
Was bedeutet eigentlich „Wirkung"?
So wirkt die Arbeit von UNICEF für Kinder
Wenn wir bei UNICEF von Wirkung sprechen, meinen wir damit die Antwort auf eine einfache, aber entscheidende Frage: Was hat sich wirklich verändert? Nicht nur: Was haben wir getan? Sondern: Was ist dadurch im Leben von Kindern besser geworden – und bleibt es auch?
von Esther Addo
Wirkung zeigt sich auf unterschiedliche Weise
Manchmal ist sie ganz persönlich:
Ein Kind, das nach einer Krise wieder zur Schule gehen kann. Eine Mutter, die dank sauberem Wasser nicht mehr um die Gesundheit ihres Babys bangen muss. Es sind diese einzelnen Geschichten, die zeigen: Hier hat Hilfe einen echten Unterschied gemacht.

Im Bundesstaat Jezira im Sudan hat der Bürgerkrieg Gesundheitseinrichtungen zerstört und Familien von lebensrettender Versorgung abgeschnitten. Eine dieser Familien ist die von Mohammed.
Als seine Mutter ihn in das von UNICEF unterstützte Gesundheitszentrum Marjan brachte, war Mohammed schwer mangelernährt – seine kleinen Füße waren geschwollen, ein Zeichen von Ödemen. Er wurde sofort in ein Ernährungsprogramm aufgenommen und bekam therapeutische Spezialnahrung – eine angereicherte Erdnusspaste, die speziell für schwer mangelernährte Kinder entwickelt wurde.
Bei der nächsten Untersuchung gab es die gute Nachricht: „Heute haben sie mir gesagt, dass sein Gewicht gestiegen ist", erzählt seine Mutter erleichtert. Mohammed bleibt noch im Behandlungsprogramm und bekommt weiterhin Spezialnahrung bis zum nächsten Termin, damit er sich weiter erholt.
Manchmal verändert sie ganze Strukturen:
Wenn ein Land ein besseres Kinderschutzgesetz verabschiedet, wenn Gesundheitsstationen in entlegenen Regionen endlich mit Impfstoffen versorgt werden oder wenn Lehrkräfte so geschult werden, dass der Lehrstoff wirklich bei den Kindern ankommt – dann wirkt die Arbeit von UNICEF über den Moment hinaus. Solche Veränderungen sorgen dafür, dass nicht nur ein Kind profitiert, sondern Tausende. Die Veränderungen wirken dabei weit über die Gegenwart hinaus: Sie schaffen Bedingungen, die Kinder auch in Zukunft besser schützen und verhindern, dass viele von ihnen überhaupt erst in schwierige Lebenslagen geraten.

Pakistan: Ein Krankenhaus, das alles verändert.
© UNICEF/UN0756309/BukhariIm Vorort Gujro bei Karachi gab es lange kaum medizinische Versorgung. Die Gegend zählt zu den 44 am stärksten gefährdeten Gemeinden Pakistans – mit hohem Poliorisiko und wenig Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung für die Familien.
Was ist passiert? 2019 hat UNICEF gemeinsam mit Partnern ein verlassenes Gebäude renoviert und das Jannat Gul Krankenhaus aufgebaut. Seitdem bekommen Familien dort nicht nur Polioimpfungen, sondern ein ganzes Unterstützungspaket unter einem Dach: medizinische Versorgung für Kinder, Ernährungsberatung, Schwangerenvorsorge, Geburtsbegleitung, Impfungen, Geburtenregistrierung und sauberes Wasser.
Was bewirkt das konkret? Saiga, eine Mitarbeiterin des Krankenhauses, hilft Müttern, die Geburt ihres Kindes direkt vor Ort registrieren zu lassen. Denn ohne Geburtsurkunde haben Kinder keinen Zugang zu Schule, Gesundheitsversorgung oder rechtlichem Schutz.
Das Krankenhaus bündelt viele Angebote an einem Ort und baut Vertrauen auf. Eltern, die wegen einer Ernährungsberatung kommen, lassen ihre Kinder auch impfen. So entsteht ein funktionierendes Gesundheitssystem dort, wo vorher keines war.
Und manchmal wird sie in großen Zahlen sichtbar:
Wenn die Kindersterblichkeit in einer ganzen Region sinkt. Wenn mehr Mädchen einen Schulabschluss machen als je zuvor. Wenn eine gesamte Generation gesünder aufwächst. Das sind die langfristigen Veränderungen, zu denen UNICEF beiträgt – gemeinsam mit Partnern und Unterstützer*innen.

Die weltweite Kindersterblichkeit liegt seit 2024 erstmals unter fünf Millionen.
© UNICEF/UNI593646Einer der wichtigsten Erfolge ist der Rückgang der Kindersterblichkeit. Im März 2026 veröffentlichten UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation und die Weltbank neue Zahlen: 2024 starben weltweit geschätzt 4,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Das klingt erschreckend – ist aber ein historischer Tiefstand. Zum Vergleich:
1990: 1 von 11 Kindern starb vor dem fünften Geburtstag
2024: 1 von 27 Kindern starb vor dem fünften Geburtstag
Seit dem Jahr 2000 hat sich die Kindersterblichkeit mehr als halbiert.
Aber: Das Tempo der Fortschritte hat sich seit 2015 um mehr als 60 Prozent verlangsamt. Konflikte, Finanzierungslücken und die Folgen der Coronapandemie gefährden das Erreichte. Besonders betroffen sind Kinder in Subsahara-Afrika und Südasien.
Kurz gesagt: Wirkung ist der Unterschied, den die Arbeit von UNICEF gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort erreicht – jede Spende, jedes Engagement trägt dazu bei, diesen Unterschied möglich zu machen. Unser Ziel ist es nicht nur, aktuelle Herausforderungen zu bewältigen, sondern auch die Systeme zu stärken, die Kindern in Zukunft Sicherheit und Chancen bieten. UNICEF setzt auf nachhaltige Wirkungen – für jedes Kind und für sein gesamtes Umfeld und die gesamte Gesellschaft. Was Wirkung in der Praxis bedeutet, wird in diesen Beispielen besonders greifbar. Sie zeigen Fortschritte, die das Leben von Kindern nachhaltig verbessert haben:
Wie Hilfe nachhaltig wirkt – Erfolgsbeispiele
Heute überleben mehr Kinder als je zuvor
Im Vergleich zu 1990 erleben 7,9 Millionen mehr Kinder heute ihren fünften Geburtstag. Die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist um mehr als 60 Prozent gesunken und erreicht im Jahr 2024 einen historischen Tiefstand.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
Gemeinsam mit Partnern hat UNICEF entscheidend zu diesem bemerkenswerten Fortschritt beigetragen. Unsere engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich weltweit Tag für Tag dafür ein, die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder zu verbessern und Krankheitsausbrüche frühzeitig zu verhindern. Jede vierte Geburt weltweit findet heutzutage in einer von UNICEF unterstützten Gesundheitseinrichtung statt. Auch beim Stillen setzt UNICEF wichtige Impulse: Seit der Einführung des internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten im Jahr 1981 konnten rund 900 Millionen Babys davon profitieren, ausschließlich Muttermilch zu erhalten.

Im Norden der Elfenbeinküste kuschelt Korotoum Dagnogo mit ihrem Baby. Die Kleine ist einen Monat alt und ihr erstes Kind. Heute ist Korotoum in das von UNICEF unterstützte Gesundheitszentrum gekommen, um sich beraten zu lassen, wie sie am besten stillen und sich selbst gesund ernähren kann, damit ihr Baby gesund aufwächst. „Man hat mir heute erklärt, wie wichtig es ist, bis zum sechsten Monat ausschließlich zu stillen“, erzählt Korotoum. „Ich bin froh, dass ich gekommen bin, denn meine Mutter hatte mir schon gesagt, dass ich auch Wasser geben soll. Jetzt verstehe ich, dass Wasser verunreinigt sein kann und dadurch meinem Baby schaden kann. Ich werde den Rat der Fachleute nun auf jeden Fall befolgen.“
© UNICEF/UNI610163/DejonghIm Norden der Elfenbeinküste kuschelt Korotoum Dagnogo mit ihrem Baby. Die Kleine ist einen Monat alt und ihr erstes Kind. Heute ist Korotoum in das von UNICEF unterstützte Gesundheitszentrum gekommen, um sich beraten zu lassen, wie sie am besten stillen und sich selbst gesund ernähren kann, damit ihr Baby gesund aufwächst. „Man hat mir heute erklärt, wie wichtig es ist, bis zum sechsten Monat ausschließlich zu stillen“, erzählt Korotoum. „Ich bin froh, dass ich gekommen bin, denn meine Mutter hatte mir schon gesagt, dass ich auch Wasser geben soll. Jetzt verstehe ich, dass Wasser verunreinigt sein kann und dadurch meinem Baby schaden kann. Ich werde den Rat der Fachleute nun auf jeden Fall befolgen.“
Impfstoffe haben in den letzten 50 Jahren 154 Millionen Menschenleben gerettet
Das entspricht sechs Menschen pro Minute – fünf Jahrzehnte lang. Insgesamt sind das so viele Menschen, wie in Frankreich und Deutschland zusammenleben.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
Als weltweit größter Impfstofflieferant beschafft und verteilt UNICEF genügend Impfstoffe, um 45 Prozent aller Kinder weltweit gegen lebensbedrohliche Krankheiten zu impfen. 2025 erhielten 90 Prozent der Kleinkinder weltweit – rund 116 Millionen Kinder – mindestens eine der erforderlichen drei Impfdosen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP). Dank flächendeckender Impfungen steht die Kinderlähmung kurz davor, endgültig besiegt zu werden.

Payenda Atayee ist 27 Jahre alt und arbeitet als Impfhelfer im Gesundheitszentrum Shaheed Mosleh in der Provinz Badakhshan, Afghanistan. Seit vier Jahren setzt er sich mit großem Engagement für den Schutz der Kleinsten ein – auch unter herausfordernden Bedingungen. In Deh Para, einem abgelegenen Dorf im Bezirk Khash, impft Payenda den vier Monate alten Idrees gegen lebensbedrohliche Krankheiten. „An 15 Tagen im Monat sind wir unterwegs, um Kinder zu impfen“, erzählt er. „Einige Orte sind so abgelegen, dass wir sie nur zu Fuß erreichen können. Oft verbringen wir mehr als 24 Stunden auf diesen Einsätzen.“ Diese unermüdliche Arbeit ist lebenswichtig – und sie ist nur möglich dank zweckungebundener Spenden. Sie ermöglichen es UNICEF, mobile Gesundheitsteams wie das von Payenda auszustatten.
40 Prozent weniger Kinder leiden unter Wachstums- und Entwicklungsstörungen aufgrund von Mangelernährung
In den letzten 25 Jahren wurde alle 14 Sekunden ein Kind vor den Folgen von Mangelernährung und Wachstumsverzögerungen bewahrt. Im Vergleich zum Jahr 2000 gibt es heute 56 Millionen weniger Kinder, die aufgrund von Mangelernährung unter einer für ihr Alter zu geringen Körpergröße leiden.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschafft UNICEF durchschnittlich 80 Prozent der weltweiten therapeutischen Zusatznahrung und verteilt sie zur Behandlung mangelernährter Kinder. 2025 hat UNICEF zum Beispiel gemeinsam mit Partnern 55 Millionen Kinder mit Maßnahmen zur Prävention, Erkennung und Behandlung von akuter Mangelernährung erreicht.

In der Provinz Nord-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo erhält der einjährige Akuzw in den Armen seiner Mutter Chucrani seine tägliche Ration der therapeutischen Zusatznahrung – lebenswichtige Hilfe für mangelernährte Kinder. „Akuzwe wurde gesund geboren“, erzählt Chucrani. „Aber mit zehn Monaten wurde er krank. Nach der Einweisung ins Krankenhaus hörte er auf zu essen – selbst die Muttermilch verweigerte er. Ich musste zusehen, wie er immer schwächer wurde.“ Ende Januar, kurz bevor neue Kämpfe in der Region ausbrachen, riet ihr eine Frau aus der Kirche, medizinische Hilfe in einem Gesundheitszentrum zu suchen. Doch schon am nächsten Tag eskalierte die Gewalt wieder. „Als es endlich etwas ruhiger wurde, konnte ich mit Akuzwe ins Gesundheitszentrum gehen. Die Ärzte wogen ihn, machten Tests und gaben uns die therapeutische Zusatznahrung. Seit zwei Wochen bekommen wir sie jetzt. Beim letzten Kontrollbesuch hatte er schon 200 Gramm zugenommen. Endlich geht es ein wenig bergauf.“
Heute gibt es 62 Prozent weniger Kinder mit HIV-Infektionen als vor 25 Jahren
Eine Zukunft ohne HIV ist greifbar nah. In den letzten 25 Jahren konnte alle vier Minuten eine HIV-Infektion verhindert werden – aus der einstigen Krise ist eine Geschichte der Hoffnung geworden.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
Seit dem Höhepunkt der HIV-Pandemie arbeitet UNICEF mit Hochdruck daran, die Übertragung des HI-Virus von infizierten Müttern auf ihr Baby zu verhindern. So konnten bisher 1,9 Millionen Todesfälle und vier Millionen HIV-Infektionen bei schwangeren Frauen und Kindern vermieden werden.

Ely Fuel kuschelt ihr jüngstes Baby, Tizian. Die Mutter von fünf Kindern lebt in Burkina Faso und erinnert sich noch genau an den Tag, an dem sie die lebensverändernde Diagnose erhielt. „Es ist jetzt vierzehn Jahre her. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Ich hatte viele Flecken auf meinem Körper und ging zur Untersuchung ins Krankenhaus. Als ich HIV-positiv getestet wurde, war ich so geschockt. Ich dachte, ich würde sterben. Aber ich habe alle Ratschläge befolgt und nehme seitdem Medikamente und führe ein normales Leben. Nur ist es hier in Burkina Faso immer noch ein Tabu, darüber zu sprechen. Ich habe es am Anfang sogar meinem Mann, den ich später kennen gelernt habe, verschwiegen. Er selbst ist HIV-negativ. Meine Kinder sind alle gesund, und ich kann jedem nur raten, sich unbedingt behandeln zu lassen, dann kann man ein Leben wie alle anderen Menschen auch führen.“
Über 2,1 Milliarden Menschen haben in den letzten 20 Jahren Zugang zu Trinkwasser erhalten
Das entspricht mehr als jedem vierten Menschen auf der Welt. Wenn Gemeinden sauberes Wasser zur Verfügung haben, sind sie produktiver, haben eine bessere Gesundheitsversorgung und können nachhaltiger leben.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
UNICEF unterstützt jedes Jahr über 35 Millionen Menschen in mehr als 100 Ländern mit sauberem Wasser. In etwa 85 Prozent der von Krisen betroffenen Länder übernimmt UNICEF die Koordination der Nothilfe im Bereich der Wasserversorgung und verhindert so den Ausbruch lebensbedrohlicher Krankheiten wie etwa Cholera. Seit 2019 hat UNICEF mehr als 8.900 solarbetriebene Wassersysteme installiert und so zu nachhaltigen und klimaresilienten Lösungen beigetragen.

Sabreen und ihre Kinder, Salem und Asinat hängen zusammen die Wäsche auf. Die Familie musste aus Syrien fliehen und fand Zuflucht im Azraq-Flüchtlingscamp in Jordanien. Dort war der Zugang zu sauberem Wasser zunächst eine große Herausforderung. Sabreen erinnert sich: „Sauberes Wasser zu haben war alles, was ich mir wünschte." UNICEF stellte im Camp Toiletten und sauberes Wasser bereit, so verringerten sich Sabreens Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder. Salem, der älteste Sohn, freut sich, saubere Kleidung zu tragen und erinnert sich daran, wie schwer es für seine Mutter war, Wasser in Eimern nach Hause zu tragen. Asinat, die siebenjährige Tochter, achtet darauf, sich regelmäßig die Hände zu waschen, um nicht krank zu werden.
23 Millionen mehr Mädchen schließen heute die Sekundarschule ab
Seit 2000 ist die Zahl der Mädchen im Sekundarschulalter, die nicht zur Schule gehen, um ein Drittel gesunken. Investitionen in die Bildung von Mädchen verändern Gemeinschaften, Länder und die ganze Welt. Mädchen, die eine Ausbildung erhalten, heiraten seltener jung und führen mit größerer Wahrscheinlichkeit ein gesundes, produktives Leben. Nach Angaben der Weltbank könnte die Weltwirtschaft um bis zu 30 Billionen Dollar wachsen, wenn alle Mädchen eine zwölfjährige Schulbildung abschließen würden.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
Mehr als die Hälfte der Länder, in denen UNICEF Bildungsprogramme unterstützt, haben inzwischen Maßnahmen eingeführt, die Mädchen und Jungen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung ermöglichen. Diese reichen von getrennten Toiletten über Schulungen von Lehrkräften bis hin zum Abbau von gesellschaftlichen, familiären oder religiösen Vorurteilen zum Schulbesuch von Mädchen. 2025 unterstützte UNICEF gemeinsam mit Partnern rund 28 Millionen Kinder, die nicht zur Schule gehen konnten, dabei, wieder lernen zu können, etwa durch den Aufbau von Lernzentren, mobile Schulen, digitale Lernangebote oder spezielle Aufhol-Lernprogramme für Kinder, die lange nicht zur Schule gegangen sind. Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen waren Mädchen.

Vor ein paar Jahren hatte die damals 14-jährige Afsana Khatun aus dem Süden Nepals kaum noch Hoffnung, jemals wieder zur Schule zu gehen. Sie brach den Unterricht ab und half stattdessen ihren Eltern, die achtköpfige Familie über Wasser zu halten. In ihrer Gemeinde war es ohnehin nicht üblich, dass Mädchen zur Schule gingen. Doch dann kam Afsana mit dem UNICEF-Programm SAGE (Supporting Adolescent Girls’ Education) in Kontakt. Das neunmonatige Bildungsangebot richtet sich an Mädchen im Teenageralter, die nicht mehr zur Schule gehen, und unterstützt sie dabei, wieder in das formale Bildungssystem einzusteigen oder berufliche Perspektiven zu entwickeln. Im Austausch mit anderen Mädchen in ähnlicher Lage, durch gemeinsames Lernen und kreative Unterrichtsformen, entdeckte Afsana ihre Freude am Lernen neu. 2022 schloss sie das Programm gemeinsam mit über 5.600 weiteren Teilnehmerinnen ab – und war bereit für den nächsten Schritt: den Einstieg in die Regelschule. Afsana ist das erste Mädchen in ihrer Familie, das eine Schule besucht.
In den letzten zehn Jahren konnte die Ehe von etwa 25 Millionen Mädchen verhindert werden
Eine von vier jungen Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren wurde Ende der 1990er Jahre als Kind verheiratet, heute ist es noch eine von fünf.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
UNICEF unterstützt 35 Länder bei der Umsetzung von Aktionsplänen und Strategien, um Kinderehen zu verhindern oder zu beenden. Um die frühe Verheiratung von Mädchen zu bekämpfen, setzen wir uns in allen Bereichen dafür ein, Mädchen und Frauen zu stärken: Wir fördern Gesundheits- und Bildungsprogramme und bieten ihnen sowohl Informationen als auch Schutz. 2023 haben wir beispielsweise elf Millionen Mädchen im Teenageralter mit Präventions- und Betreuungsmaßnahmen erreicht und so ihre Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft gestärkt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben zudem mehr als 32 Millionen Menschen mit Informationen darüber erreicht, wie negativ sich eine frühe Ehe und andere Formen der Diskriminierung auf die Entwicklung von Mädchen und auf die gesamte Gemeinschaft auswirken. Besonders deutlich sind die Fortschritte in Südasien: Hier ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen zur Kinderbraut wird, seit 2000 um fast 50 Prozent gesunken.

Die 14-jährige Aqeela lebt mit ihren Eltern und sieben Geschwistern in einer afghanischen Flüchtlingssiedlung in Pakistan. Sie besucht die fünfte Klasse und hat große Träume – doch ihr Weg war nicht immer einfach. Wie es in ihrer Kultur üblich ist, wurde sie bereits bei ihrer Geburt mit einem Cousin verlobt. Der Plan: Mit zwölf Jahren sollte sie heiraten. „Ich habe einfach gemacht, was meine Eltern wollten“, erzählt Aqeela leise. Doch kurz vor der geplanten Hochzeit kam ein von UNICEF unterstütztes Team in die Gemeinde. Die Mitarbeitenden klärten die Familien über die Gefahren von Kinderehen auf – und veränderten damit Aqeelas Leben. Ihre Mutter, Bus Bibi, erkannte schnell, welche langfristigen negativen Folgen eine frühe Ehe für ihre Tochter haben könnte. Sie traf eine mutige Entscheidung: Die Hochzeit wurde abgesagt. Trotz Kritik von Verwandten und Freunden blieb Bus Bibi standhaft. „Ich weiß, was das Beste für meine Tochter ist. Ich möchte, dass sie ihre Schulbildung abschließt und erwachsen ist, bevor sie heiratet“, sagt sie entschlossen. Heute ist Aqeela eine fleißige Schülerin mit einem klaren Ziel vor Augen: Sie möchte Lehrerin werden. Sie will Kindern zeigen, dass Mädchen und Jungen die gleichen Rechte auf Bildung und Schutz haben – und dass jede Zukunft voller Möglichkeiten sein kann, wenn man den Mut hat, neue Wege zu gehen.
In den letzten fünf Jahren wurden mehr als 500 Millionen Kinder offiziell registriert
Die offizielle Registrierung von Kindern erhöht ihre Chancen auf den Zugang zu wichtigen Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutz vor Ausbeutung. Heute sind 77 Prozent der Kinder unter fünf Jahren registriert, verglichen mit nur 60 Prozent zu Beginn der 2000er Jahre.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
UNICEF arbeitet seit über 35 Jahren mit Regierungen zusammen, um die Registrierungssysteme zu vereinfachen und zu digitalisieren und es den Menschen leichter zu machen, ihre Kinder zu registrieren – auch in den entlegensten Regionen der Welt.

Die 21-jährige Solange Denemadji hat gerade ihr ein Monat altes Baby im Gesundheitszentrum von N'Djamena, der Hauptstadt des Tschad, impfen lassen und sie anschließend offiziell registriert. Um die Geburtenregistrierung zu erleichtern, stellt UNICEF dem Gesundheitspersonal auf der Entbindungsstation, in Impfstellen sowie lokalen Gemeindevertretern spezielle Formulare zur Verfügung. Eltern von Neugeborenen oder Kleinkindern, die zur Impfung gebracht werden, erhalten dieses Formular und gehen damit zum Standesamt im Krankenhaus. Dort wird das Kind in wenigen Minuten registriert – und die Eltern erhalten unmittelbar einen Auszug aus der Geburtsurkunde. Der Standesbeamte erfasst die Angaben und übermittelt sie per SMS an die zentrale Datenbank. So wird dem Kind eine nationale Identifikationsnummer zugewiesen – ein entscheidender Schritt für den Zugang zu Rechten, Bildung und Gesundheitsversorgung.
In den letzten 20 Jahren haben 2,5 Milliarden Menschen Zugang zu verbesserten sanitären Einrichtungen erhalten
Die Zahl der Menschen, die im Freien ihre Notdurft verrichten, ist seit 2000 um zwei Drittel zurückgegangen. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass deutlich weniger Kinder an Krankheiten wie Durchfall erkranken – eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern. Die Zahl der Kinder, die an Durchfall sterben, ist um über 60 Prozent zurückgegangen.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
UNICEF hat 4,8 Millionen Menschen in 33 Ländern mit sanitären Einrichtungen versorgt, die neben klimaresilienten Toiletten mit Abwasserentsorgung auch Waschmöglichkeiten bieten. Damit konnte UNICEF so vielen Menschen wie nie zuvor grundlegende Hygiene ermöglichen. In über 100 Ländern setzen sich unsere Mitarbeitenden dafür ein, dass so vielen Menschen wie möglich nachhaltige Sanitäreinrichtungen zur Verfügung stehen. Hierzu sprechen wir mit Regierungsvertreter*innen in den Ländern und suchen immer wieder nach innovativen Lösungsansätzen.

Poppy Prue Marma zeigt ihrem vierjährigen Sohn Josin, wie man die neuen Toiletten richtig benutzt und sich anschließend gründlich die Hände wäscht. Nach schweren Überschwemmungen und Erdrutschen in ihrer Region hat UNICEF klimaresistente Latrinen gebaut und Aufklärungskampagnen zu grundlegenden Hygienemaßnahmen in den betroffenen Gemeinden durchgeführt. Die neuen Sanitäranlagen sind so konstruiert, dass sie auch künftigen Naturkatastrophen standhalten – und damit das Risiko von durch Wasser übertragenen Krankheiten deutlich verringern.
Nothilfe hat 191 Millionen Menschen das Leben gerettet
Ob in Kriegsgebieten oder bei Naturkatastrophen – koordinierte humanitäre Hilfe rettet in akuten Krisen Menschenleben.
So hat UNICEF zu diesem Erfolg beigetragen:
Ob bei Konflikten, Hungersnöten, Pandemien oder klimabedingten Katastrophen – UNICEF sorgt dafür, dass Kinder und Familien schnell lebensrettende Hilfe erhalten. UNICEF ist vor, während und nach einer Krise für die Kinder und ihre Familien da. Häufig arbeiten wir bereits vor der Notsituation in den Gemeinden vor Ort und können dann schnell reagieren: Wir stellen Hilfsgüter bereit und entsenden Notfallteams innerhalb von 72 Stunden. Wir betreiben das weltweit größte Lager für humanitäre Hilfsgüter in Kopenhagen. Hier werden Produkte für die Versorgung mit sauberem Wasser, Hygieneartikel, Schulmaterial, medizinische Hilfsgüter und Arzneimittel gelagert.
2025 reagierten wir auf 414 neue oder anhaltende humanitäre Krisen in 101 Ländern.

Im Sudan sind die Menschen auf der Flucht vor einem brutalen Konflikt. Tausende müssen ihre Häuser verlassen und finden entweder in Nachbarländern oder in Lagern für intern Vertriebene im eigenen Land Zuflucht. Eines dieser Lager heißt Arab 6, hier leben mehr als 5.000 Familien. UNICEF versorgt die Menschen hier mit dem Nötigsten – unter anderem erhalten sie Hygienepakete (wie oben auf dem Foto zu sehen).
Diese Pakete sind für eine fünfköpfige Familie (zwei Erwachsene und drei Kinder oder Jugendliche) konzipiert und enthalten einen Eimer mit Deckel zur Aufbewahrung von sauberem Wasser, einen Kanister, Seife und Waschmittel, verschiedene Menstruationshygieneprodukte, Mehrzwecktücher sowie zwei wichtige Hilfsmittel für die persönliche Sicherheit: Trillerpfeifen und Taschenlampen. So können sich die Familien unter diesen herausfordernden Umständen so gut wie möglich vor lebensbedrohlichen Krankheiten schützen, die sich durch die unzureichende Versorgung mit sauberem Wasser und den Mangel an Sanitäranlagen schnell ausbreiten können.
All diese Beispiele zeigen: Jede Verbesserung im Leben eines Kindes zählt – und viele einzelne Veränderungen können gemeinsam große und nachhaltige Wirkung entfalten. Die weltweite Arbeit von UNICEF und unseren Partnern hat in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, die Lebensbedingungen von vielen Kindern langfristig zu verbessern. Dafür setzen wir uns weiterhin jeden Tag ein.
Esther Addo arbeitet im Team Internationale Programme und schreibt über die UNICEF-Arbeit weltweit.