
4 Mythen und 4 Fakten über die Menstruation
"Auf der roten Welle surfen", die "Erdbeerwoche" haben, "Besuch von der roten Lola" kriegen – all diese Codes umschreiben etwas, das Frauen in der Regel jeden Monat einmal beschäftigt. Täglich menstruieren weltweit schätzungsweise 300 Millionen Frauen und Mädchen. Doch viele von ihnen können ihre Menstruation nicht würdevoll und auf gesunde Weise bewältigen.
von Lilian Sekkai und Christine Kahmann
Tampons, Binden oder Menstruationstassen kennt ein Mädchen aus dem Badezimmerschrank, der Werbung oder der Sexualkunde in der Schule. Die junge Frau weiß, dass sie nicht krank oder verletzt ist, sondern ein natürlicher, biologischer Prozess beginnt. In einem aufgeklärten Umfeld sind Menstruation und hormonelle Veränderungen etwas ganz Normales, das sich meist problemlos in den Alltag integrieren lässt.
Das ist aber nicht überall so! Wie angenehm oder unangenehm das "Erwachsenwerden" für ein Mädchen ist, hängt davon ab, wo und in welcher Gesellschaft es heranwächst.
In diesem Blog räumen wir mit weit verbreiteten Mythen rund um das Thema Menstruation auf und liefern wichtige Fakten, die jede*r kennen sollte! Denn wichtig ist, die Menstruation ist etwas ganz Normales und keine Erkrankung!
Menstruation: Die Periode einfach erklärt
Die Menstruation, oft als Periode bezeichnet, ist ein natürlicher Prozess im Körper von Mädchen und Frauen, der in der Regel zwischen dem elften und 15. Lebensjahr einsetzt. In manchen Fällen kann die erste Periode auch früher oder später eintreten. Etwa einmal im Monat bereitet sich der Körper dann auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Dabei durchläuft er einen Menstruationszyklus, der im Schnitt 28 Tage dauert und aus vier Phasen besteht. Die Dauer der Phasen und des gesamten Zyklus können von Frau zu Frau variieren.

In einer Schule in Madagaskar erfahren Mädchen spielerisch alles über die Menstruation.
© UNICEF/UNI675381/RamasomananaIn der Menstruationsphase (ca. Tag 1-15) wird die Gebärmutterschleimhaut, die sich im letzten Zyklus aufgebaut hat, abgestoßen, wenn keine Schwangerschaft eingetreten ist. Sie startet mit dem ersten Tag der Periodenblutung, die zwischen drei bis sieben Tage dauert. In der sogenannten Follikelreifungsphase bereiten die Eierstöcke anschließend eine neue Eizelle vor, die freigegeben werden kann. Die Hormone, die während dieser Phase ausgeschüttet werden, regen die Gebärmutter dazu an, auch die Gebärmutterschleimhaut wieder aufzubauen.
In der anschließenden Ovulationsphase (ca. Tag 14), also etwa in der Mitte des Zyklus, wird die Ovulation – der Eisprung – ausgelöst. Das heißt, dass die Eierstöcke die reife Eizelle freigeben, sodass diese befruchtet werden kann. In der Lutealphase (ca. Tag 15-28) wird die Gebärmutterschleimhaut weiter auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet und so umgebaut, dass sich eine mögliche befruchtete Eizelle dort einnisten kann. Bleibt die Befruchtung aus, sinken die Hormonspiegel und der Zyklus beginnt mit der Blutung von vorne.
Mythen und Fakten zur Menstruation auf einen Blick
4 Mythen zur Menstruation
Menstruationsmythos 1: „Ich muss mich wohl verletzt haben“
Mythen über die Menstruation gibt es bereits seit vielen Jahren. Umso wichtiger ist es immer weiter darauf aufmerksam zu machen und Wissen weiterzugeben.
„Ich dachte, ich muss mich an irgendetwas geschnitten haben, als ich zum ersten Mal meine Periode bekam. Ich habe niemandem davon erzählt, bis ich aufgehört habe zu bluten,“ erzählt Genet.

Genet geht in die 5. Klasse und lernt in einer Kampagne über Menstruation ganz offen zu sprechen.
© UNICEF/UN064405/TadesseWas geschieht mit meinem Körper? Wie Genet aus Äthiopien wissen viele Mädchen vor ihrer ersten Periode nicht, was passiert, wenn ein Mädchen in das geschlechtsreife Alter kommt.
Laut eines Berichts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF aus dem Jahr 2024 wissen nur 39 Prozent der jungen Mädchen in Äthiopien vor ihrer ersten Periode etwas über die Menstruationsblutung. In Bangladesch hat sich in den letzten Jahren das Wissen über die Regelblutung ausgeweitet. 2018 wussten 53 Prozent der Schülerinnen über die Monatsblutung Bescheid, während es vier Jahre zuvor nur 36 Prozent waren. Das zeigt, wie effektiv Aufklärung ist.
Aus dem Bericht geht zudem hervor, dass weltweit nur zwei von fünf Schulen (39 Prozent) Aufklärung über Menstruationshygiene anbieten. Eine Umfrage in Äthiopien zeigt, dass Schülerinnen teilweise Informationen von Gesundheitsfachkräften, kommunalen Gesundheitshelfer*innen, von Lehrer*innen und Müttern erhalten, mehr als die Hälfte (52 Prozent) aber keinen Zugang zu Wissen über die Periode hat. Weniger als eine von drei Schulen weltweit ist ausgestattet mit Behältern für Menstruationsabfälle in den Mädchentoiletten.
Oft sind Scham und Unsicherheit so groß, dass die Mädchen an Selbstbewusstsein verlieren, sich isolieren und die Schule meiden.
Es kommt vor, dass einige Mädchen von ihrer Familie bestraft werden, wenn sie das erste Mal bluten. In Äthiopien kursiert der Irrglaube, dass eine menstruierende Frau keine Jungfrau mehr ist. Einige Eltern glauben, dass ihre Tochter Sex hatte oder vergewaltigt wurde.
Menstruationsmythos 2: „Du bist unrein, wenn du blutest“
Kein Spiegel, kein Trinkwasser, keine Früchte – wenn Mädchen und Frauen menstruieren. Das verbietet in Nepal ein lokaler, strenger Aberglaube. Und nicht nur in Nepal. In einigen Ländern werden Mädchen und Frauen während ihrer Periode als „dreckig“ und „unrein“ angesehen, andere Mädchen dürfen sich zum Beispiel die Nägel nicht lackieren. Dabei wissen wir längst, dass die Periode völlig normal ist und ein Zeichen für einen gesund entwickelten Körper.

Es ist wichtig gegen Tabus und Mythen rund um Menstruation anzukämpfen. Die 15-jährige Aarti und ihre Mutter lackieren sich die Nägel, um das Tabu zu brechen, während der Menstruation keine Nägel lackieren zu dürfen.
© UNICEF/UN0591667/ BhardwajMenstruationsmythos 3: „Das ist doch eine Abtreibungspille!“
Ein weiterer verbreiteter Irrglaube in manchen Ländern ist, dass Eisentabletten, die in Schulen verteilt werden, eigentlich Abtreibungstabletten sind. Diese Behauptung ist jedoch falsch und basiert oft auf mangelndem Wissen über Menstruation und Gesundheit.

Frau Zuweira erklärt ihren Schülerinnen in einer Grundschule in Ghana, wie wichtig Ernährung und Nährstoffe, für den Körper sind - besonders während ihrer Periode. Hier nimmt eine Schülerin eine Eisen-Folsäure-Tablette ein.
© UNICEF/UNI676775/NooraniDie Eisentabletten werden verwendet, um den Mädchen dabei zu helfen, einen gesunden Eisenspiegel im Körper aufrechtzuerhalten. Dadurch fühlen sich die Mädchen weniger müde und haben eine bessere Konzentrationsfähigkeit – also ein insgesamt gesteigertes Wohlbefinden während der Menstruation.
Menstruationsmythos 4: „Du gehörst in eine Hütte verbannt, während du blutest“
Wenn sie ihre Tage haben, treffen zahlreiche Frauen in Nepal ihre Freund*innen nicht, gehen nicht einkaufen und nicht zur Arbeit. Zum Glück folgen mittlerweile nur noch die wenigsten Familien dem strengen traditionellen Brauch, Mädchen und Frauen während ihrer Periode in unbeheizte Menstruationshütten zu verbannen. Kälte, Rauchvergiftungen und Tierangriffe waren Gründe, warum Mädchen und Frauen in der Vergangenheit bei diesem Brauchtum ums Leben kamen.

Seit 2005 verboten und mancherorts trotzdem praktiziert: „Chhaupadi“ heißen die Hütten, in die menstruierende Mädchen und Frauen nach alter nepalesischer Art verbannt werden.
© UNICEF NepalWeg mit den Mythen – her mit den Fakten zur Menstruation!
Weltweit sind viele Mythen über das Thema Menstruation verbreitet. Das folgende Video zeigt in englischer Sprache, wie Jugendliche in Kambodscha über falsche Informationen aufgeklärt werden. So zum Beispiel der irrtümliche Mythos, als Mädchen könne man schwanger werden, sobald man einen Klassenkameraden auf dem Schulhof auch nur aus Versehen berührt.
Periodenfakt 1: Eine sichere Hygiene schafft Selbstbewusstsein
Weltweit können sich viele Mädchen und Frauen Menstruations-Hygieneartikel wie Binden oder Tampons nicht leisten. Diese sogenannte Periodenarmut zwingt sie, kreativ zu werden. In Bangladesch beispielsweise benutzen viele Frauen und Mädchen alte Tücher als Binden.
Aus einem Bericht von 2024 geht hervor, dass weltweit 646 Millionen Kinder keine Möglichkeit haben, sich in der Schule die Hände mit Wasser und Seife zu waschen. Im Jahr 2023 fehlte zudem etwa 222 Millionen Kindern der Zugang zu grundlegenden Sanitärdiensten wie Toiletten oder Latrinen in der Schule. Weltweit haben 427 Millionen Kinder in Schulen keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, die nur von einem Geschlecht genutzt werden können. Jede fünfte Schule hat gar keine sanitäre Grundversorgung.

Die achtjährige Vilma und ihre Freundinnen freuen sich über ihre neuen Sanitäranlagen an ihrer Schule in in Alta Verapaz, Guatemala. In vielen Ländlichen Regionen fehlt es an Toiletten und wichtigen Hygienemaßnahmen.
© UNICEF/UNI783692/LopezFehlendes Wasser und Hygiene erschweren es Mädchen und Frauen, ihren Alltag während der Periode reibungslos zu bewältigen. Nicht zu vergessen sind dabei die gesundheitlichen Folgen: Eine schlechte Menstruationshygiene kann zu Infektionen der Fortpflanzungs- und Harnwege führen.
In der Schule von Turufta (15) gibt es nun Möglichkeiten für junge Mädchen ihre Binden in einem sauberen Umfeld zu wechseln.

Tesfaye Turufta (15) engagiert sich im Gender Club an der Gato Yanda-Grundschule in Südäthiopien.
© UNICEF/UNI614510/TesfayeDer Gender Club klärt Mädchen über den Menstruationszyklus und die Verwendung von Binden auf, während Jungen sich an Diskussionen über verschiedene Themen beteiligen, darunter Menstruationsgesundheit und Hygiene. "Vor diesem Programm konnten wir nirgends unsere Binden wechseln, jetzt haben wir einen eigenen Raum, sagt Turufat. „Das bedeutet, dass wir Mädchen in der Schule bleiben können, wenn wir unsere Periode bekommen.“
Periodenfakt 2: Menstruation geht jeden etwas an
Entjungfert, verflucht oder unrein – Stigmatisierung, Mythen und Tabus sind die Folgen von fehlender Aufklärung. Das Verständnis für und Wissen über die Menstruation ist für alle wichtig.
Laut der Studie von WHO und UNICEF berichteten zum Beispiel in Äthiopien zwar 94 Prozent der Mädchen, dass sie noch nie wegen ihrer Menstruation gehänselt wurden – aber nur 37 Prozent sagten, dass sie sich nicht für ihre Menstruation schämen und mit anderen über sie gesprochen haben. In der Türkei glaubten 87 Prozent der Schülerinnen (im Alter von 10 bis 15 Jahren) in der Provinz Sivas, dass die Menstruation eine schändliche Sache sei.
Die Schule kann ein Ansatzpunkt sein, um solche Tabus anzusprechen. In vielen von UNICEF unterstützten Schulen, Mädchenclubs und Projekten lernen nicht nur die Mädchen, sondern auch Jungen, was sich hinter der Monatsblutung und dem Menstruationszyklus der Frau verbirgt. Alle können im Kampf gegen das Tabu wichtige Verbündete sein.
"Ich unterstütze die Mädchen, indem ich den anderen Jungen erkläre, was ich über die Menstruation gelernt habe, dass sie natürlich ist und sie keine Angst haben oder sich über die Mädchen lustig machen sollten", sagt zum Beispiel Mintesenot (14) aus Äthiopien.
Der Gender Club an der Gato Yanda-Grundschule in Südäthiopien informiert Mädchen und Jungen über Menstruationsgesundheit und Hygiene.

Der 14-jährige Mintesenot hat sich über die Menstruation informiert und hilft zusammen mit den Clubmitgliedern, Binden an Mädchen in der Schule und in der Gemeinde zu verteilen.
© UNICEF/UNI614511/TesfayeSchulkurse und Projekte über Menstruation geben Mädchen Mut und Know-how mit ihrer Periode sicher und selbstbewusst umzugehen. Gleichzeitig werden sie dadurch zu Multiplikatorinnen, die ihr Wissen an die Gesellschaft – an Väter, Mütter und Geschwister – weitertragen können.

Lehrerin Aster Fanta über den Gender Club an ihrer Schule: "Ich bin sehr froh, die Mädchen unterstützen zu können, etwa bei ihrer ersten Periode. Als junges Mädchen hatte ich die gleichen Schwierigkeiten wie sie und mich hat damals niemand unterstützt."
© UNICEF/UN0839570/PougetEs ist wichtig, dass Mädchen und junge Frauen die Möglichkeit bekommen, sich über ihre Gesundheit zu informieren. Die in einem UNICEF-Projekt entwickelte App Oky ist die erste Zyklus-Tracking-App, die gemeinsam mit Mädchen für Mädchen entwickelt wurde. Vertrauenswürdig, lustig und kreativ informiert und unterstützt die App Mädchen weltweit dabei, gesund und selbstbewusst mit ihrer Periode aufzuwachsen. Den Entwickler*innen ist dabei wichtig, dass die App einfach zugänglich ist und persönliche Daten gut geschützt sind. Die App gibt es als kostenfreien Download im Google-Play-Store.

Unterstützt Mädchen ihre Menstruation gesund zu meistern: OKY-App.
© UNICEF/UNI322842/Periodenfakt 3: Fürsorge und Enttabuisierung stärken
Während der Menstruation können sich Mädchen müde fühlen und Probleme haben, sich zu konzentrieren. So ging es auch Kidist (16) aus Äthiopien. Sie berichtet: "Noch vor wenigen Jahren kämpfte ich mit Müdigkeit, die es mir schwer machte, mich im Unterricht zu konzentrieren. Meine unregelmäßige Periode verursachte mir außerdem Unbehagen."

Äthiopien: Kidist (16) und ihre Lehrerin Birkinesh setzen sich an ihrer Schule für einen selbstbewussten Umgang mit dem Thema Menstruation ein.
© UNICEF/UNI572736/PougetIn der Zwischenzeit wurden in ihrer Schule mit Unterstützung von UNICEF Ruheräume eingerichtet, in die sich die Mädchen während ihrer Regelblutung zurückziehen können. Zudem bekommt Kidist jeden Dienstag eine Eisen-Folsäure-Tablette in der Schule.
„Ich habe mehr Energie für Sport und fühle mich im Unterricht besser, seitdem wir einmal die Woche eine Eisentablette einnehmen“, sagt Kidist. „Ich bin stolz darauf, Teil dieses Programms zu sein, und dankbar für die Unterstützung durch meine Lehrerin Birkinesh.“
Es muss einen unterstützenden Rahmen für menstruierende Mädchen geben. Eine ausgewogene Ernährung, die den Eisenhaushalt im Blick behält, trägt dazu bei, dass es ihnen besser geht und sie auch weniger oder keine Regelschmerzen haben.
Periodenfakt 4: Dank Binde in die Schule
"Früher bin ich bis zu sieben Tage zuhause geblieben, wenn ich meine Tage hatte. Ich habe Schulstunden und Prüfungen verpasst." So schildert die 16-jährige Workalem aus Äthiopien ihre Erfahrungen mit der Periode. "Es gab keine Periodenprodukte und kein Wasser in der Schultoilette. Über die Menstruation zu reden war ein Tabu."
Doch heute ist es anders: Workalem ist nun ein aktives Mitglied im Gender Club ihrer Schule, der von UNICEF unterstützt wird. "Jetzt verstehe ich meinen Körper viel besser", sagt sie und setzt sich dafür ein, dass alle Mädchen und Jungen an ihrer Schule aufgeklärt werden. Zudem gibt es an ihrer Schule nun einen Raum für Menstruationshygiene, in dem die Mädchen sich waschen können, Periodenprodukte erhalten und Vertrauenslehrer*innen treffen, die sie bei Fragen rund um die Periode unterstützen.
Seit ich im Gender Club bin, verstehe ich meinen Körper viel besser. Und es gibt kostenlose Binden, Unterwäsche und Seife.
Es ist wichtig, dass Mädchen zur Schule gehen und sich entfalten können – ganz ohne Sorge um die hygienische Versorgung. Dabei unterstützt UNICEF Mädchen weltweit, zum Beispiel in Projekten, in denen Mädchen und Frauen ihre Binden selbst herstellen.

Hortence (13) ist dankbar, dass sie und ihre Mitschülerinnen in der Schule Hygienepakete bekommen. Jetzt muss sie keinen Unterricht mehr verpassen, wenn sie ihre Periode hat. "Wir bekommen nicht nur Produkte, sondern auch praktische Tipps und eine saubere Schuluniform, falls wir das brauchen," erklärt Hortense. Sie möchte Lehrerin werden.
© UNICEF/UNI754265/DejonghWichtig ist dabei auch die Aufklärung und Ausbildung freiwilliger Betreuer*innen. Sie sprechen mit den Mädchen über ihre körperliche Veränderung, ihre Sexualität und die richtige Nutzung von Hygieneartikeln während der Regelblutung.

Mädchen lernen in Mali, wie sie Damenbinden herstellen können.
© UNICEF/UNI708953/KeïtaJugendliche engagieren sich für Mädchen und Menstruation
Das Thema Menstruation betrifft Mädchen auf der ganzen Welt. Zum Glück engagieren sich viele junge Menschen, um über Menstruation aufzuklären, Menstruation zu enttabuisieren und sichere, hygienische Räume für Mädchen zu schaffen.
Im Sudan ist die Situation besonders dramatisch. Durch den Krieg leiden viele Menschen an Hunger und die Gefahr für Krankheiten steigt. Umso wichtiger sind ein sauberes Umfeld und Hygieneprodukte. Der 16-Jährige Samer lebt in einer vorübergehenden Unterkunft für Geflüchtete im Sudan. Hier stellt er Menstruationsprodukte für weibliche Geflüchtete her. Er hilft damit vielen Mädchen und Frauen in der Unterkunft unter schwierigen Umständen mit ihrer Periode umzugehen.
Obwohl Damenbinden für Mädchen eine Notwendigkeit sind, haben sie keinen Zugang dazu, insbesondere in Zeiten von Krieg und Vertreibung. Die Eltern können sie sich nicht leisten.
Yolanda (18) aus Sambia setzt sich leidenschaftlich für Menstruationshygiene ein. Durch die Unterstützung von UNICEF Sambia und die Zusammenarbeit mit Gemeinden klärt Yolanda über Menstruationshygiene auf, organisiert Workshops und schafft sichere Räume für Mädchen, in denen sie über ihre Herausforderungen sprechen können. Durch Initiativen wie Gender Clubs, die von Jugendlichen initiiert werden, gibt es einen deutlichen Anstieg der Anwesenheit und Teilnahme von Mädchen in der Schule während ihrer Menstruation.
Menstruationshygiene ist nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern auch eine Frage der Würde und Gleichberechtigung. Yolanda hebt in ihrer Arbeit hervor, wie wichtig es ist, Mädchen mit Wissen, Ressourcen und Unterstützung zu stärken. Dadurch können sie ihr volles Potenzial entfalten und eine bessere Zukunft für die Gemeinschaften gestalten.
Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, das Schweigen zu brechen und Gespräche über Menstruation zu normalisieren, damit jedes Mädchen, nicht nur in Sambia, sondern auf der ganzen Welt, ohne Einschränkungen aufblühen kann.
Sophia (17) setzt sich für Mädchen und ihre Rechte in Deutschland ein. Sie engagierte sich dafür, dass Periodenprodukt-Spender an ihrer Schule installiert wurden. Dadurch haben nicht nur alle Schülerinnen unabhängig von ihrer finanziellen Lage, kostenlosen Zugriff auf Periodenprodukte, die Jungs werden gleichzeitig über das Thema aufgeklärt. Mittlerweile gehört es zum Schulalltag und wird gar nicht mehr hinterfragt.
Offen über die Periode zu sprechen bedeutet, Tabus zu brechen – nur so erreichen wir echte Gleichberechtigung.
Samer, Yolanda und Sophia kommen aus unterschiedlichen Weltregionen und leben unter verschiedenen Bedingungen. Alle drei jedoch setzten sich für Mädchen und einen sicheren Zugang zu Menstruationsprodukten ein, was das Bereitstellen von Binden und Tampons, aber auch die Aufklärung und der gemeinsame Austausch in sicheren Räumen miteinschließt.
Elterntipps: Mit Mädchen über die (erste) Menstruation sprechen
Die Menstruation gehört zur normalen Entwicklung im Leben eines Mädchens, weshalb es umso wichtiger ist, ganz offen darüber zu sprechen. Das kann Unsicherheiten verringern und Ihren Kindern dabei helfen, ein gesundes Körperbewusstsein zu entwickeln.
Im ersten Schritt hilft es, wenn Sie zum Beispiel als Mutter schon selbst offen mit Ihrer eigenen monatlichen Blutung umgehen und Ihren Töchtern erklären, was es mit den Tampons oder Binden im Bad auf sich hat.

Kidist und ihre Mutter Aster haben eine enge Beziehung und können über alles reden. „Eines Tages wirst du deine Menstruation bekommen, schäme dich nicht dafür“, hatte Aster ihrer Tochter geraten. „Dann brauchst du eine Damenbinde.“ Kidist erzählt: „Ich habe meiner Mutter direkt erzählt, als ich meine erste Periode hatte.“ In Asters Ratschlägen findet Kidist nicht nur Unterstützung, sondern kann auch ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln.
© UNICEF/UNI572741/PougetWenn es darum geht, genauer zu erklären, was die Periodenblutung ist, können Sie zum Beispiel einen Bogen zum Kinderkriegen schlagen. Das heißt zu beschreiben, dass Frauen eine Gebärmutter haben, in der Babys heranwachsen können. Und dass der Körper ab einem gewissen Alter einmal im Monat Vorbereitungen trifft, damit das möglich wird. Wenn kein Baby kommt, wird die aufgebaute Schleimhaut in der Gebärmutter nicht mehr gebraucht und vom Körper abgestoßen. Zusammen mit etwas Blut fließt sie aus der Scheide. Das ist die Periodenblutung. Danach erneuert sich die Schleimhaut wieder für den nächsten Zyklus. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Damit das Blut nicht stört, kann man Tampons oder Binden benutzen.
Falls Ihre Töchter nicht so gerne über das Thema sprechen möchten oder sich erst einmal allein damit beschäftigen wollen, können Bücher oder Broschüren hilfreich sein. Dieses Material bekommt man meist leicht in gynäkologische Praxen. Wichtig ist es, offen und sensibel mit dem Thema umzugehen und Ihren Kindern das Gefühl zu geben, dass sie sich mit Fragen und Sorgen jederzeit an Sie wenden können.
Auch mit Jungen über die Periode zu sprechen, hilft dabei, Verständnis und Empathie zu fördern. Vermitteln Sie eine positive Einstellung zur Menstruation und betonen Sie, dass sie etwas ganz Normales und Gesundes ist und vor allem nichts Peinliches.

In einer Schule in Madagaskar liest ein Mädchen eine Broschüre zum Thema Menstruation.
© UNICEF/UNI474497/Ramasomanana
Ob durch Menstruationstassen, selbst genähte Binden oder geteiltes Wissen – eines ist klar: Frauen und Mädchen sollen sich 365 Tage im Jahr selbstbewusst, aufgeklärt und sicher in ihrem Körper fühlen dürfen. Dafür müssen wir zusammen gegen Menstruationsmythen und -tabus ankämpfen.
Machen wir also gemeinsam auf das Thema aufmerksam und unterstützen wir Mädchen und junge Frauen, damit sie ohne Scham, mit Würde und Perspektive leben können.
Häufige Fragen und Antworten zur Menstruation
Die monatliche Regelblutung – auch Periode genannt – ist Teil eines sich wiederholenden Zyklus. Hormone steuern dabei Veränderungen im Körper: Die Gebärmutterschleimhaut baut sich auf, gleichzeitig reift eine Eizelle im Eierstock heran. Wird die Eizelle nicht befruchtet, stößt der Körper die Schleimhaut ab – das ist die Menstruationsblutung. Wie lang und stark die sich wiederholenden Zyklen sind, unterscheidet sich von Person zu Person. Stress, Gewicht oder hormonelle Veränderungen können den Zyklus beeinflussen.
Jeder Zyklus – egal ob kurz oder lang – durchläuft verschiedene Phasen. Diese Phasen können variieren:
1. Menstruationsphase: Die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen und über die Vagina ausgeschieden – das ist die Regelblutung. Die Menstruation dauert in der Regel drei bis sieben Tage, kann aber auch variieren. Einige Tage vor der Blutung kann das prämenstruelle Syndrom (PMS) auftreten. Typische Beschwerden sind Blähungen, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder Müdigkeit.
2. Follikelreifungsphase: In der Follikelreifungsphase reift in den Eierstöcken ein Follikel (Bläschen im Eierstock) heran. Gleichzeitig sorgt das Hormon Östrogen dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut wieder aufbaut.
3. Ovulationsphase: In diesem Abschnitt des Zyklus findet der Eisprung statt – der Moment, in dem der reife Follikel sich öffnet und die Eizelle freisetzt. Die Eizelle wird aus dem Eierstock in den Eileiter aufgenommen, wo sie befruchtet werden kann.
4. Lutealphase: Nach dem Eisprung verwandelt sich der Follikel in den sogenannten Gelbkörper. Er produziert das Hormon Progesteron. Dieses bereitet die Gebärmutterschleimhaut darauf vor, eine befruchtete Eizelle aufzunehmen. Wird die Eizelle nicht befruchtet, sinkt der Progesteronspiegel und der Zyklus beginnt von vorn.
Die Menstruation dauert in der Regel zwischen drei und sieben Tagen. Stärke und Länge können von Person zu Person variieren. Der Menstruationszyklus beginnt mit der Menstruation.
Die Menstruation beginnt in der Pubertät – meist zwischen dem elften und dem 15. Lebensjahr. Die erste Periode kann aber auch früher oder später einsetzen. Die Menstruationszyklen enden mit den Wechseljahren, wenn die Hormonproduktion der Eierstöcke nachlässt und die Zyklen ausbleiben. Auch der Zeitpunkt der Wechseljahre variiert – oft treten diese zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr ein.
Eine Menstruationstasse ist ein wiederverwendbares Menstruationsprodukt. Die kleine Tasse ist etwas größer als ein Tampon und aus flexiblem Material. Während der Periode kann sie das Menstruationsblut auffangen, anstatt es wie ein Tampon aufzusaugen. Wie ein Tampon oder eine Binde muss auch eine Menstruationstasse geleert werden. Das bedeutet, dass sie ausgeleert, kurz ausgewaschen und wieder eingeführt werden kann. Im Anschluss an die Menstruation sollte sie in kochendem Wasser gereinigt werden. Genaue Anwendungshinweise finden sich in der Packungsbeilage der jeweiligen Menstruationstasse.
Eine Menstruationstasse hat zahlreiche Vor- und Nachteile, die gegeneinander abgewogen werden sollten. Auch hier gilt, dass jede Person unterschiedlich menstruiert und eine Menstruationstasse für manche Frauen die optimale Lösung ist, während andere gar nicht damit zurechtkommen.
Vorteile einer Menstruationstasse
- Nachhaltig: Eine Tasse hält viele Jahre lang und kann anders als Binden und Tampons ständig wiederverwendet werden.
- Kostensparend: Die einmalige Anschaffung ist langfristig günstiger als monatliche Hygieneprodukte.
- Oft länger tragbar: Je nach Frau und Produkt kann die Menstruationstasse bis zu zwölf Stunden getragen werden, ohne gewechselt werden zu müssen. Aber auch hier kommt das auf den Körper und die Blutung an.
Nachteile einer Menstruationstasse
- Lernkurve: Die Nutzung einer Menstruationstasse erfordert etwas Übung und kann anfangs ungewohnt sein, sowohl beim Einsetzen als auch beim Herausnehmen.
- Reinigung und Zugang zu Wasser notwendig: Die Menstruationstasse muss regelmäßig ausgeleert und sauber gespült werden – unterwegs oder in öffentlichen Toiletten kann das unpraktisch sein. Ohne Wasser und Hygienemöglichkeiten ist die Nutzung schwierig.
- Anschaffungskosten: Der Kaufpreis ist zunächst höher als bei einer einzelnen Packung Binden oder Tampons.
- Nicht für alle geeignet: Manche Personen fühlen sich nicht wohl mit einer Menstruationstasse; zudem gibt es viele verschiedene Größen, was die passende Auswahl erschweren kann.
*Dieser Artikel wurde erstmals im Mai 2019 von Yvonne Laudien publiziert und im Nachgang von Katharina Kesper, Stefanie Hack und Lilian Sekkai überarbeitet.
Lilian Sekkai arbeitet im Presseteam und schreibt über UNICEF-Themen und Kinder weltweit.