© UNICEF/UNI595641/StroischKinderfreundliche Kommunen: Jugendliche laufen in UNICEF-Tshirts
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Child Friendly Cities: wie Kinderrechte in Kommunen gelebt werden

In der Child Friendly Cities Initiative – in Deutschland „Kinderfreundliche Kommunen“ genannt – machen Städte, Gemeinden und Landkreise Kinderrechte Schritt für Schritt zum Maßstab ihres Handelns und beziehen Kinder und Jugendliche wirksam in Entscheidungen ein. So entstehen weltweit Orte, an denen junge Menschen sicherer aufwachsen, Demokratie erleben und ihre Zukunft aktiv mitgestalten können.

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ Ein Sprichwort, das wunderbar zu den sogenannten Child Friendly Cities passt. Denn ob Kinder gut und sicher aufwachsen können, individuell gefördert werden und für ihre Wünsche und Bedürfnisse einstehen können, entscheidet sich dort, wo sie leben.

In kinderfreundlichen Städten, Gemeinden und Landkreisen – in Deutschland und weltweit – werden dafür wichtige Voraussetzungen getroffen. Hier werden zum Beispiel Schulwege sicher gestaltet, Orte zum Spielen und Treffen mit Heranwachsenden durchdacht und Kinder und Jugendliche in die Stadtplanung einbezogen. Denn vieles, was ein gutes Aufwachsen möglich macht, entsteht direkt vor Ort.

Was also sind Child Friendly Cities (bzw. Kinderfreundliche Kommunen)?

Jugendliche stehen eng beieinander und schauen in die Kamera
© UNICEF/UNI595606/Stroisch

30 Jahre Child Friendly Cities: Wie alles begann …

Vor 30 Jahren startete die Idee, Städte und Gemeinden kinderfreundlicher zu gestalten und Kindern und Jugendlichen mehr Raum für Mitsprache auf kommunaler Ebene zu geben. Es entstand ein weltweites Netzwerk, das bis heute immer stärker seine Wirkung entfaltet: die „Child Friendly Cities Initiative“ – kurz CFCI.

Vorausgegangen war eine UN-Konferenz im Frühjahr 1996 in Istanbul, an der auch UNICEF teilnahm. Thematisch beschäftigte sich die Konferenz mit den Herausforderungen des weltweit rasanten Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Verstädterung. Mit Blick auf das Wohl und die Rechte der Kinder und Jugendlichen innerhalb der Kommunen lag für UNICEF und UN-Habitat - dem Programm der Vereinten Nationen für nachhaltige Stadtentwicklung und angemessenes Wohnen - die Antwort in der Child Friendly Cities Initiative.

Denn nur eine Kommune, die für Kinder gut ist, ist auch für alle gut. Oder – wie es in einer Erklärung aus der Konferenz heißt:

“The wellbeing of children is the ultimate indicator of a healthy habitat, a democratic society and of good governance”. (UN Conference on Human Settlements, Habitat II) 

Diese Grundidee gilt bis heute. Drei Jahrzehnte später ist daraus eine globale Bewegung geworden: Rund 3.000 Städte und Gemeinden in 35 Ländern arbeiten im Rahmen der Initiative daran, Kinderrechte systematisch in Städten, Gemeinden und Landkreisen umzusetzen – und erreichen damit über 30 Millionen Kinder.

BIlder von Porträts werden an einer Landkarte befestigt
© UNICEF/UNI595597/Stroisch
Info

Child Friendly Cities weltweit - fünf Beispiele, wie Kinderrechte den Alltag verändern  

Finnland
Mehr als 120.000 Kinder haben kommunale politische Maßnahmen mitgestaltet, die sich auf Kinder auswirken.

Brasilien 
Durch die Strategie der Aktiven Schulsuche kehrten zwischen 2021 und 2024 insgesamt 209.244 Kinder und Jugendliche in die Schule zurück.  

Frankreich 
74 % der kinderfreundlichen Städte passen ihre Gebühren an das Einkommen der Familien an – so zahlen Familien mit geringerem Einkommen weniger. 

Korea 
Mehr als 120 Kommunen haben innerhalb der lokalen Verwaltungen eigene Stellen/Einheiten für Kinderrechte eingerichtet. 

Österreich 
350 Gemeinden haben durch die Initiative Spielplätze, Jugendzentren und Sportparks für Kinder und Jugendliche gebaut und modernisiert. 

Die Child Friendly Cities Initiative ist kein „Programm von oben herab“. Sie ist Rahmen, Netzwerk und Lernraum. Kommunen werden dort abgeholt, wo sie stehen – und entwickeln entlang der UNKinderrechtskonvention konkrete Verbesserungen im Alltag von Kindern und Jugendlichen.

Der entscheidende Perspektivwechsel ist dabei, dass Kinder und Jugendliche Mitgestaltende sind.

Weltweit bringen sich Kinder und Jugendliche über Jugendparlamente, Kinder- und Jugendräte, Befragungen oder andere Beteiligungsformate ein und machen ihre Kommune so immer kinderfreundlicher.

2025 gab es in mindestens 1.300 Städten Beteiligungsprozesse im Rahmen der Child Friendly Cities Initiative.

Mehrere Kinder stehen im Kreis und zeigen auf einen Globus.
© UNICEF/UNI604440/Etges

Der größte positive Aspekt, wenn man in einer Kinderfreundlichen Kommune aufwächst, ist, dass man Demokratie leibhaftig wahrnimmt, weil man sich schon als Kind oder Jugendlicher dafür einsetzen kann, etwas zu bewirken.

- Ron, Mitglied im Jugendbeirat Potsdam

Von der globalen Initiative zu Kinderfreundlichen Kommunen in Deutschland

In Deutschland ist die CFCI als Initiative „Kinderfreundliche Kommunen“ etabliert und wird vom gleichnamigen Verein umgesetzt. Getragen wird der Verein von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk. Die Initiative zeigt auch bei uns in Deutschland: Kinderrechte wirken besonders dann, wenn sie in kommunalen Entscheidungen konsequent mitgedacht werden.

Nicht einzelne Leuchtturmprojekte machen eine Kommune kinderfreundlich – sondern verlässliche Strukturen, die Beteiligung, Schutz und gerechte Zugänge dauerhaft und nachhaltig ermöglichen und besonders die Kinder und Jugendlichen erreichen, die Unterstützung am dringendsten brauchen.

Jugendliche in UNICEF-T-Shirts nutzen ein Megafon bei einem Event draussen.
© UNICEF/UNI729050/Stroisch

Es gibt sehr viele Kinder und Jugendliche, die sich nicht so engagieren können wie ich und die auch nicht die Möglichkeit haben, ihre Stimme zu erheben. Ich glaube, dass es ein großes Privileg ist, sich so engagieren zu können und auch zu merken, dass Politiker*innen einem wirklich zuhören.

- Sophie, Mitglied im Jugendbeirat Wolfsburg

Was macht eine Kinderfreundliche Kommune besonders?

Eine Kinderfreundliche Kommune ist kein Label, sondern ein verlässlicher und nachweisbarer Prozess, der Kinderrechte in Verwaltung und Politik dauerhaft verankert. Nur so wird Veränderung auch im Alltag spürbar.

Info

Das zeichnet eine Kinderfreundliche Kommune aus:  

  • Beteiligung, die Wirkung hat: Kinder und Jugendliche werden regelmäßig einbezogen. Ihre Rückmeldungen fließen in politische Entscheidungen ein. 

  • Kinderrechte als Verwaltungsaufgabe: Die Kinderrechte werden bei Handlungen und Entscheidungen durch die Stadtverwaltung immer berücksichtigt, nicht nur wenn gerade Zeit dafür ist. 

  • Konkrete Verbesserungen: Kinderfreundlichkeit wird sichtbar, wenn zum Beispiel Wege für Kinder und Jugendliche sicherer werden, Spielorte entstehen oder Teilhabe leichter möglich ist 

Mehr als 60 Kinderfreundliche Kommunen haben unter anderem ihre Mobilität, Spiel- und Freiräume verbessert – und damit ihre Orte lebenswerter für Familien gemacht. 

  • Dranbleiben über Wahlperioden: Kinderrechte umzusetzen heißt meist zuhören, abwägen, ermöglichen – und ganz wichtig: DRANBLEIBEN. Dafür braucht es Ziele, Zeitpläne, Budgets und Verantwortlichkeiten, die über einzelne Projekte und vor allem Wahlperioden hinausreichen.

 Ich wünsche mir, dass Politiker*innen mehr auf Kinder hören und auf sie achten, weil wir später in der Welt leben müssen.

- Maya, Mitglied im Kinderbeirat Wolfsburg

Städte für Kinder: Kinderfreundliche Kommunen lohnen sich für alle

Kinderfreundliche Kommunen sind mehr als „nice to have“. Wenn Kommunen Kinderrechte in Politik, Budgets und Beteiligung verankern, entstehen messbare Verbesserungen für Kinder und Jugendliche – heute und in Zukunft. Kinderrechte stärken bedeutet auch, Orte zu schaffen, die gerechter, resilienter und menschlicher sind - für alle Generationen.

Zwei Kinder halten eine Broschüre zu Kinderrechten in die Kamera
© UNICEF/UNI604499/Etges

Was „kinderfreundlich“ konkret heißt, zeigen viele Kommunen schon heute. Sie informieren über Kinderrechte und ermöglichen Beteiligung:

  • "HEY Köln – Check mit uns dein Veedel": Beim Veedels-Check in Köln nehmen Kinder und Jugendliche ihr Viertel unter die Lupe: Was ist gut? Was fehlt? Was muss sicherer werden? So wird Stadtentwicklung alltagstauglich.

  • Lernpfad der Kinderrechte: Kinderrechte werden in Dormagen im öffentlichen Raum sichtbar und begreifbar – ein Lern- und Erlebnisangebot, das Wissen schafft und gleichzeitig Gespräche in Familien, Schulen und der Stadt anstößt.

  • "Frag doch mal den Bürgermeister": In Neuwied können junge Menschen ihre Fragen und Anliegen direkt an die Stadtspitze adressieren und Antworten „aus erster Hand“ bekommen – ein starkes Signal für Beteiligung und Vertrauen.

  • Straße der Kinderrechte: In Zeven sind Kinderrechte im Stadtbild dauerhaft präsent – damit Kinderrechte im Alltag immer wieder „auffallen“.

Info

Wie wird man eine Kinderfreundliche Kommune? 

Der Weg ist klar strukturiert – und gleichzeitig individuell auf jede Kommune zugeschnitten. Typische Schritte sind… 

  • Bestandsaufnahme: Wo steht die Kommune bei Beteiligung, Schutz, Förderung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen? 

  • Kinder und Jugendliche einbeziehen: Nicht über sie reden, sondern mit ihnen planen. 

  • Ziele festlegen: Konkrete, überprüfbare Maßnahmen – zum Beispiel sichere Wege, Beteiligungsformate, mehr Spiel- und Aufenthaltsorte. 

  • Aktionsplan beschließen und umsetzen: Mit Verantwortlichkeiten, Zeitplan und Ressourcen. 

  • Dranbleiben: Fortschritte transparent machen, nachsteuern, Strukturen dauerhaft verankern. Damit das ressortübergreifend gelingt, richtet die Kommune eine Steuerungsgruppe ein, in der verschiedene Ämter, Politik und Zivilgesellschaft zusammenkommen – und in der auch Jugendliche vertreten sein sollen. 

Kinderfreundliche Kommunen: Kinder einer UNICEF-Kinderrechteschule schauen ein Kinderrechteplakat an.
© UNICEF/UNI825007/Etges

30 Jahre Child Friendly Cities – ein Moment zum Feiern und zum Mitmachen

Zum Jubiläum lohnt ein Blick zurück – und vor allem nach vorn. Denn die Herausforderungen für Kinder in Kommunen verändern sich: Klimarisiken, Ungleichheit, digitale Lebenswelten und weiter wachsende Städte verlangen immer neue Antworten in Deutschland und weltweit.

Kinderfreundliche Kommunen: Zwei Kinder stehen vor einer blauen Wand, tragen Partyhüte und halten ein großes Plüschtier.
© UNICEF/UN0254204/Dejongh

Die gute Nachricht: Viele Antworten gibt es schon – in Kommunen, die Kinder und Jugendliche beteiligen, Strukturen schaffen und Kinderrechte zur Richtschnur machen.

Ihre Kommune will Teil dieses internationalen Netzwerks werden?

Dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt loszugehen – Schritt für Schritt.

Autor*in Simone Morawitz

Simone Morawitz ist Pressereferentin und gibt in ihren Blogs Einblicke in die Programmarbeit von UNICEF in Deutschland – im Fokus die Kinderfreundlichen Kommunen und das Engagement junger Menschen.