe in den Sudan zu bringen. Wir sind sehr froh, dass es uns auch in diesen schwierigen Umständen gelingt, die Gesundheit der Kinder in den Fokus zu stellen und sie gegen Krankheiten wie Malaria zu impfen.
➄ Kann man sich auch in Deutschland gegen Malaria impfen lassen?
Nein, in Deutschland kann man sich momentan nicht gegen Malaria impfen lassen, das heißt, es gibt noch keinen "Reise-Impfstoff" gegen Malaria.
Bisher sind die Impfstoffe ausschließlich für Menschen vorgesehen, die dauerhaft in Malaria-Risikogebieten leben. Allerdings passiert gerade sehr viel in der Malaria-Impfstoff-Forschung, und möglicherweise wird in der Zukunft bei Bedarf auch in Deutschland eine Malaria-Schutzimpfung für Reisende angeboten werden können.
➅ So unterstützt UNICEF bei Malaria-Impfungen: Malaria-Schutz für Kinder
UNICEF als weltweit größter Impfstoff-Käufer
UNICEF ist der weltweit größte Einzelkäufer von Impfstoffen. Im Auftrag von rund 100 Ländern beschaffen wir jährlich insgesamt mehr als zwei Milliarden Impfstoff-Dosen gegen verschiedene Krankheiten. Wir haben jahrzehntelange Erfahrung darin, Impfstoffe für Kinder zu besorgen und bereitzustellen, und sind Experte darin, die Impfstoffe selbst in entlegenste und schwerstzugängliche Gebiete zu bringen.
Auch in der Zusammenarbeit mit der globalen Impfallianz GAVI sind wir als Hilfsorganisation der Partner, der sich um die Beschaffung und Bereitstellung von Impfstoffen für Kinder und Familien kümmert. Diese Rolle nehmen wir auch bei der Bekämpfung der Malaria wieder ein.

UNICEF bringt Impfstoffe selbst in entlegenste Gebiete, so wie hier in Nepal.
© UNICEF/UN0431111Millionen Dosen RTS,S-Malaria-Impfstoff bestellt
Kaum war der erste Malaria-Impfstoff RTS,S zugelassen, haben wir unverzüglich damit begonnen, so viel Impfstoff wie möglich für Kinder und Familien in Malaria-Risikogebieten zu bestellen und bereitzustellen. Denn mit jeder Impfung kann ein Kind davor bewahrt werden, schwer an Malaria zu erkranken oder sogar daran zu sterben.
So beauftragten wir den Impfstoff-Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) schon 2022 damit, bis 2025 insgesamt 18 Millionen Dosen RTS,S/AS01 zu produzieren. Die erste der beauftragten Lieferungen ging Ende 2023 nach Kamerun.

UNICEF kümmert sich darum, Impfstoffe für Länder bereitzustellen, die von Malaria betroffen sind. Hier kommen gerade Impfstoffe in Malawi an.
© UNICEF/UNI474739/BakaliUNICEF beauftragt auch R21-Impfstoffe
Zusätzlich schlossen wir Ende 2023 auch für den zweiten Impfstoff, R21/Matrix-M, eine langfristige Vereinbarung ab: Der Vakzin-Produzent "Serum Life Science" (SLS) stellt den von uns beauftragten Impfstoff her. Unsere Aufgabe ist es, den Impfstoff mit unseren Partnern in ausgewählte Länder zu transportieren und dort für die Impfungen bereitzustellen.
Mitte 2024 konnten wir damit starten, erste R21-Impfdosen in Malaria-Risikoländer auszuliefern. Die Gesundheitsteams der einzelnen Länder konnten direkt mit den R21-Impfungen starten. Die Vereinbarung mit SLS wurde für eine Laufzeit von vier Jahren abgeschlossen (2024 bis 2028).

Malawi, Oktober 2023: Ein Gesundheitsspezialist von UNICEF zeigt die am Flughafen entladenen Malaria-Impfstoffe. Durch das Impf-Pilotprojekt in Malawi sind die schweren Malaria-Fälle bereits deutlich gesunken.
© UNICEF/UNI474742/BakaliDas macht Hoffnung: 31 Millionen Dosen Malaria-Impfstoff in einem Jahr geliefert
Viele Staaten haben seit 2023 die Malaria-Impfungen in ihre Routine-Impfprogramme für Kinder aufgenommen: Inzwischen sind es 25 Länder, in denen Eltern ihre Kinder gegen die gefährliche, durch Parasiten ausgelöste Krankheit impfen lassen können (Stand: Januar 2026; Liste dieser Länder siehe oben im Abschnitt 4). Einige weitere afrikanische Länder planen derzeit, den Malaria-Impfstoff in ihre Impfprogramme und als Teil ihrer nationalen Malaria-Prophylaxe aufzunehmen.
Dass es zwei sichere und wirksame Malaria-Impfstoffe gibt, ist eine sehr hoffnungsvolle Entwicklung. In vielen Ländern sind bereits Erfolge sichtbar: Erste Berichte zeigen, dass die Zahl schwerer Malariafälle und Krankenhauseinweisungen stark zurückgeht, wenn Kinder in einer Region geimpft wurden.
Wir von UNICEF konnten allein im Jahr 2025 31 Millionen Dosen Malaria-Impfstoff an die teilnehmenden afrikanischen Länder liefern (Quelle: "UNICEF Supply Annual Report 2025").

Ein Baby in Malawi wird gegen Malaria geimpft. Seit Ende 2023 beliefert UNICEF zahlreiche Länder in Afrika mit Malaria-Impfstoff.
© UNICEF/UNI404860So schätzt UNICEF die zukünftige Malaria-Impfstoff-Situation ein
Mit RTS,S und R21 sind jetzt zwei erfolgreiche Impfstoffe verfügbar. Das sind sehr gute Voraussetzungen, um die Malaria-Impfungen in Afrika auszuweiten. Da die Impfstoff-Produktion im Laufe der nächsten Jahre weiter hochgefahren wird, rechnen unsere Impfstoff-Experten damit, dass die Preise für die Impfstoffe noch weiter sinken werden. Falls neben den beiden bisherigen Impfstoffen sogar noch weitere Malaria-Präparate auf den Markt kommen, könnten die Durchschnittspreise der vorhandenen Impfstoffe weiter fallen.
UNICEF unterstützt außerdem den Plan, dass die Malaria-Impfstoffe zukünftig verstärkt in afrikanischen Ländern produziert werden.
Durch die in vielen Ländern inzwischen angelaufenen Routine-Malaria-Impfungen können jedes Jahr Zehntausende Kinderleben gerettet werden. "Dies ist ein großer Schritt nach vorn in unseren gemeinsamen Bemühungen, das Leben von Kindern zu retten und die Belastung durch Malaria im Rahmen umfassender Programme zur Prävention und Bekämpfung von Malaria zu verringern", sagt Etleva Kadilli, die Direktorin der UNICEF Supply Division, über diesen Meilenstein der Malaria-Impfstoffe.
Dennoch merken wir bei UNICEF, dass noch längst nicht alle Kinder mit den lebenswichtigen Malaria-Impfstoffen geimpft werden können. Der Grund ist die unsichere Finanzierung für das GAVI-Malaria-Programm. Mit einer Spende können Sie helfen, die bisherige Finanzierungslücke zu schließen und unserem großen Ziel näher zu kommen: alle Kinder weltweit mit Impfungen gegen Malaria und andere gefährliche Krankheiten zu schützen.

Malaria-Prophylaxe und -Diagnostik spielen auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Malaria-Bekämpfung. So kann man mit einem Bluttest beispielsweise schon früh die verschiedenen Malaria-Arten Malaria quartana, Malaria tertiana oder Malaria tropica diagnostizieren.
© UNICEF/UN0779262/Henny/SlingshotImpfstoffe ergänzen die "klassische" Malaria-Prophylaxe
Eines ist sehr wichtig zu betonen: Die Malaria-Impfungen sind nicht die alleinige Lösung im Kampf gegen Malaria. In naher Zukunft werden sie keine "klassische" Malaria-Prophylaxe ersetzen können.
Aber in Kombination mit den bisherigen präventiven Strategien sowie einer schnellen Diagnostik und Behandlung sind die Malaria-Impfungen ein extrem wichtiges Werkzeug, um Kinder vor den lebensgefährlichen Erregern zu schützen. Für die Arbeit von UNICEF bedeutet das: Wir werden den Familien auch weiterhin Moskitonetze zum Schutz vor den gefährlichen Mücken zur Verfügung stellen. Wir werden ihnen auch mit Schnelltests helfen und infizierte Kinder mit Malaria-Medikamenten versorgen.
Malaria-gefährdeten Kindern Hoffnung schenken
Als Leser*in dieses Artikels haben Sie erfahren, wie wichtig die neuen Malaria-Impfstoffe für Millionen von Kindern sind. UNICEF als weltweit größter Impfstoff-Abnehmer ist mit vollem Engagement dabei, den Impfstoff zu bestellen, zu verteilen und so Zehntausende Kinderleben jährlich zu retten.
Doch es gibt noch viel zu tun, und die bisherigen Impfstoffe allein werden nicht die ultimative Antwort sein: Malaria bleibt eine der tödlichsten Krankheiten der Welt, und es braucht weiterhin Anstrengungen, um sie zu bekämpfen.

Die drei Wochen alte Rakaa in Mali wurde gerade geimpft. Malaria-Impfungen sind in Mali noch nicht Teil der Standard-Impfungen für Kinder. Aber voraussichtlich in den nächsten Jahren wird es genug Malaria-Impfstoff auch für Kinder in Ländern wie Mali geben.
© UNICEF/UNI430604/N’DaouSie können Teil dieser Anstrengungen werden, indem Sie UNICEF bei der Bereitstellung von Impfstoffen und weiteren weltweiten Hilfsmaßnahmen unterstützen. Jede Spende zählt und trägt dazu bei, das Leben von Kindern und Familien zu verbessern, die von Malaria betroffen oder gefährdet sind. Lassen Sie uns gemeinsam Hoffnung schenken und einen Schritt in Richtung einer Welt ohne Malaria gehen.

Ein UNICEF-Helfer gibt einer Frau Moskitonetze für ihre Familie. Malaria-Impfungen werden die bisherigen Strategien zur Malaria-Prophylaxe noch weiter ergänzen.
© UNICEF/UN0770181/Mojtba Moawia Mahmoud➆ Chronologie
1984-1997:
- Frühphase der RTS,S-Impfstoff-Entwicklung
2015:
- Ergebnisse der klinischen Phase-III-Studie zu RTS,S/AS01 werden veröffentlicht
- Die EMA (Europäische Medizinagentur) genehmigt den RTS,S/AS01-Impfstoff
2015-2016:
- UNICEF arbeitet mit Impfstoffherstellern an der zukünftigen Versorgung mit Malaria-Impfstoffen.
2016:
- WHO empfiehlt den Einsatz von RTS,S/AS01 in Pilotprojekten.
2019:
- Der Impfstoff RTS,S/AS01 („Mosquirix“) wird erstmals pilotweise in Ghana, Kenia und Malawi eingesetzt.
- UNICEF koordiniert die Impfstoff-Lieferungen für das Pilotprojekt.
2021:
- UNICEF entwickelt eine Strategie zur Beschaffung von Malaria-Impfstoffen.
- Die WHO empfiehlt den breiten Einsatz des Impfstoffes RTS,S/AS01.
- GAVI und Partner kündigen an, die Fortsetzung der Impfstoff-Produktion finanziell zu fördern. Berechtigte Länder können sich um finanzielle Unterstützung für den Impfstoff-Einsatz bewerben.
- UNICEF veröffentlicht eine erste Ausschreibung für die Malaria-Impfstoff-Herstellung.
2022:
- Die WHO entwickelt einen Plan für die Zuteilung der noch begrenzten Malaria-Impfstoffe.
- UNICEF vergibt den ersten Auftrag für die Produktion von 18 Millionen Malaria-Impfstoff-Dosen RTS,S/AS01 zwischen 2023 und 2025.
2023:
- Viele Länder bewerben sich um GAVI-Finanzhilfen für die Malaria-Impfstoffe.
- Die ersten Phase-III-Ergebnisse für R21/Matrix-M-Impfstoffe liegen vor.
- Oktober: Die WHO empfiehlt R21/Matrix-M als zweiten Malaria-Impfstoff.
- November: UNICEF gibt eine Vereinbarung mit "Serum Life Science" bekannt zur Produktion von R21-Impfstoff.
- Ab Ende 2023: UNICEF und Partner liefern die ersten RTS,S-Malaria-Impfdosen für Routine-Impfungen in insgesamt zwölf afrikanische Länder aus. Kamerun ist das Land, das im November die erste Lieferung erhält.
- Die Pilotländer Ghana, Kenia und Malawi sind als erste Länder weltweit ausreichend mit Malaria-Impfstoffen versorgt.
2024:
- Der Malaria-Impfstoff R21/Matrix-M wird eingeführt.
- Im Mai wird die Zentralafrikansiche Republik als erstes Land mit dem Impfstoff R21/Matrix-M beliefert.
- In den Folgemonaten wird der Impfstoff R21 auch in weiteren Ländern ausgerollt.
2025:
- UNICEF liefert 31 Millionen Dosen Malaria-Impfstoff in afrikanische Länder.
2026:
- Bis Anfang Januar haben 25 Länder den Malaria-Impfstoff als Teil der routinemäßigen Kinderimpfungen eingeführt.
Quellen & weiterführende Infos zur Malaria-Impfung:
- UNICEF: Malaria Vaccines: Questions and Answers (PDF, Juni 2024)
- UNICEF: Supply annual report 2025 (PDF, März 2026)
- WHO: News release "WHO recommends R21/Matrix-M vaccine for malaria prevention" (Oktober 2023)
- WHO: Malaria vaccines: Questions and answers (Februar 2026)
- WHO: World malaria report 2025 (Dezember 2025)
Dieser Artikel wurde erstmals im April 2023 veröffentlicht. Wir aktualisieren ihn regelmäßig für Sie.
Susanne Nandelstädt arbeitet als Online-Redakteurin für UNICEF. Im Blog schreibt sie über UNICEF-Projekte weltweit.