Pressemitteilung

Sudan: UNICEF warnt vor dramatischer Zuspitzung der Lage für Kinder in Al Obeid

Eskalierende Gewalt in Nord-Kordofan bringt Hunderttausende Menschen in Gefahr

Kinder, die durch die Kämpfe in Al Obeid vertrieben wurden, suchen Zuflucht.

Kinder, die durch die Kämpfe in Al Obeid vertrieben wurden, suchen Zuflucht in einer Notunterkunft für Binnenvertriebene in Tagat. 

© UNICEF/UN0876231/

UNICEF warnt vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage für Kinder im Sudan. Besonders in und um Al Obeid im Bundesstaat Nord-Kordofan eskaliert die Gewalt. Nach Einschätzung von UNICEF sind dort rund 500.000 Menschen in Gefahr. Kinder sind in besonderem Maße in Gefahr, getötet, verletzt, vertrieben oder Opfer weiterer schwerer Kinderrechtsverletzungen zu werden.

„In Al Obeid entwickelt sich eine entsetzliche Katastrophe für Kinder und Familien. Drohnenangriffe und anhaltender Beschuss haben die Infrastruktur zerstört und Versorgungswege unterbrochen. Die dramatischen Ereignisse von Al-Fashir dürfen sich hier nicht wiederholen. Humanitäre Hilfe muss uneingeschränkt Kinder in Not erreichen können. Kinder brauchen jetzt Schutz und vor allem ein Ende der Gewalt“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Al Obeid ist nicht nur eine strategisch wichtige Stadt, in der viele Binnenvertriebene aus West- und Süd-Kordofan Zuflucht gesucht haben, sondern auch ein zentraler Knotenpunkt für humanitäre Hilfe. Wiederholte Drohnenangriffe und Beschuss haben in den vergangenen Wochen zivile Infrastruktur beschädigt, Versorgungswege unterbrochen und die lebenswichtige Grundversorgung weiter beeinträchtigt. Sollte sich die Sicherheitslage weiter verschlechtern, könnte dies den humanitären Zugang in andere Teile Süd-Kordofans erheblich erschweren.

Seit mehr als drei Jahren dauert der Krieg im Sudan an. Schätzungsweise 3,5 Millionen Menschen sind in Nachbarländer geflohen, rund 6,5 Millionen weitere wurden innerhalb des Landes vertrieben. Besonders Kinder leiden unter den Folgen des Konflikts – durch Gewalt, Vertreibung, Hunger, Krankheiten und den Zusammenbruch grundlegender Versorgungssysteme.

Seit Beginn des Konflikts haben die Vereinten Nationen im Sudan mehr als 5.700 schwere Verletzungen der Kinderrechte verifiziert. Mehr als 5.000 Kinder wurden getötet oder verstümmelt. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres standen fast 80 Prozent der gemeldeten Opfer unter Kindern im Zusammenhang mit Drohnenangriffen.

„Kinder im Sudan wachsen in Gewalt, Unsicherheit und kaum vorstellbarer Not auf. Viele wurden mehrfach vertrieben und mussten Schreckliches erleben. Sie leiden nicht nur unter dem Krieg selbst, sondern auch unter dem Zusammenbruch der Versorgungssysteme, die sie zum Überleben brauchen“, so Schneider. „Deutschland sollte seinen starken Einsatz für die Menschen im Sudan fortsetzen und sich mit Mitteln der humanitären Diplomatie für einen uneingeschränkten Zugang für humanitäre Hilfe und den Schutz von Kindern einsetzen.“

UNICEF-Teams sind weiterhin unermüdlich im Einsatz, um Kinder mit lebenswichtiger Hilfe zu erreichen. Gemeinsam mit seinen Partnern konnte UNICEF 2025 unter anderem 3,5 Millionen Kinder mit Schutz-, Bildungs- und psychosozialen Angeboten unterstützen. Zudem erhielten mehr als 15 Millionen Menschen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und über 600.000 Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung wurden behandelt.

UNICEF fordert alle Konfliktparteien und die internationale Gemeinschaft auf, dringend zu handeln: Die Gewalt in und um Al Obeid muss eingedämmt, Kinder und zivile Infrastruktur müssen geschützt werden und humanitäre Hilfe muss schnell, sicher und ungehindert zu den betroffenen Familien gelangen.

Service für die Redaktionen

» Gerne vermitteln wir Interviews mit den UNICEF-Teams vor Ort.

» Bild- und Videomaterialien einschließlich B-Roll stehen hier zur Verfügung.

UNICEF ruft dringend zu Spenden für Kinder im Sudan auf: unicef.de/sudan

Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren

Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.

Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.

Christine Kahmann
Sprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen