Pressemitteilung

UNICEF und WHO: Globale Impfquote gegen Kinderkrankheiten steigt trotz Konflikten und Impfskepsis

Zahl der nicht geimpften Kinder sinkt um fast 750.000 / doch hohe Abbruchquoten gefährden die Fortschritte und erhöhen Ausbruchsrisiken

Um Kinder zu schützen, wurde in Malawi eine landesweite Polio-Impfkampagne durchgeführt.

Um Kinder zu schützen, wurde in Malawi mit Unterstützung von UNICEF eine landesweite Polio-Impfkampagne durchgeführt.

© UNICEF/UNICEF Malawi

Im Jahr 2025 erhielten 90 Prozent der Kleinkinder weltweit – rund 116 Millionen Kinder – mindestens eine der erforderlichen drei Impfdosen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP). 85 Prozent – rund 110 Millionen Kinder – haben die vollständige Dreifach-Impfserie erhalten. Das geht aus den aktuellen jährlichen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Kinderhilfswerks UNICEF zur Impfabdeckung hervor.

Beide Werte stiegen im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt. Dennoch lag die weltweite Impfquote weiterhin einen Prozentpunkt unter dem Niveau von 2019 – dem Basisjahr für die Messung der Impffortschritte. Die Quote bewegt sich seit 2009 nur innerhalb einer engen Schwankungsbreite.

Den Daten zufolge erhielten im Jahr 2025 schätzungsweise 13,5 Millionen sogenannte „Null-Dosis“-Kinder in ihrem ersten Lebensjahr keine einzige Impfung. Das sind zwar rund 750.000 Kinder weniger als im Vorjahr. Doch dieser Fortschritt wird durch eine steigende Zahl von Kindern zunichte gemacht, die zwar mit dem Impfplan begonnen, ihn aber nicht vollständig abgeschlossen haben. Die meisten dieser Kinder leben in Ländern, deren nationale Impfprogramme von Gavi, der Impfallianz, unterstützt werden.

Weltweit haben schätzungsweise 7,3 Millionen Säuglinge ihre erste DTP-Impfdosis erhalten, die Masern-Erstimpfung jedoch nicht mehr bekommen. Diese hohe Abbruchquote trug dazu bei, dass die Masernimpfquote stagnierte: 84 Prozent der Kinder erhielten die erste Masernimpfung, 77 Prozent die zweite Dosis. Beide Werte lagen deutlich unter der erforderlichen Schwelle von 95 Prozent, die notwendig ist, um Ausbrüche dieses hochansteckenden Virus zu verhindern. Infolgedessen meldeten 57 Länder im Jahr 2025 größere oder schwerwiegende Masernausbrüche.

„Regierungen und Gesundheitsfachkräfte haben dazu beigetragen, dass sich die weltweiten Impfquoten nach dem starken Einbruch während der COVID-19-Pandemie wieder erholt haben“, sagte Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Doch Millionen besonders gefährdeter Kinder bleiben aufgrund von Konflikten, Vertreibung und Armut weiterhin ungeschützt. Wir müssen jedes Kind erreichen und dort Vertrauen wieder aufbauen, wo es schwindet. Kein Kind sollte an einer Krankheit leiden, die durch eine einfache Impfung verhindert werden kann.“

Daten aus 195 Ländern zeigen: 100 Länder halten seit 2019 eine Impfabdeckung von mindestens 90 Prozent mit drei DTP-Dosen aufrecht. Doch diese Gruppe ist kaum gewachsen. Von den Ländern, die 2019 unter 90 Prozent lagen, konnten 30 Länder ihre Impfquoten in den vergangenen sechs Jahren verbessern. Dagegen stagnierten oder verschlechterten sich die Werte in 65 Ländern, darunter 13 fragile, konfliktbetroffene oder besonders gefährdete Länder.

Im Vergleich zu den Werten vor der Pandemie aus dem Jahr 2019 haben der amerikanische Kontinent und Südostasien ihre Impfquoten vollständig erholt und sogar verbessert. Südostasien ist inzwischen die leistungsstärkste Region weltweit. Afrika, der östliche Mittelmeerraum und Europa verzeichneten im vergangenen Jahr Zuwächse, liegen aber noch unter dem Niveau vor der COVID-19-Pandemie. Der Westpazifik hingegen musste Rückgänge hinnehmen und ist die Region mit dem größten Abstand zu ihren Werten von 2019.

Hinter diesen globalen und regionalen Durchschnittswerten stehen anhaltende Herausforderungen, die zu erheblichen Unterschieden und Schwankungen bei den Impfquoten einzelner Länder führen.

Mehr als die Hälfte aller komplett ungeimpften Kinder lebt in fragilen und konfliktbetroffenen Regionen, obwohl dort nur etwa ein Drittel der weltweiten Kinderbevölkerung lebt. Impfprogramme sind in diesen Ländern häufig durch politische Instabilität, Unsicherheit oder chronische Unterfinanzierung belastet. Syrien verlor beispielsweise innerhalb eines Jahres sechs Prozentpunkte bei der ersten DTP-Impfung und zwölf Prozentpunkte bei der ersten Masernimpfung. Gleichzeitig verzeichnete der Sudan den weltweit größten Anstieg eines einzelnen Landes: Die Impfquote der ersten DTP-Dosis stieg um 35 Prozentpunkte, die Abdeckung mit der ersten Masernimpfung um 22 Prozentpunkte. Dies zeigt, was selbst in anhaltenden Konfliktsituationen möglich ist, wenn der Zugang zu Gesundheitsdiensten verbessert wird.

In Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen sanken die Impfquoten hingegen teilweise trotz guter Verfügbarkeit von Impfstoffen. Zu den Gründen zählen ein nachlassendes politisches Engagement, strukturelle Probleme oder wachsende Impfskepsis. So ist die Quote der ersten DTP-Impfung in Südafrika seit 2019 um 20 Prozentpunkte gesunken. Bosnien und Herzegowina verzeichnete nach einem großen Anstieg der ersten Masernimpfung im Jahr 2024 nun einen Rückgang um 23 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres.

„Jedes Kind – unabhängig davon, ob es in Wohlstand oder Armut, Frieden oder Konflikt geboren wird – hat Anspruch auf den lebensrettenden Schutz, den Impfungen bieten“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. „Impfungen gehören zu den kosteneffektivsten, gerechtesten und zuverlässigsten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und des Wohlergehens von Kindern. Unsere größte Sicherheit beginnt damit, dass alle Menschen – wo auch immer sie leben – vor tödlichen Krankheiten geschützt werden, die Impfstoffe verhindern können."

In den vergangenen 25 Jahren haben kontinuierliche Investitionen von Regierungen und Partnern, das Engagement von Gemeinschaften, die Stärkung von Impfprogrammen und ein hohes öffentliches Vertrauen die Zahl der Null-Dosis-Kinder weltweit um 40 Prozent reduziert. In von Gavi unterstützten Ländern sind Kinder heute gegen mehr Krankheiten geschützt als je zuvor. Die durchschnittliche Durchimpfungsrate über alle von der WHO empfohlenen Impfungen hinweg liegt dort inzwischen bei 74 Prozent.

„Die historischen Fortschritte bei den Impfquoten in Ländern mit niedrigem Einkommen zeigen, was erreicht werden kann, wenn alle Beteiligten gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten“, sagte Dr. Sania Nishtar, Geschäftsführerin von Gavi, der Impfallianz. „Mit Beginn einer neuen fünfjährigen Förderperiode besteht unsere größte Herausforderung nun darin, diesen Schwung trotz Finanzierungsengpässen, geopolitischer Unsicherheit und zunehmenden Ausbrüche aufrechtzuerhalten – und gleichzeitig mehr für jene Kinder zu tun, die noch immer keinen Zugang zu Impfungen haben."

Die Grundlagen dieser Fortschritte geraten jedoch zunehmend unter Druck. Die vollständigen Auswirkungen der in den vergangenen zwei Jahren angekündigten Kürzungen bei der internationalen Gesundheitsfinanzierung spiegeln sich in diesen Schätzungen noch nicht vollständig wider. Allerdings zeigen die Datensysteme, die zur Überwachung der Entwicklung und zur Verhinderung von Rückschritten notwendig sind, bereits Belastungserscheinungen. So wurden im aktuellen Berichtszeitraum lediglich 18 nationale Impfungsstudien durchgeführt und eingereicht – verglichen mit 50 Studien im Jahr 2024 und einem Durchschnitt von 33 pro Jahr zwischen 2015 und 2019. WHO und UNICEF warnen, dass eine nachlassende Finanzierung dieser Datensysteme dazu führen wird, dass ungeimpfte Kinder seltener identifiziert und erreicht werden. Die Folge könnten vermeidbare Krankheitsausbrüche und Todesfälle sein.

WHO und UNICEF arbeiten gemeinsam mit Gavi, der Impfallianz und weiteren Partnern an der Umsetzung der globalen Immunisierungsagenda 2030 (IA2030). Ziel ist es, Impfstoffe allen Menschen, überall und in jedem Alter zugänglich zu machen. Doch die Welt entfernt sich derzeit weiter von dem globalen Ziel, die Zahl der Null-Dosis-Kinder deutlich zu senken.

Um gegenzusteuern und die bestehenden Lücken zu schließen, fordern WHO und UNICEF Regierungen und Partner auf:

  • Impfprogramme in Konflikt- und Krisengebieten gezielt zu stärken, um die Kinder dort zu erreichen und langfristig zu schützen.
  • Falschen und irreführenden Gesundheitsinformationen entgegenzutreten und die Impfbereitschaft aktiv zu fördern.
  • Nationale und globale Finanzmittel für Impfprogramme und -partnerschaften zu erhöhen und langfristig aufrechterhalten, einschließlich Gavi, der Impfallianz.
  • In stärkere Daten- und Krankheitsüberwachungssysteme zu investieren, um Impfprogramme wirksam auszubauen und zu steuern.

Service für Redaktionen:

Multimedia-Material steht hier zum Download bereit.

Der WHO-Datensatz mit globalem Dashboard, Länderprofilen und weiteren Ressourcen steht hier bereit: Global dashboard, country profiles, additional resources.

Der UNICEF-Datensatz mit vollständigen Datensätzen, Datenvisualisierungen, und Länderprofilen steht hier bereit: Overview page, Full datasets, Data visualisation, Regional data visualisation, Country profiles.

Die offiziellen WHO- und UNICEF-Schätzungen der nationalen Durchimpfungsraten werden jährlich aktualisiert, sobald neue Länderdaten vorliegen. Die Zahlen in dieser Mitteilung sind nicht mit früheren Jahresberichten vergleichbar.

Die Schätzungen basieren auf Daten aus 195 Ländern und liefern den weltweit größten und umfassendsten Datensatz zu Impftrends für 13 Krankheiten. Für 2025 wurden Daten aus 185 Ländern ausgewertet.

Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren

Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.

Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.

Katja Sodomann
Sprecherin (Köln) - Internationale Themen