© UNICEF/UNI520426/RautenbachKindererziehung Tipps
Gut zu wissen

Kindererziehungstipps für Eltern: Wie erziehe ich mein Kind richtig?

Fast alle Eltern erleben Momente, in denen Geduld und Kraft auf die Probe gestellt werden. Wenn das Kleinkind schreit oder der Teenager wütend reagiert, kann es schwerfallen, ruhig zu bleiben. Wie können Eltern in schwierigen Situationen reagieren? In diesem Blog finden Sie wertvolle Tipps und Informationen, die zu einer respektvollen Erziehung beitragen. 

Eltern zu sein ist eine wundervolle, aber auch herausfordernde Aufgabe im Leben und weckt viele Gefühle – Liebe und Freude gehen oft Hand in Hand mit Angst und Stress. Das eigene Verhalten, die eigenen Worte und Reaktionen wirken sich auf das Kind aus. Eine gute Erziehung und Beziehung mit dem Kind sorgt dafür, dass sich Eltern und Kind wohlfühlen. Aber was bedeutet „richtige" Kindererziehung eigentlich?

Zum Glück gibt es hilfreiche Erziehungsansätze und wertvolle Tipps. Ein sinnvoller Erziehungsansatz heißt „Positive Discipline“, also positive Disziplin, beziehungsweise positive Erziehung. Dieser Ansatz beispielsweise kann Eltern unterstützen, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen und Werte, Verantwortung und Kooperation im Alltag zu fördern. Wie genau das funktionieren kann, hat uns Lucie Cluver, Professorin für Kinder- und Familiensozialarbeit an der Universität Oxford und Mutter von zwei Jungen, erzählt.

Zusätzlich spielen Selbstfürsorge bei den Eltern und eine gesamtgesellschaftliche und staatliche Unterstützung eine wichtige Rolle. Gesunden und zufriedenen Eltern fällt es auch leichter, fürsorglich und spielerisch zu erziehen. UNICEF betont die Wichtigkeit des Spielens für die Entwicklung von Kindern. Dabei ist ein sicheres Umfeld wichtig – zu Hause, in den Schulen und in den Gemeinden.

Wenn diese Faktoren zusammenkommen, entwickeln sich Kinder mit größerer Wahrscheinlichkeit emotional, sozial, körperlich und kognitiv gut.

Kindererziehung Tipps: Lethokuhle und ihr Sohn Kusaselihle stehen vor ihrem Haus in KwaZulu-Natal in Südafrika.

Lethokuhle und ihr Sohn Kusaselihle stehen vor ihrem Haus in KwaZulu-Natal in Südafrika. Lethokuhle nimmt am von UNICEF unterstützten „Young Mentor Mother“-Programm teil, das junge Mütter miteinander verbindet und die gegenseitige Unterstützung fördert.

© UNICEF/UNI942468/Mkhize

Was ist wichtig bei der Kindererziehung?

Eltern fragen sich oft, was in der Erziehung wirklich zählt. Viele Eltern sind sich einig, dass Respekt, Vertrauen, Liebe, Fürsorge und auch Konsequenz wichtig sind. Doch im hektischen Alltag sind Eltern oft gestresst, und in Momenten, in denen Kinder oder Jugendliche wütend und gereizt reagieren, stellt sich die Frage: Wie lässt sich das alles im täglichen Miteinander tatsächlich umsetzen?

Fest steht: Anschreien und körperliche Gewalt sind niemals hilfreich. Die Folgen von Gewalt in der Kindheit sind nicht zu unterschätzen.

Info

Bis heute wird Gewalt gegen Kinder – weltweit wie in Deutschland – viel zu oft stillschweigend akzeptiert, heruntergespielt oder sogar gerechtfertigt. Weltweit können Kinder beispielsweise in Kinderschutzzentren Hilfe suchen. Auch UNICEF unterstützt solche Anlaufstellen. Erfahren Sie mehr zu Spenden gegen Gewalt an Kindern

Insbesondere das Ausmaß und die Folgen psychischer Gewalt gegen Kinder werden häufig unterschätzt. Anlaufstellen und Beratungsangebote sind wichtig. Mit der Kampagne #Niemals Gewalt möchte UNICEF für das Thema alltägliche Gewalt gegen Kinder sensibilisieren.

Wichtig ist, von Anfang an eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, in der sich Ihr Kind gut entwickeln kann. Dazu können verschiedene Faktoren beitragen:

  • Spielerische Erziehung beginnt zu Hause: Spielen ist eines der wirkungsvollsten Mittel, mit denen Sie die Entwicklung Ihres Kindes unterstützen können. In alltäglichen Momenten – beim Singen, Erzählen, Rollenspielen, Sprechen oder gemeinsamen Spielen – geben Sie Ihrem Kind Sicherheit, stärken Ihre Bindung und fördern frühe Lernfähigkeiten.
  • Ein unterstützendes Umfeld hilft Eltern und Betreuungspersonen, das Lernen und die Entwicklung der Kinder zu fördern: Sie als Eltern und andere Betreuungspersonen sind die ersten und wichtigsten Begleiter*innen beim Lernen Ihrer Kinder, brauchen dafür jedoch Zeit, Ressourcen und passende Strukturen. Ein förderliches Umfeld – mit familienfreundlichen Maßnahmen – ermöglicht es Ihnen, Ihr Kind bestmöglich in seiner Entwicklung zu unterstützen. Dafür können Sie Angebote in Ihrer Gemeinde oder Unterstützung im Freundes- und Familienkreis suchen.
  • Familien brauchen sichere Orte für die gemeinsame Zeit: Die Erziehung von Kindern wird stark vom Umfeld der Familie beeinflusst. In vielen Gemeinden geht der Raum für sicheres Spielen verloren, weil öffentliche Bereiche unsicher, unzugänglich oder nicht vorhanden sind – besonders in dicht besiedelten Städten oder Dörfern mit fehlender Infrastruktur. Ohne sichere und kinderfreundliche Orte zum Spielen können selbst Sie als engagierte Bezugsperson das Recht Ihres Kindes auf Spiel und gemeinsame Zeit nur schwer verwirklichen. Gemeinsam mit anderen Eltern sowie mit Ihren Kindern können Sie solche Orte, falls nicht vorhanden, einfordern.
  • Fürsorge und Selbstfürsorge stärken das Wohlbefinden: Besonders wenn Situationen einmal von Stress und Konflikt geprägt sind, ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Zwischen Beruf, Haushalt, Kindern und allen alltäglichen Aufgaben ist es daher wichtig, auch Ihre Selbstfürsorge nicht zu kurz kommen zu lassen. Auch wenn das in einem vollen Tag nahezu unmöglich scheint, ist es wichtig, wann immer möglich kleine Pausen für sich selbst einzubauen, ob durch Sport, durch Lesen oder andere Aktivitäten. Oft lassen sich diese auch gut in den Alltag integrieren. Wenn Sie beispielsweise beim Sport auf Ihr Kind warten, kann ein Buch oder ein eigenes Sportprogramm am Rand die Zeit vertreiben und zugleich Ihr eigenes Wohlbefinden fördern.
Kindererziehung Tipps: Mutter und Kinder schaukeln gemeinsam.

Eine Mutter und ihre Kinder schaukeln gemeinsam auf dem Spielplatz einer Grundschule in Mexiko.

© UNICEF/UNI883677/Marin
Info

Spielen fördert die Entwicklung

Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention: Spielen ist ein Grundrecht – und weit mehr als bloßer Zeitvertreib. Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention garantiert jedem Kind das Recht auf Ruhe, Freizeit, Spiel und altersgemäße Erholung. Gleichzeitig verpflichtet er alle Staaten, Kindern den Zugang zu kulturellem und künstlerischem Leben zu ermöglichen und dafür gleiche Chancen zu schaffen. Denn durch Spiel, Kreativität und Erholung können Kinder ihre Fähigkeiten entfalten, Gemeinschaft erleben und gesund aufwachsen.

Was bedeutet „positive Erziehung“?

"Eltern wollen ihre Kinder nicht anschreien oder schlagen. Doch manchmal kommt es trotzdem dazu, beispielsweise, weil wir gestresst sind oder in einer Situation keinen Ausweg sehen", sagt Professor Cluver.

Fest steht jedoch: Anschreien und Schlagen sind keine Lösung. Im Gegenteil – Sie fügen Ihrem Kind damit Schaden zu. Wiederholtes Anschreien oder körperliche Strafen können sich langfristig negativ auf sein ganzes Leben auswirken. Der dabei entstehende „toxische Stress“ belastet Körper und Seele und kann schwerwiegende Folgen haben: Er erhöht unter anderem das Risiko für Schulabbrüche, Depressionen, Drogenkonsum, Selbstverletzung oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben.

Anstatt Kinder zu bestrafen oder den Fokus darauf zu legen, was sie falsch machen, setzt der Ansatz der „Positive Discipline“, also positive Disziplin beziehungsweise positive Erziehung darauf, eine gesunde und vertrauensvolle Beziehung zum Kind aufzubauen und erwünschtes Verhalten zu stärken.

Kindererziehung Tipps: Yati (13) und ihre Eltern lachen gemeinsam.

Yati (13) und ihre Eltern lachen gemeinsam. Die Unterstützung der Eltern ist eine enorme Kraftquelle für Yati, die durch das Erdbeben 2025 in Myanmar eine Verletzung am Bein erlitten hat. Sie erfährt Liebe und Zuneigung durch ihre Familie.

© UNICEF/UNI964681/Htet

Der Schwerpunkt einer positiven Erziehung liegt auf Verständnis, Respekt und Ermutigung.

Wie bringe ich meinem Kind Disziplin bei?

Wie eben beschrieben ist „Positive Discipline" – also positive Erziehung – ein Ansatz, der darauf abzielt, Ihrem Kind Orientierung und Halt zu geben, ohne es zu bestrafen oder zu verletzen. Statt auf Strafen, Schreien oder Schläge zu setzen, fördert dieser Ansatz eine respektvolle, liebevolle Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Sie bringen Ihrem Kind Respekt und Disziplin durch Fürsorge und Verständnis bei.

Dabei geht es darum, das Verhalten Ihres Kindes zu verstehen, seine Gefühle wahrzunehmen und ihm gleichzeitig klare, konsequente und liebevolle Grenzen zu setzen. Kinder lernen am besten, wenn sie sich sicher und ernst genommen fühlen. Positive Disziplin ermutigt sie, Verantwortung zu übernehmen, selbstständig zu denken und Mitgefühl zu entwickeln – nicht aus Angst vor Strafe, sondern aus Einsicht und Verbundenheit.

So entsteht ein Umfeld, in dem sich Ihr Kind sicher entfalten kann und in dem Vertrauen, Respekt und gegenseitige Unterstützung im Mittelpunkt stehen.

Kindererziehung Tipps: Rohat (6) und sein Vater Ferhat schauen sich gemeinsam Rohats Zeichnungen an.

Rohat (6) und sein Vater Ferhat schauen sich gemeinsam Rohats Zeichnungen im Wohnzimmer ihres Hauses in Mardin, Türkei, an. Der Vater nimmt sich Zeit für seinen Sohn. Das stärkt ihre Bindung und fördert das Vertrauen.

© UNICEF/UNI958176/Kiliç

Zusammen Zeit verbringen

Gemeinsam Zeit zu verbringen, ist wichtig für jede Beziehung, insbesondere für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. "Das können 20 Minuten pro Tag sein. Oder auch nur fünf Minuten“, sagt Cluver. "Wichtig ist, sich dabei ganz auf sein Kind zu konzentrieren. Der Fernseher und das Handy sollten ausgeschaltet sein. Es geht darum, sich wirklich auf das Kind einzulassen."

Es kommt oftmals also nicht auf die Länge der gemeinsamen Zeit an, sondern auf die Tiefe. Im Alltagsstress kann es oft schwer sein, eine ruhige Minute zu finden. Aber ob beim gemeinsamen Essen, kurz vor dem Schlafengehen oder durch gemeinsame Zeit während praktischer Alltagsaktivitäten – fünf Minuten oder mehr sollten sich immer finden.

„Sie können die gemeinsame Zeit mit anderen Tätigkeiten kombinieren, beispielsweise ein gemeinsames Lied beim Spülen singen oder sich beim Wäscheaufhängen unterhalten", sagt Cluver.

Kindererziehung Tipps: Grace (11) unterhält sich zu Hause mit ihrer Mutter Julie Mangenda.

Die elfjährige Grace unterhält sich zu Hause in Kamonia in der Demokratischen Republik Kongo mit ihrer Mutter Julie Mangenda. Sie lachen gemeinsam. Obwohl ihre Mutter mit der Arbeit und einer Ausbildung sowie mit dem Haushalt viel zu tun hat, nimmt sie sich Zeit für ihre Tochter.

© UNICEF/UNI989080/Mulala

Positives Verhalten anerkennen

Eltern richten ihre Aufmerksamkeit häufig auf das negative Verhalten der Kinder, auf das, was nicht gut läuft. Auch wenn das wohlwollend gemeint ist, um Kindern zu zeigen, was nicht okay ist, kann das negative Folgen haben. Kinder merken dann, dass sie durch ihr negatives Verhalten die Aufmerksamkeit ihrer Eltern gewinnen können. So wird negatives Verhalten gefördert, statt es zu stoppen.

Doch Kinder brauchen Lob und Ermutigung, dadurch fühlen sie sich geliebt und bestärkt. Deshalb: "Erkennen Sie positive Verhaltensweisen an und loben Sie Ihr Kind dafür“, empfiehlt Cluver. "Dies kann positives Verhalten fördern."

Dabei können Sie Kleinigkeiten, wie beispielsweise das gemeinsame Spielen mit Geschwistern, das unaufgeforderte Zähneputzen oder ein ordentliches Zimmer loben.

Erwartungen klar kommunizieren

"Es ist viel effektiver, wenn Sie Ihrem Kind klar sagen, was es tun soll, als was es nicht tun soll", sagt Cluver. "Wenn Sie Ihr Kind beispielsweise darum bitten, kein Durcheinander zu veranstalten oder sich zu benehmen, ist dem Kind nicht genau klar, was es tun soll." Wenn Sie jedoch ganz klar formulieren, was Sie von ihm erwarten, wie beispielsweise "Bitte räumt alle Spielsachen auf und legt sie in die Kiste", versteht das Kind besser, was Sie von ihm verlangen und setzt dies auch eher um.

"Aber es ist wichtig, dabei realistische Erwartungen zu setzen. Wenn Sie Ihr Kind darum bitten, den ganzen Tag lang still zu sein, lässt sich das nicht so gut umsetzen, wie wenn Sie Ihr Kind bitten, Sie zehn Minuten lang in Ruhe telefonieren zu lassen", sagt Cluver. "Sie kennen Ihr Kind und wissen, was für es möglich ist. Wenn Sie nach dem Unmöglichen fragen, werden Sie nicht weit kommen."

Kindererziehung Tipps: Hương (30) zusammen mit ihren Söhnen Phúc (7) und Thọ (5).

Hương (30) zusammen mit ihren Söhnen Phúc (7) und Thọ (5). Mutter und Söhne nehmen an einer Elterngruppe teil. Hương kann sich dort mit anderen Eltern austauschen und viel über Kommunikation und Erziehung lernen, während ihre Söhne das Spiel mit den anderen Kindern genießen.

© UNICEF/UNI971225/Vu Le Hoang

Kreativ ablenken

In einer schwierigen Situation kann es manchmal helfen, Kinder geschickt mit etwas Positivem abzulenken. "Wenn Sie Ihr Kind ablenken, indem Sie beispielsweise das Thema wechseln, ein Spiel vorschlagen, den Raum wechseln oder spazieren gehen, wird seine Energie auf etwas Positives gelenkt", sagt Cluver.

Der Zeitpunkt ist hier entscheidend, denn es geht auch darum, zu erkennen, wenn eine Situation eskalieren könnte, und rechtzeitig zu reagieren. Seien Sie aufmerksam: Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind zappelig, gereizt oder verärgert wird, oder wenn zwei Geschwister das gleiche Spielzeug im Blick haben, können Sie angespannte Situationen rechtzeitig auflösen.

Kindererziehung Tipps: Mutter und Kinder spielen gemeinsam auf einem Spielplatz.

Mutter und Kinder spielen gemeinsam auf einem Spielplatz in Odienné, in der Elfenbeinküste.

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Positive Lösungen und Alternativen anbieten

Es gehört zum Aufwachsen zu lernen, dass Handeln Konsequenzen hat. Wenn Grenzen und Regeln klar kommuniziert werden, lernen Kinder, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen.

Wenn Sie Konsequenzen rechtzeitig ankündigen, kann Ihr Kind sein Verhalten noch ändern. Wenn Ihr Kind aufhören soll, die Wände zu bemalen, bitten Sie es zuerst freundlich darum, aufzuhören und machen Sie gleichzeitig deutlich, dass ansonsten eine Konsequenz folgt und seine Spielzeit beendet wird. Dann weiß Ihr Kind, womit es rechnen muss, und hat die Möglichkeit, sein Verhalten zu ändern.

Wenn dies nicht hilft, gilt es, ruhig zu bleiben, auch wenn die Situation Sie in Aufruhr versetzt." Loben Sie sich selbst dafür – denn es ist nicht leicht", so Cluver.

Wenn das Kind dann mit dem Wändebemalen aufhört, können Sie das Kind loben. "Damit schaffen Sie für Ihr Kind einen Kreis positiven Feedbacks. Das ist sehr effektiv, um Kindern beizubringen, welche Konsequenzen ihr Fehlverhalten haben kann", erklärt Cluver. Zugleich lohnt es sich, ruhig zu bleiben, da das Kind durch die positiven Impulse lernt, dass gutes Verhalten mit Aufmerksamkeit und warmen Worten belohnt wird.

Bei einer positiven Erziehung ist es wichtig, konsequent zu bleiben und realistisch zu sein. "Sie können Ihrem Kind im Teenageralter vielleicht für eine Stunde untersagen, das Handy in die Hand zu nehmen. Aber wenn Sie eine Woche ohne Handy ankündigen, lässt sich das nur schwer umsetzen," erklärt Cluver.

Umgang mit jüngeren Kindern

Jede Interaktion mit einem Kind ist Kommunikation – nicht nur über Worte, sondern auch über Tonfall, Blickkontakt, Gestik und Zuwendung. Die Art, wie Sie mit Ihrem Kind sprechen und umgehen, prägt nicht nur seine Kommunikationsfähigkeit, sondern auch sein emotionales Wachstum und seine späteren Beziehungen.

Man unterscheidet verbale und nonverbale Kommunikation. Verbale Kommunikation geschieht über Sprache, Tonfall und verständliche Worte – nonverbale über Mimik, Gestik, Körperhaltung und Berührung.

Neun Tipps helfen, mit Kindern achtsam zu kommunizieren:

  1. Aktiv zuhören: Seien Sie aufmerksam, halten Sie Blickkontakt und stellen Sie interessierte Fragen.
  2. Spiegelnd zuhören: Wiederholen Sie Gesagtes in eigenen Worten, um Verständnis zu zeigen.
  3. Klar sprechen: Nutzen Sie altersgerechte, respektvolle Sprache.
  4. Keine Bestechungen: Setzen Sie auf klare, liebevolle Grenzen statt auf kurzfristige Belohnungen wie etwa Süßigkeiten.
  5. Gefühle benennen: Helfen Sie Ihrem Kind, Emotionen in Worte zu fassen.
  6. Gezielt loben: Teilen Sie konkrete Beobachtungen: „Ich habe gesehen, wie du aufgeräumt hast – gut gemacht!"
  7. Zusammen Spaß haben: Gemeinsame fröhliche Momente stärken die Bindung.
  8. Verhalten, nicht das Kind kritisieren: Benennen Sie das falsche Verhalten, stellen Sie nicht Ihr Kind als Problem dar. Statt: „Ich mag es nicht, dass du unordentlich bist" lieber sagen: „Ich mag es nicht, wenn du deine Kleidung überall auf dem Boden liegen lässt."
  9. Vorbild sein: Kinder lernen durch Beobachtung. Was Ihr Kind bei Ihnen sieht, ist genauso wichtig wie das, was es von Ihnen hört.

Freundlichkeit, Geduld und echte Zuwendung sind dabei die Grundlage jeder guten Kommunikation – damit schaffen Sie Vertrauen, Nähe und Sicherheit.

Gemeinsame Zeit zu zweit macht Spaß – und kostet nichts! Professor Cluver erklärt: "Ahmen Sie einander nach, schlagen Sie Löffel gegen Töpfe oder singen Sie gemeinsam. Es gibt erstaunliche Forschungsergebnisse, die belegen, dass Spielen die Gehirnentwicklung fördert."

Kindererziehung Tipps: Mã Việt Cường (2) und seine Mutter Bàn Thị Say.

Mã Việt Cường (2) und seine Mutter Bàn Thị Say, in der Gemeinde Vĩnh Thông, Vietnam. 

© UNICEF/UNI917740/Vu Le Hoang

Umgang mit älteren Kindern: Mit Jugendlichen kommunizieren

Eine vertrauensvolle Verbindung zu Jugendlichen ist die Grundlage, um ihre mentale Gesundheit und ihr soziales wie emotionales Lernen zu fördern. Zeigen Sie Liebe und Respekt, indem Sie echtes Interesse an den Gedanken und Gefühlen Ihres Kindes zeigen. Das gelingt durch offene und wertschätzende Kommunikation – sie ist entscheidend von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Wenn Sie sich für die Interessen Ihres Kindes interessieren, gemeinsame Erlebnisse teilen und regelmäßig über Meinungen und Gefühle sprechen, stärken Sie das Vertrauen und die Beziehung dauerhaft.

Ebenso wichtig ist aktives Zuhören: Dabei geht es um echtes Verstehen. Durch Blickkontakt, offene Körperhaltung und empathische Reaktionen fühlen sich Jugendliche ernst genommen. Auch wenn Ihre Meinungen auseinandergehen, hören Sie respektvoll und ohne Urteil zu – das stärkt die gegenseitige Achtung. Offene Fragen helfen Ihnen, Gefühle und Hintergründe besser zu verstehen. Gehen Sie auf die Antworten Ihres Teenagers ein und fassen Sie diese zusammen – so zeigen Sie, dass Sie wirklich zuhören. Daraus kann sich ein tiefes und vertrauensvolles Gespräch entwickeln. Teilen Sie auch Dinge über sich, dadurch können Sie Gemeinsamkeiten finden.

Eltern sollten zudem die Emotionen ihrer Teenager anerkennen und ihnen zeigen, dass ihre Gefühle wichtig sind. Nicht immer fällt es leicht, über Sorgen zu sprechen, besonders in der Jugend; daher ist Geduld wichtig – Dasein und Zuhören. Sie können Ihr Verständnis in Worte fassen: „Es tut mir leid, dass du dich gestresst fühlst. An deiner Stelle würde ich mich auch so fühlen. Lass uns gemeinsam schauen, ob wir irgendetwas tun können, um dir zu helfen.“

Wie auch mit jüngeren Kindern sollte Kommunikation auch Freude machen: Gemeinsames Lachen und das Teilen schöner Momente festigen das Band zwischen Ihnen und Ihrem Teenager und schaffen Vertrauen, das in schwierigen Zeiten trägt.

Jugendliche befinden sich in einer besonderen Phase der Entwicklung. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist wichtig. Teenager stärken ihr Selbstwertgefühl, wenn sie sich sinnvoll einbringen können – in der Familie oder der Gemeinschaft. Das können kleine Aufgaben im Haushalt sein, bei denen Ihr Kind unterstützt und sich wertvoll und gebraucht fühlt.

Zudem stärken Aktivitäten, bei denen Teenager Spaß haben und sich kompetent fühlen, zusätzlich ihr Selbstvertrauen. Oft können das Sportarten, kreative Aktivitäten oder Musikinstrumente sein, die bereits von klein auf ein Teil des Lebens waren, oder ein neuer Sport, der Spaß macht und Ausgleich ermöglicht. Wenn Frust aufkommt, helfen Sie mit der Erinnerung: Erfolg braucht Zeit und Übung – Dranbleiben lohnt sich, aber ohne Druck.

Helfen Sie Ihrem Kind, Probleme selbst zu lösen, lösen Sie diese aber nicht für das Kind. Ob eine knifflige Matheaufgabe, ein Problem in der Freundschaft oder ein Missverständnis mit einem Erwachsenen – unterstützen Sie sie, indem Sie Fragen stellen wie: „Was könntest du deiner Meinung nach versuchen?" oder „Was hast du bisher schon einmal gemacht?"

Dadurch vermitteln Sie dem Teenager, dass Sie daran glauben, dass er die Herausforderungen des Lebens meistern kann, und erinnern ihn daran, dass er seine eigene Kreativität nutzen kann, um Lösungen zu finden. Ein weiterer wichtiger Aspekt, damit Teenager gesund und glücklich aufwachsen, sind auch ausreichend Schlaf, gesundes Essen und Bewegung. Sie können hier als Vorbild dienen und Ihr Kind von klein auf so daran erinnern.

Kindererziehung Tipps: Liza (16) und ihre Mutter.

Die 16-jährige Liza aus Zlatopil in der Region Charkiw schöpft Kraft und Selbstwert aus ihrer Familie und ihrer Kreativität. Inspiriert vom Engagement ihrer Eltern, die seit Kriegsbeginn anderen helfen, lernte sie, wie wichtig Zusammenhalt und Mitgefühl sind. Das Basteln traditioneller Motanka-Puppen wurde für sie zu einer Möglichkeit, Stress zu bewältigen und ihre Stärke auszudrücken.

© UNICEF/UNI940326/Filippov

Genauso wie jüngere Kinder sehnen sich Teenager nach Anerkennung und Lob. Auch für sie ist die gemeinsame Zeit zu zweit wichtig. Professor Cluver erklärt: "Viele haben Spaß daran, gemeinsam zu tanzen oder sich mit ihren Eltern über ihre Lieblingssängerin auszutauschen, auch wenn sie es nicht zeigen. Solche Momente tragen zu einer positiven Beziehung bei, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert."

Wenn es um Grenzen geht, können Sie Regeln gemeinsam festlegen. Cluver schlägt vor: "Setzen Sie sich zusammen und definieren Sie, was geht und was nicht geht. So fühlen sich Ihre Kinder respektiert und spüren Ihr Verständnis dafür, dass Kinder sich zu unabhängigen Menschen entwickeln möchten."

Umgang mit Wut- und Trotzphasen

Momente von Wut und Trotz sind ein normaler Teil der kindlichen Entwicklung. In dieser Zeit lernen Kinder, ihre Gefühle auszudrücken und eigene Entscheidungen zu treffen – stoßen dabei aber oft an Grenzen. Für Eltern und Betreuungspersonen ist es wichtig, mit Geduld und Verständnis zu reagieren, klare Strukturen zu bieten und dem Kind zu helfen, mit starken Gefühlen umzugehen.

Ein Wutanfall ist ein emotionaler Ausbruch, der entsteht, wenn ein Kind frustriert ist, weil es seine Gefühle noch nicht richtig ausdrücken oder seine Wut selbst kontrollieren kann – zum Beispiel, wenn es etwas nicht darf oder nicht bekommt. Solche Ausbrüche sind normal und treten nicht selten einmal am Tag auf. Wenn Wutanfälle allerdings häufiger vorkommen, den Alltag stark beeinträchtigen oder dem Kind schaden, sollten Sie fachlichen Rat einholen. Ein Wutanfall umfasst typischerweise: Schreien, Weinen, Quengeln, sich auf den Boden werfen, Treten, Rollen, weiteres Quengeln und allmähliches Beruhigen.

Oft hilft es, zu Beginn sicherzustellen, dass alle Bedürfnisse Ihres Kindes gedeckt sind (Hunger, Durst, sich sicher und wohl fühlen). Dadurch können Sie oftmals direkt das Symptom für einen Wutausbruch beheben.

Wichtige Grundsätze: Lassen Sie aufmerksamkeitssuchendes Verhalten unbeachtet. Wenn der Wutanfall abklingt, ist es wichtig, Ihr Kind zu trösten und weiter zu beruhigen. Dennoch sollten Sie möglichst früh eingreifen – durch Ablenkung oder Verhandlung.

Nach einem Wutanfall ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, um gemeinsam herauszufinden, was das Problem war – etwa durch Fragen wie: „Warum hast du dich so gefühlt?" oder „Was war los?". So lernt Ihr Kind, seine Gefühle zu benennen und besser mitzuteilen.

Verhalten bei Streit und Verhindern von Streit

Auch wenn sich Streit manchmal nicht verhindern lässt, ist es hilfreich, ihm möglichst vorzubeugen – durch einfühlsame und klare Maßnahmen im Alltag. Mit Aufmerksamkeit, Struktur und Verständnis können Sie wesentlich dazu beitragen, dass Ihr Kind lernt, seine Gefühle besser zu verstehen und zu regulieren. Dadurch wird das Streit- und Konfliktpotenzial verringert.

Dabei hilft es, wenn Sie positives Verhalten wahrnehmen und loben sowie Ihrem Kind kleine Wahlmöglichkeiten zu geben – etwa die Entscheidung zwischen einem Apfel oder einer Banane, wenn ohnehin Obst gegessen werden soll.

Ablenkung und Verhandlung können dazu beitragen, Konflikte zu entschärfen. Ein überlegtes „Nein“ ist dann sinnvoll, wenn der Wunsch Ihres Kindes tatsächlich nicht erfüllbar ist, und kann oft durch eine Erklärung unterfüttert werden. Wichtig ist auch, die Bedürfnisse Ihres Kindes zu kennen: Wenn Ihr Kind müde, hungrig oder gereizt ist, sollten Sie stressige Situationen möglichst vermeiden.

Klare Absprachen über Regeln und Erwartungen schaffen Sicherheit und Orientierung. Eine positive, ruhige Atmosphäre zu Hause unterstützt Ihr Kind zusätzlich dabei, sich sicher und verstanden zu fühlen. Und schließlich gilt: Nur wer selbst ausgeglichen ist, kann Gelassenheit weitergeben – Ihr Wohlbefinden ist daher ein zentraler Bestandteil einer harmonischen Familie.

Richtig reagieren, wenn Kinder nicht zuhören, und selbst zuhören

Wie zuvor gilt: Am besten ist es, Situationen und Beziehungen zu schaffen, in denen Respekt und Vertrauen so gestärkt sind, dass gegenseitiges Zuhören selbstverständlich wird. Dennoch lässt sich das nicht immer vermeiden – selbst in der engsten Beziehung kann es vorkommen, dass ein Kind oder ein Teenager einmal nicht zuhören möchte.

Bereits im Kontext mit jüngeren Kindern ist es wichtig zu verstehen, dass jede Begegnung mit einem Kind immer Kommunikation ist – über Worte, Tonfall, Blicke, Gesten und Berührungen. Dadurch lernen Kinder, Beziehungen zu gestalten und Gefühle auszudrücken.

Wichtig ist, aufmerksam und empathisch zuzuhören. Durch Blickkontakt, liebevolle Gesten, offene Fragen und das Aufgreifen des Gesagten zeigen Sie Interesse und Verständnis. Auch wenn das Kind einmal nicht zuhört, sprechen Sie klar und freundlich und vermeiden Sie abwertende oder verletzende Worte. Seien Sie ein gutes Vorbild – halten Sie Ihre Versprechen und begegnen Sie Ihrem Kind stets mit Respekt und Geduld. Eine gute Kommunikation von klein auf stärkt die Beziehung bis in die Jugend.

Die emotionale Intelligenz Ihres Kindes zu fördern, bedeutet, dass es lernt, seine Gefühle zu erkennen und zu benennen. Versuchen Sie nicht nur zuzuhören, wenn Ihr Kind etwas erzählt, sondern auch die Situation aus seiner Perspektive zu sehen. Wenn Ihr Kind seine Emotionen durch einen Wutanfall oder durch Lachen und Freude beim Spielen ausdrückt, können Worte helfen, Emotionen zu verstehen, wie zum Beispiel glücklich, traurig, entspannt, verletzt, ängstlich, hungrig, stolz, müde, wütend, hilflos, genervt, verlegen oder freudig.

Auch im Umgang mit Jugendlichen sollten Sie respektvoll und empathisch kommunizieren, dabei ist aufmerksames Zuhören wichtig. Aufrichtiges Interesse an den Themen des Teenagers – und das Teilen eigener Interessen – kann helfen, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Fragen Sie nach der Meinung und den Gefühlen des Kindes oder Jugendlichen, um besser zu verstehen, was ihn*sie bewegt.

Auch bei unterschiedlichen Meinungen sollten Sie aufmerksam und empathisch zuhören. Stellen Sie offene, klärende Fragen und wiederholen Sie Gesagtes für Ihr eigenes Verständnis und um zu zeigen, dass Sie zuhören. Zudem können die Gefühle des Kindes beziehungsweise des Jugendlichen bestätigt werden: „Ich verstehe, dass du dich so fühlst.“ Zugleich sollten Sie Raum lassen, wenn der Teenager noch nicht sprechen möchte. Hilfreich ist zudem, wenn Sie nicht nur über Probleme kommunizieren – teilen Sie auch schöne Erlebnisse und lachen Sie gemeinsam, um Ihre Beziehung zu stärken und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen.

Selbstfürsorge fördert die Fürsorge

Eltern, die gut auf sich selbst achten, können auch liebevoller und gelassener auf ihre Kinder eingehen. Selbstfürsorge stärkt nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern auch die Fürsorge für die ganze Familie. Die nachfolgenden Tipps von Professor Cluver können Ihnen helfen, im Alltagsstress einen kühlen Kopf zu bewahren:

Innehalten: Alle Eltern wissen, wie stressig es sich anfühlt, wenn Kinder sich "schwierig" benehmen. Halten Sie inne und drücken Sie den "Pausenknopf". Atmen Sie langsam fünf Mal tief durch, und Sie werden merken, dass Sie ruhiger und bewusster mit der Situation umgehen können. "Eine kurze Pause kann sehr hilfreich sein, das betonen Eltern immer wieder", rät Cluver.

Einen Schritt zurücktreten: Viele Eltern vergessen es, auf sich selbst zu achten. "Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst, beispielsweise wenn die Kinder im Bett sind, und machen Sie etwas, das Ihnen guttut und Sie beruhigt. Es ist schwierig, alles richtig zu machen, wenn man sich keine Pause nimmt", sagt Cluver.

Sich auf die Schulter klopfen: "Man vergisst schnell, wie viel Großartiges man als Elternteil jeden Tag leistet, und dafür sollte man sich selbst loben. Nehmen Sie sich jeden Tag, beispielsweise beim Zähneputzen, einen Moment Zeit und fragen Sie sich: 'Was habe ich heute mit meinen Kindern besonders gut gemacht?' Und seien Sie sich bewusst, dass Sie immer etwas Großartiges geleistet haben", rät Cluver. Und sagt: "Auch in schwierigen Situationen sind Sie nicht allein. Millionen Eltern überall auf der Welt versuchen jeden Tag, ihr Bestes zu geben, und nicht immer schaffen wir es. Und dann versuchen wir es nochmal. Gemeinsam kommen wir da durch!"

Kindererziehung Tipps: Tetiana und ihre Kinder.

Tetiana und ihre Kinder sitzen gemeinsam zu Hause auf dem Sofa in Kharkiv.

© UNICEF/UNI971567/Samoylov

** Dieser Artikel wurde erstmals im Mai 2022 von Christine Kahmann publiziert und im Nachgang von Lilian Sekkai überarbeitet.

Autor*in Lilian Sekkai

Lilian Sekkai arbeitet im Presseteam und schreibt über UNICEF-Themen und Kinder weltweit.