Über 100 Millionen Impfungen für Kinder – weltweit größte Aufholaktion schließt Impflücken
UNICEF, WHO und Gavi ziehen erste Bilanz ihrer Impfinitiative „The Big Catch-Up“ / Start der internationalen Weltimpfwoche
Genf/New York/Köln •

Davina (4) aus Kisangani in der Demokratischen Republik Kongo zeigt stolz ihre markierten Finger, die zeigen, dass sie gegen Polio geimpft wurde.
© UNICEF/UNI855279/Ndomba Mbikayi- Die Nachholimpfaktion „The Big Catch-Up“ wurde während der Weltimpfwoche 2023 gestartet. Sie hat über 100 Millionen Impfdosen an schätzungsweise 18,3 Millionen Kinder in 36 Ländern geliefert.
- Rund 12,3 Millionen dieser Kinder wurden zuvor nie geimpft, 15 Millionen von ihnen nie gegen Masern.
- „The Big Catch-Up“ wurde im März 2026 abgeschlossen und wird derzeit ausgewertet. Die Initiative liegt auf Kurs, ihr Ziel zu erreichen, 21 Millionen Kinder nachzuimpfen. Dennoch warnen UNICEF, WHO und Gavi: Noch immer verpassen jedes Jahr Millionen Säuglinge lebensrettende Routineimpfungen.
Die länderübergreifende, mehrjährige Impfinitiative ”The Big Catch-Up“ ist historisch. Sie wurde ins Leben gerufen, um Impfrückgänge zu bekämpfen, die vor allem durch die COVID-19-Pandemie verursacht wurden. Zwischen 2023 und 2025 erreichte das Programm schätzungsweise 18,3 Millionen Kinder im Alter von einem bis fünf Jahren in 36 Ländern mit mehr als 100 Millionen Dosen lebensrettender Impfstoffe. Dadurch konnten kritische Immunitätslücken verkleinert werden, erklärten Gavi, die Impfallianz, WHO und UNICEF zum Start der Weltimpfwoche.
Von den 18,3 Millionen Kindern hatten schätzungsweise 12,3 Millionen bis dahin noch keine einzige Impfung erhalten. 15 Millionen hatten noch keine Masernimpfung erhalten. Zudem stellte die Initiative 23 Millionen Dosen Polio-Impfstoff für ungeimpfte oder nicht ausreichend geimpfte Kinder bereit – eine entscheidende Maßnahme auf dem Weg zur Ausrottung von Polio. Die Umsetzung des Programms endete am 31. März 2026. Die endgültigen Daten werden noch ausgewertet. Die Prognosen zeigen aber, dass die globale Initiative auf Kurs ist, ihr Ziel zu erreichen, mindestens 21 Millionen ungeimpfte und nicht ausreichend geimpfte Kinder zu impfen.
Nachholkampagnen sind wichtig – doch kein Ersatz für Routineimpfungen
Die Organisationen warnen jedoch: Nachholimpfungen sind zwar eine wichtige Strategie, um Impflücken zu schließen. Um Kinder zu schützen und Krankheitsausbrüche zu verhindern, ist es jedoch am wirksamsten und nachhaltigsten, Routineimpfprogramme auszuweiten.
„Impfungen retten Leben“, sagt Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Diese Initiative zeigt, was möglich ist, wenn Länder die Ressourcen, Werkzeuge und den politischen Willen haben, Kinder mit lebensrettenden Impfstoffen zu erreichen. Wir haben einen Teil der Kinder nachgeimpft, die während der Pandemie Routineimpfungen verpasst haben – doch viele weitere bleiben außer Reichweite. Die Fortschritte, die durch 'The Big Catch-Up' erzielt wurden, müssen durch Investitionen in starke, zuverlässige Impfsysteme aufrechterhalten werden, besonders in einer Zeit, in der Masern wieder zunehmen.“
Impfgerechtigkeitslücken schließen - über die Pandemie-Erholung hinaus
Über das Aufholen nach der Pandemie hinaus konzentrierte sich die Initiative darauf, die Lücke bei der Impfgerechtigkeit zu schließen. Millionen Kinder weltweit verpassen jedes Jahr die notwendigen Impfungen, die sie vor ihrem ersten Geburtstag erhalten sollten. Die meisten von ihnen leben in fragilen, konfliktreichen Kontexten oder unterversorgten Gemeinden. Sie werden häufig auch nicht nachgeimpft, wenn sie älter sind.
36 Länder in Afrika und Asien nahmen an der Initiative teil. In ihnen leben derzeit 60 Prozent aller Ungeimpften weltweit. Pandemiebedingte Unterbrechungen der Impfprogramme haben die Lage verschärft. Dadurch kamen in diesen Ländern Millionen weiterer ungeimpfter Kinder zu denjenigen hinzu, die ohnehin schon dauerhaft keine Impfungen erhielten.
Erstmals wurden systematisch ältere Kinder erreicht
Um dieses Problem anzugehen, konzentrierte sich “The Big Catch-Up" nicht nur auf Säuglingsimpfungen. Erstmals wurden Routineimpfsysteme systematisch genutzt, um die weltweit angewachsene Kohorte älterer Kinder im Alter von einem bis fünf Jahren zu erreichen. Diese Kinder hätten wichtige Routineimpfungen vor dem ersten Lebensjahr erhalten sollen. Da sie diese verpasst hatten, waren sie weiterhin gefährdet.
Die Initiative stieß nachhaltige Systeme an, um die älteren Kinder zu identifizieren, zu überprüfen, zu impfen und die Impfraten zu überwachen. Auch Regelungen zur Altersberechtigung wurden angepasst. Die Länder schulten Gesundheitspersonal darin, versäumte Impfungen im Rahmen der Routineversorgung zu identifizieren, zu überprüfen und nachzuimpfen. Um Nachholimpfungen zu unterstützen, arbeiteten sie mit Gemeinden und der Zivilgesellschaft zusammen.
„'The Big Catch-Up' hat geholfen, eine der großen negativen Folgen der COVID-19-Pandemie rückgängig zu machen, indem Kinder geschützt werden, die wegen Unterbrechungen der Gesundheitsdienste durch die Pandemie Impfungen verpasst haben“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation. „Der Erfolg von 'The Big Catch-Up' zeigt, was Gesundheitskräfte und nationale Impfprogramme leisten, die nun besser in der Lage sind, Kinder zu finden und zu impfen, die durch routinemäßige Dienste übersehen wurden.“
Durch die Ausweitung der Impfreichweite auf Millionen zuvor nicht erreichte Kinder und ihre Gemeinden sowie durch Investitionen in systemische Verbesserungen hat die Initiative es den Ländern erleichtert, diese Bevölkerungsgruppen und andere in ähnlicher Lage auch weiterhin mit wichtigen Gesundheits- und Impfleistungen zu erreichen.
Deutliche Fortschritte in vielen Ländern
Zwölf der teilnehmenden Länder (Burkina Faso, Demokratische Volksrepublik Korea, Äthiopien, Kenia, Madagaskar, Mauretanien, Niger, Pakistan, Somalia, Togo, Vereinigte Republik Tansania und Sambia) berichteten, dass sie mehr als 60 Prozent der Kinder unter fünf Jahren erreicht haben, die noch nicht gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten geimpft waren. In Äthiopien erhielten mehr als 2,5 Millionen zuvor ungeimpfte Kinder diese Grundimmunisierung. Neben anderen wichtigen Impfstoffen verabreichte das Land un- und nicht ausreichend geimpften Kindern zudem fast fünf Millionen Dosen Polio- und mehr als vier Millionen Dosen Masernimpfstoff. Auch Länder außerhalb dieser Gruppe erreichten viele Kinder: In Nigeria wurden beispielsweise zwei Millionen zuvor ungeimpfte Kinder gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten geimpft und 3,4 Millionen gegen Polio. Auch hier wurden zudem Millionen anderer Impfstoffe verabreicht.
"Als bislang größte internationale Initiative, um verpasste Kinder mit lebensrettenden Impfstoffen zu erreichen, zeigt 'The Big Catch-Up', was möglich ist, wenn Regierungen, Partner und Gemeinschaften zusammenarbeiten, um die Verwundbarsten in der Gesellschaft zu schützen", sagte Dr. Sania Nishtar, Geschäftsführerin von Gavi, der Impfallianz. "Dank dieser Leistung sind jetzt nicht nur Millionen Kinder vor vermeidbaren Krankheiten geschützt, sondern auch künftige Generationen in ihren Gemeinschaften."
Während die 36 teilnehmenden Länder über “The Big Catch-Up” finanzielle Unterstützung von Gavi und technische Hilfe von WHO und UNICEF erhielten, setzten im gleichen Zeitraum auch viele andere Länder Maßnahmen um, um Nachholimpfungen von Kindern zu beschleunigen und Impfangebote nach pandemiebedingten Rückschritten wieder aufzubauen.
Blick nach vorn: Herausforderungen bleiben groß
Mit “The Big Catch-Up" ist es Ländern und globalen Partnern erstmals gelungen, 12,3 Millionen "ältere" ungeimpfte Kinder im Alter von einem bis fünf Jahren zu erreichen. Doch weltweit erhielten im Jahr 2024 schätzungsweise 14,3 Millionen Säuglinge unter einem Jahr keine einzige Impfung über die regulären Impfprogramme. Auch wenn “The Big Catch-Up" zeigt, dass Fortschritte mit Führung, gezielten Investitionen und Unterstützung möglich sind – um diese jährliche Zahl der ungeimpften Säuglinge zu senken, müssen Gesundheitssysteme aufgebaut werden, die die am schwersten erreichbaren Gemeinschaften verlässlich versorgen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund steigender Geburtenzahlen, wachsender Konflikte und Vertreibungen, Mittelkürzungen und überlasteter Gesundheitssysteme von Bedeutung.
Die Folgen chronischer Lücken in der Routineimmunisierung sind deutlich sichtbar: zum Beispiel nehmen Masernausbrüche weltweit zu. Im Jahr 2024 gab es etwa 11 Millionen Fälle. Die Zahl der Länder mit großen Ausbrüchen hat sich seit 2021 fast verdreifacht. Dieser Anstieg wird durch anhaltende Lücken bei der Masernimpfung in Routineprogrammen verursacht, verstärkt durch ein sinkendes Vertrauen in Impfungen in einigen Gemeinschaften, die zuvor hohe Impfquoten hatten.
Groß angelegte Nachholimpfaktionen sind ressourcenintensiv und sollten lediglich als Lückenfüller dienen, ergänzend zu Routineimpfungen. Der optimale, nachhaltige Schutz für Kinder und Gemeinschaften bleibt eine rechtzeitige Impfung gemäß den nationalen Impfplänen.
Weltimpfwoche – Aufruf zu nachhaltigen Investitionen
Zur Weltimpfwoche (24.–30. April 2026) rufen WHO, UNICEF und Gavi, die Impfallianz gemeinsam mit Ländern und Gemeinschaften unter dem Motto "Impfstoffe wirken - für jede Generation" Regierungen dazu auf, Impfquoten in allen Altersgruppen zu sichern und auszuweiten. Die Priorität bleibt, ungeimpfte Kinder zu erreichen und Chancengleichheit in den am schwersten erreichbaren Gemeinden voranzubringen, insbesondere in Ländern mit Konflikten, Instabilität oder fragilen Gesundheitssystemen. Um das Momentum aufrechtzuerhalten, braucht es langfristige, höhere nationale Investitionen in Impfprogramme sowie verlässliche Zusagen von Partnern und Geber*innen.
Hinweise für Redaktionen:
Detaillierte Informationen zu den Aktivitäten der Initiative “The Big Catch-Up" stehen hier zur Verfügung.
Bild- und Videomaterialien stehen hier zur Verfügung.