Meilenstein für besseren Kinderschutz online
UNICEF Deutschland zu den Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“
Köln / Berlin •

Jugendliche am Smartphone.
© UNICEF/UNI818421/Sachse-GrimmUNICEF Deutschland begrüßt die Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“, die heute an Bundesfamilienministerin Karin Prien übergeben wurden, als wichtigen Schritt und spricht sich für eine schnelle Umsetzung aus.
„Der heutige Tag ist ein Meilenstein auf dem Weg für besseren Kinderschutz in der digitalen Welt. Es ist richtig, dass die Kommission nicht auf einfache oder eindimensionale Lösungen wie ausschließlich pauschale Social-Media-Verbote setzt, sondern sehr differenziert sowohl auf die Chancen als auch die Risiken der digitalen Welt für Kinder und Jugendliche blickt. Kinder und Jugendliche wachsen in einer digitalen Welt auf, die Chancen bietet – für Bildung, Kreativität und soziale Teilhabe. Gleichzeitig sind sie in Räumen unterwegs, die nicht auf ihre Sicherheit ausgelegt und Risiken für den Kinderschutz bergen. Hier müssen wir umfassend ansetzen“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.
UNICEF Deutschland empfiehlt, Altersbeschränkungen als Teil eines umfassenden Schutzkonzepts zu verstehen und möglichst innerhalb der Europäischen Union abzustimmen. Sie müssen verhältnismäßig sein, dürfen Kinder nicht von Bildungs- oder Hilfsangeboten ausschließen und sollten durch weitere technische Schutzmechanismen ergänzt werden.
Dass Verbote allein kein Allheilmittel sind und auch unbeabsichtigte Folgen mit sich bringen können, zeigen auch die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von UNICEF Deutschland unter rund 1.000 Jugendlichen vom Mai 2026: 88 Prozent der befragten 14- bis 16-Jährigen finden es sehr wahrscheinlich oder eher wahrscheinlich, dass Jugendliche Wege finden würden, gesetzliche Altersgrenzen zu umgehen – etwa über geteilte Geräte oder den Wechsel zu weniger regulierten Plattformen. Nahezu niemand glaubt, dass eine Altersgrenze allein Jugendliche zuverlässig vom Zugang abhalten würde. Mit Blick auf unter 14-Jährige zeigten sich die befragten Jugendlichen offen für eine Altersgrenze.
Jugendliche, dies hat die Umfrage gezeigt, haben klare Vorstellungen davon, was helfen würde, den digitalen Raum sicherer zu gestalten.
„Ich finde, es braucht mehr Kontrolle, damit junge Menschen besser vor den Risiken in sozialen Medien geschützt werden. Große Konzerne müssen stärker in die Verantwortung genommen werden und dürfen nicht erst handeln, wenn schon etwas passiert ist. Es braucht bessere Aufklärung und sichere Grundeinstellungen, die uns von Anfang an schützen. Ehrlich gesagt wünsche ich mir rückblickend, dass ich Instagram und TikTok erst später gehabt hätte, weil ich heute sehe, wie sehr sie einen beeinflussen können, sagt die 18-jährige Yana aus dem UNICEF Juniorbeirat."
Positiv bewertet UNICEF Deutschland auch die Empfehlung der Unabhängigen Expertenkommission zur Medienkompetenz. Kinder, Jugendliche und ihre Bezugspersonen müssen in der Medienbildung unterstützt werden, aber die Verantwortung für die Sicherheit tragen vor allem auch die Anbieter. Daher begrüßt UNICEF Deutschland die konkreten Vorschläge der Kommission, Digitalunternehmen in die Pflicht zu nehmen.
Service für Redaktionen
In Deutschland setzt sich UNICEF Deutschland auf politischer Ebene für sichere digitale Umgebungen für alle Kinder ein. Im Februar 2026 hat UNICEF Deutschland eine ausführliche Stellungnahme an die von der Bundesregierung eingesetzte „Unabhängige Expertenkommission Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" übermittelt. Die Position von UNICEF Deutschland zum digitalen Kinderschutz finden Sie kompakt zusammengefasst im Policy Paper „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“.
Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren
Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.
Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.