Pressemitteilung

Sudan: Risiko einer Hungersnot bleibt bestehen

Rund 19,5 Millionen Menschen im Sudan von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen 

Konflikt, Vertreibung und eingeschränkter humanitärer Zugang bringen mehr als 825.000 Kinder durch schwere Mangelernährung in Lebensgefahr 

FAO, WFP und UNICEF warnten heute, dass laut der jüngsten Analyse der Integrierten Klassifikation zur Ernährungssicherheitslage (IPC) rund 19,5 Millionen Menschen im Sudan – also zwei von fünf Menschen im Land – von akuter Ernährungsunsicherheit auf Krisenniveau (IPC-Phase 3 oder höher) betroffen sind.

Auch wenn in der jüngsten IPC-Analyse derzeit keine Gebiete mit einer Hungersnot (IPC-Phase 5) ausgewiesen werden, bleibt die Lage äußerst besorgniserregend. Die Analyse zeigt, dass fast 135.000 Menschen in 14 besonders betroffenen Gebieten in Darfur, Süd-Darfur und Süd-Kordofan von katastrophaler Ernährungsunsicherheit (IPC-Phase 5) betroffen sind; in den kommenden Monaten droht dort eine Hungersnot. Mehr als fünf Millionen Menschen werden der IPC-Phase 4 (Notlage) zugeordnet, weitere 14 Millionen der IPC-Phase 3 (Krise). Während der Zeit zwischen den Ernten von Juni bis September dürfte sich die Lage weiter verschärfen.

Zu Beginn des vierten Jahres des Bürgerkriegs hält die Hungerkrise im Sudan unvermindert an. Gewalt, Vertreibung und massive Einschränkungen des humanitären Zugangs verschärfen die Lage für Kinder, Familien und Gemeinden im ganzen Land.

Sudan steht zudem vor einer schweren Ernährungskrise. Schätzungen zufolge werden 2026 rund 825.000 Kinder unter fünf Jahren an schwerer akuter Mangelernährung leiden – ein Anstieg um sieben Prozent gegenüber 2025 und um 25 Prozent im Vergleich zum Vorkriegsniveau der Jahre 2021 bis 2023. Allein zwischen Januar und März dieses Jahres mussten fast 100.000 Kinder wegen schwerer akuter Mangelernährung behandelt werden. Ohne rechtzeitige Behandlung kann diese lebensbedrohlich und tödlich verlaufen.

In Um Baru und Kernoi wurden im Dezember 2025 kritische Werte der Mangelernährung festgestellt. Es ist davon auszugehen, dass die akute Mangelernährung dort auf extrem hohem Niveau bleibt. Auch in weiteren Gebieten droht eine Verschärfung, insbesondere in belagerten Regionen und in Gemeinden, die viele Vertriebene aufnehmen.

Ende März 2026 waren innerhalb des Sudan fast neun Millionen Menschen vertrieben. Viele Familien leben weiterhin in aktiven Konfliktgebieten oder haben in abgelegenen Regionen Zuflucht gesucht, wo sie kaum oder gar keinen Zugang zu humanitärer Hilfe und grundlegender Versorgung haben.

Die Zerstörung ziviler Infrastruktur – darunter Märkte, Gesundheitseinrichtungen, Wassersysteme und landwirtschaftliche Produktionsmittel – schränkt die Nahrungsmittelproduktion und den Zugang zu lebenswichtiger Grundversorgung erheblich ein. Rund 40 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nicht funktionsfähig. Schätzungsweise 17 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und 24 Millionen Menschen fehlt es an angemessenen sanitären Einrichtungen.

Wiederholte Ausbrüche von Cholera, Masern, Malaria, Dengue, Hepatitis, Diphtherie und Durchfallerkrankungen verschärfen die Ernährungskrise zusätzlich – insbesondere für kleine Kinder sowie schwangere und stillende Frauen.

Die Einschränkungen beim humanitären Zugang gehören weiterhin zu den schwerwiegendsten weltweit. Unsicherheit, bürokratische Hürden, Angriffe entlang von Versorgungsrouten, die Zerstörung von Märkten und Produktionsmitteln sowie Beschränkungen der Bewegungsfreiheit von Menschen und Gütern verhindern weiterhin, dass humanitäre Organisationen Hilfe in dem erforderlichen Umfang leisten können.

Bis April 2026 waren nur 20 Prozent des Humanitarian Needs and Response Plan für den Sudan finanziert. Gemessen am enormen Bedarf bleibt die humanitäre Hilfe damit bei Weitem unzureichend. Zwischen Februar und Mai hatte die humanitäre Gemeinschaft vor, monatlich 4,8 Millionen Menschen zu erreichen. Jedoch konnten im Februar lediglich rund 3,13 Millionen Menschen mit Hilfe erreicht werden.

FAO, WFP und UNICEF rufen zu einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen, zum Schutz der Zivilbevölkerung und der zivilen Infrastruktur durch die Konfliktparteien sowie zu einem sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugang in allen vom Konflikt betroffenen Gebieten auf. Zugleich appellieren die Organisationen an die internationale Gemeinschaft, die Finanzierung für Nahrungsmittelhilfe, landwirtschaftliche Nothilfe, Ernährungsprogramme, Gesundheitsversorgung sowie Wasser-, Sanitär- und Hygienedienste dringend aufzustocken und Maßnahmen zur Wiederherstellung von Lebensgrundlagen zu unterstützen.

„Im gesamten Sudan sind Kinder in einem Kreislauf aus anhaltender Gewalt, Hunger und Krankheiten gefangen“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Viele Familien wurden mehrfach vertrieben. Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung erreichen völlig überlastete Einrichtungen häufig so geschwächt, dass sie nicht einmal mehr weinen können. Ohne sofortiges Handeln und einen verlässlichen humanitären Zugang werden noch mehr Kinder sterben.“

„Um weiteres Sterben und Hunger zu verhindern, müssen wir die landwirtschaftliche Nothilfe dringend ausweiten und die lokale Nahrungsmittelproduktion stärken“, sagte FAO-Generaldirektor QU Dongyu. „Besonders gefährdete Familien mit Saatgut, Werkzeugen und anderen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln zu unterstützen, ist eine der schnellsten und wirksamsten Möglichkeiten, den Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln wiederherzustellen und die Abhängigkeit von Hilfslieferungen zu verringern. Der humanitäre Zugang und die Finanzierung dieser lebensrettenden landwirtschaftlichen Maßnahmen müssen sofort und in großem Umfang verbessert werden.“

„Die Menschen im Sudan sind weiterhin von einer Hungersnot bedroht, während Hunger und Mangelernährung schon jetzt Millionen Menschenleben gefährden“, sagte WFP-Exekutivdirektorin Cindy McCain. „WFP leistet vor Ort Hilfe und ist bereit, diese Hilfe auszuweiten. Doch humanitäre Organisationen können diese Krise nicht allein bewältigen. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln – mit zusätzlicher Finanzierung, verbessertem humanitärem Zugang und dem politischen Willen, zu verhindern, dass diese Krise zu einer noch größeren Tragödie wird.“

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Christine Kahmann
Sprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen